21.10.2026 • News

Tamim Asfour erhält Greve-Preis der Leopoldina

Humanoide Roboter, die im Haushalt, in der Pflege oder in der Industrie komplexe Aufgaben übernehmen und dabei vom Menschen und aus eigener Erfahrung lernen.

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Der Preisträger Tamim Asfour mit Roboter ARMAR-7
© Leopoldina

Daran forscht Tamim Asfour seit über 25 Jahren. Mit seinem Team am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat er die ARMAR-Familie humanoider Roboter entwickelt, von ARMAR-I, einem der ersten humanoiden Roboter Europas, bis zum heutigen ARMAR-7 – ihren Körper ebenso wie ihre Intelligenz. Der Ingenieur und Informatiker gilt international als einer der führenden Vertreter der Robotik und verkörperten Künstlichen Intelligenz. Für seine Forschungsleistungen auf dem Gebiet der humanoiden Robotik zeichnet die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina Tamim Asfour nun mit dem Greve-Preis 2026 aus. Der mit 250.000 Euro dotierte Preis wird von der Hamburgischen Stiftung für Wissenschaften, Entwicklung und Kultur Helmut und Hannelore Greve gestiftet.

„Die Forschung von Tamim Asfour zeigt eindrucksvoll, wie aus interdisziplinärer Spitzenforschung konkrete Zukunftstechnologien entstehen“, sagt Leopoldina-Präsidentin Bettina Rockenbach. „Sein Ansatz führt Mechatronik, Informatik, Wahrnehmung, Lernen und Künstliche Intelligenz zu integrierten Systemen zusammen und eröffnet neue Perspektiven für den Einsatz humanoider Roboter in Alltag und Arbeitswelt.“

Humanoide Roboter können durch spektakuläre Bewegungen wie Purzelbäume oder Saltos Aufmerksamkeit erregen. Tamim Asfours Forschung gilt einer weit anspruchsvolleren Frage: Wie können Roboter in realen Umgebungen Gegenstände greifen und manipulieren, komplexe Aufgaben ausführen und dabei vom Menschen und aus eigener Erfahrung lernen? Dazu entwickelt Asfour kognitive humanoide Roboter als ganzheitliche Systeme aus Hardware und Software, die Wahrnehmung, Bewegungssteuerung, Handlungsplanung, Lernen und Interaktion integrieren. In Experimenten unterstützen ARMAR-III und ARMAR-7 Menschen im Haushalt, ARMAR-6 assistiert bei Wartungs- und Reparaturaufgaben.

Seine Arbeiten folgen dem Ansatz der verkörperten Künstlichen Intelligenz (Embodied AI): Damit Robotersysteme eines Tages selbstständig in Haushalten, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen oder industriellen Umgebungen arbeiten können, benötigen sie einen Körper, der mit der Welt interagiert, sowie eine Intelligenz, die aus dieser Interaktion lernt. Asfour entwickelte eine kognitive Roboterarchitektur mit einem episodischen Gedächtnis, das Robotern ermöglicht, Erfahrungen zu speichern, abzurufen und in natürlicher Sprache zu beschreiben. ARMAR-7 kann zum Beispiel die Frage beantworten, was er am Morgen in der Küche gesehen hat, und dabei Gegenstände, Handlungen und Ereignisse aus eigener Erfahrung beschreiben. Dies gilt als Meilenstein der Grundlagenforschung auf dem Weg zu tatsächlich kognitiven Robotern mit verkörperter Intelligenz, die schrittweise aus Interaktion lernen.

Darüber hinaus hat Asfour international breit genutzte, frei zugängliche Forschungsinfrastrukturen geschaffen, insbesondere die KIT-Bewegungsdatenbank, eine der weltweit größten Sammlungen von Daten zu menschlichen Ganzkörperbewegungen.

Tamim Asfour studierte Elektrotechnik und promovierte in Informatik an der Universität Karlsruhe (heute: Karlsruher Institut für Technologie, kurz: KIT). Er war Adjunct Professor am Georgia Institute of Technology (Georgia Tech) in den USA und an der National University of Singapore (NUS). Seit 2012 ist er Professor für „Humanoide Robotik Systeme“ am Institut für Anthropomatik und Robotik (IAR) an der KIT-Fakultät für Informatik. Dort leitet er den Lehrstuhl Hochperformante Humanoide Technologien (H²T). Zudem ist er Sprecher des Robotics Institute Germany.

Der Greve-Preis der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina wird an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler oder Forschungsteams verliehen, die in Deutschland an Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen oder in Wirtschaftsunternehmen tätig sind. Die Auszeichnung wird alle zwei Jahre verliehen und würdigt besonders herausragende Forschungsleistungen in den Bereichen Naturwissenschaften/Medizin und Technikwissenschaften. Der Greve-Preis wird themenspezifisch ausgeschrieben, in diesem Jahr zu „Robotik und verkörperte Intelligenz“. Der Preis ist mit 250.000 Euro dotiert, die aus Mitteln der Greve-Stiftung stammen.

Die Preisverleihung findet am Freitag, 27. November 2026 um 11 Uhr im Rahmen eines Festakts statt, zu dem der Präsident des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg, Erster Bürgermeister Peter Tschentscher, in das Hamburger Rathaus einlädt. Journalistinnen und Journalisten, die sich für die Preisverleihung interessieren, wenden sich bitte bis zum 6. November per E-Mail an presse@leopoldina.org. Interviews mit dem Preisträger werden gerne vermittelt.

Die Veranstaltung wird auf dem YouTube-Kanal der Leopoldina im Livestream übertragen: www.youtube.com/NationaleAkademiederWissenschaftenLeopoldina.

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