12.08.2026 • News

DGD Stiftung begrüßt mögliche Rückkehr des Zivildienstes

Der Marburger Gesundheitsverbund sieht Zivildienstleistende als willkommene Unterstützung, warnt aber vor falschen Erwartungen.

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Dr. Claudia Fremder, Fachlicher Vorstand der DGD Stiftung, Marburg: "Der Verbund diakonischer Gesundheitseinrichtungen begrüßt eine mögliche Rückkehr des Zivildienstes, wenn der Ersatzdienst klar geregelt ist."
© DGD Stiftung

Die DGD Stiftung mit Sitz in Marburg begrüßt die Diskussion über eine mögliche Wiedereinführung des Zivildienstes. „In unseren Krankenhäusern, Fachkliniken und Senioreneinrichtungen sind junge Menschen, die sich in den Dienst am Mitmenschen stellen, ausdrücklich willkommen“, sagt Dr. Claudia Fremder, Fachlicher Vorstand des diakonischen Gesundheitsverbands. Zugleich betont sie, dass ein solcher Dienst nur dann sinnvoll gestaltet werden kann, wenn klare Regeln, verlässliche Zuständigkeiten und eine ausreichende Finanzierung durch die Politik sichergestellt sind.

„Wir sehen in einem möglichen Zivildienst eine Chance, junge Menschen langfristig für soziale und gesundheitliche Aufgaben zu begeistern und unsere Teams im Alltag zu unterstützen“, so Dr. Fremder. „Wer sich für einen Dienst am Menschen entscheidet, verdient Wertschätzung, gute Begleitung und verlässliche Strukturen.“

Gleichzeitig stellt die DGD Stiftung klar, dass Zivildienstleistende nicht als billige Arbeitskräfte oder als Ersatz für Fachkräfte verstanden werden dürfen. „Zivildienstleistende sind keine Lösung für strukturelle Personalengpässe und können keinesfalls qualifizierte Fachkräfte ersetzen“, so Dr. Fremder. „Gerade in unseren Pflegebereichen gilt: Zivildienstleistende können wertvolle Unterstützung leisten, etwa bei Begleit-, Entlastungs- und Organisationsaufgaben. Die pflegerische Verantwortung und die qualifizierte Versorgung bleiben aber selbstverständlich die Aufgabe unserer Pflegefachpersonen.“ Den jungen Menschen könne der Zivildienst „wie auch der Bundesfreiwilligendienst oder das Freiwillige Soziale Jahr eine gute Orientierung für die spätere Berufswahl geben“, so Dr. Fremder. 

Der Gesundheitsverbund verweist darauf, dass in Krankenhäusern und Senioreneinrichtungen ohnehin strenge Anforderungen an Personalplanung, Qualität und Verantwortlichkeiten gelten. Ein möglicher Zivildienst müsse deshalb in bestehende Abläufe integriert werden, ohne die professionelle Versorgung zu schwächen oder gar reguläre Stellen zu verdrängen. „Unsere Häuser tragen Verantwortung für Patientinnen und Patienten, Bewohnerinnen und Bewohner sowie für unsere Mitarbeitenden“, betont Dr. Fremder. „Junge Menschen können uns unterstützen, aber sie dürfen nicht an die Stelle von Fachkräften treten.“

Die DGD Stiftung ordnet die Debatte zudem im Verhältnis zum Bundesfreiwilligendienst und zum Freiwilligen Sozialen Jahr ein. Diese Formate seien seit Aussetzen der Wehrpflicht im Jahr 2011 „bewährte Säulen des gesellschaftlichen Engagements, die auf Freiwilligkeit und entsprechend hoher Eigenmotivation“ beruhen. „Der Bundesfreiwilligendienst und das Freiwillige Soziale Jahr sind für unsere Einrichtungen von großer Bedeutung“, erklärt Dr. Fremder. „Sie bringen junge Menschen mit echter Motivation in unsere Einrichtungen, die sich bewusst dafür entscheiden haben, soziale Verantwortung zu übernehmen. Diese Dienste dürfen durch eine mögliche Rückkehr des Zivildienstes nicht geschwächt werden.“ 

Nach Auffassung der DGD Stiftung müsse eine mögliche Wiedereinführung des Zivildienstes daher Teil eines tragfähigen Gesamtkonzepts sein. Dazu gehören eine verlässliche Organisation, gute pädagogische Begleitung, faire Einsatzbedingungen und vor allem eine auskömmliche Gegenfinanzierung. „Wenn die Politik neue Pflicht- oder Ersatzdienste will, dann muss sie auch die finanziellen und organisatorischen Rahmenbedingungen schaffen“, sagt Dr. Claudia Fremder. „Andernfalls würden die Lasten auf die Einrichtungen verlagert, die bereits heute aufgrund der Transformationsprozesse vor dem Hintergrund der Reformen und der jüngsten Sparpolitik unter einem immens hohen Kostendruck stehen.“ Die Dauer sollte sich mindestens an der des derzeit freiwilligen Wehrdiensts orientieren: Dieser ist mindestens sechs und bis zu elf Monate lang. „Wünschenswert wäre aber ein Zivildienst von zwölf Monaten, damit die jungen Menschen auch die Chance haben, eine Verbindung zu ihrer Aufgabe herzustellen“, verdeutlicht Dr. Fremder.

Die DGD Stiftung ist offen für junge Menschen, die sich in ihren Häusern engagieren möchten – ob im Freiwilligen Sozialen Jahr, im Bundesfreiwilligendienst oder in einem möglichen Zivildienst. „Sollte die politische Entscheidung für den Zivildienst fallen, sind unsere Häuser gut vorbereitet, engagierte, junge Menschen zu begleiten.“ Entscheidend sei, dass der Dienst sinnvoll gestaltet ist, Orientierung bietet und den Einrichtungen tatsächlich hilft. Für Dr. Fremder steht fest: „Sozialer Einsatz braucht Wertschätzung, Planungssicherheit und politische Verlässlichkeit. Denn dann kann der Zivildienst ein Gewinn für alle sein.“

Dr. Claudia Fremder ist Fachlicher Vorstand der DGD Stiftung in Marburg. Der...
Dr. Claudia Fremder ist Fachlicher Vorstand der DGD Stiftung in Marburg. Der Verbund diakonischer Gesundheitseinrichtungen begrüßt eine mögliche Rückkehr des Zivildienstes, wenn der Ersatzdienst klar geregelt ist.
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