Fünf José Carreras-Promotionsstipendien verliehen
„Die José Carreras Leukämie-Stiftung fördert seit über zehn Jahren gezielt den wissenschaftlichen Nachwuchs, um die Leukämie-Forschung mit innovativen Ansätzen voranzubringen. Eines unserer wichtigsten Förderprogramme sind die José Carreras-Promotionsstipendien. Doktorandinnen und Doktoranden der Medizin erhalten dadurch den Freiraum, sich ein Jahr lang vollzeitig ihrem Forschungsprojekt zu widmen“, erklärt Dr. Ulrike Serini, Geschäftsführerin der José Carreras Leukämie-Stiftung.

In diesem Jahr gehen die mit jeweils 12.400 Euro dotierten Promotionsstipendien an fünf Studierende in Frankfurt, Köln, München und Tübingen. Gestiftet wird das Fördergeld von der Deutschen José Carreras Leukämie-Stiftung. Die Ausschreibungsunterlagen des José Carreras-Promotionsstipendiums im Erwachsenen Bereich und weiterer Förderprogramme sind auf der Webseite der Stiftung unter https://www.carreras-stiftung.de/stipendien/ hinterlegt. Für das „José Carreras- Promotionsstipendium (Erwachsene)“ sind Bewerbungen jeweils bis zum 30. März eines jeden Jahres möglich.
Verliehen wird das „José Carreras-Promotionsstipendium (Erwachsene)“ in diesem Jahr an die folgenden Doktoranden für die angegebenen Promotionsarbeiten (in alphabetischer Reihenfolge):
• Arvid Becker, Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns, Köln: „Die Rolle von SOX11 bei der Entstehung des Mantelzell-Lymphoms und beim Therapieansprechen in neuen Mausmodellen“
• Marie Bogenschütz, Institut für Pathologie und Neuropathologie, Universitätsklinikum Tübingen: „Räumliche Charakterisierung der Immunlandschaft von blastären plasmazytoiden dendritischen Zellneoplasien mittels hochmultiplex Mikroskopie (CODEX) Grundlagenforschung“
• Tim Krier, Technische Universität München - Klinikum Rechts der Isar, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III, Hämatologie und Onkologie: „Mikrobiom-abhangige Modulation der Immunrekonstitution und Impfantwort bei Patientinnen und Patienten mit Multiplem Myelom nach einer autologen Stammzelltransplantation“
• Stefan Lavrov, Labor für molekulare Pathogenese der CLL der Uniklinik Köln, Klinik I für Innere Medizin, und CECAD Institut Köln: „Einfluss von BTK-Protein-Degradern auf Zellen des CLL-Tumormikromilieus im Vergleich zu klassischen BTK-Inhibitoren“
• Lukas Torzewski, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Medizinische Klinik 2 für Hämatologie/Onkologie: „Transiente Inaktivierung der Methyltransferase DNMT3A in Blutstammzellen zur Verbesserung der Blutrekonstitution nach Stammzelltransplantation“
Die neue Promotionsstipendiaten über ihr Forschungsvorhaben:
Arvid Becker (Max-Planck-Institut Köln)
„Das Mantelzell-Lymphom (MZL) ist eine seltene Form von Lymphdrüsenkrebs, die bislang nicht heilbar ist. Trotz initialem Ansprechen auf konventionelle und moderne Therapien erleiden Patienten in der Regel Rückfälle. Beim MZL wird im Gegensatz zu anderen Blutkrebs- und verwandten Krebsformen meistens das Protein SOX11 stark vermehrt gebildet. Über seinen Einfluss auf die Entwicklung von Immunzellen sowie auf Krebsentstehung und Therapieresistenz ist wenig bekannt. Ziel ist es daher, mithilfe von neu entwickelten Mausmodellen des Mantelzell-Lymphoms die zugrundeliegenden Mechanismen aufzuklären, um unser Krankheitsverständnis zu erweitern und langfristig neue SOX11 spezifische Therapien entwickeln zu können.“
Marie Bogenschütz (Universitätsklinikum Tübingen)
„Als seltene Erkrankung ist die blastische plasmazytoide dendritische Zellneoplasie (BPDCN) wenig bekannt, für die Betroffenen jedoch von existenzieller Bedeutung. Die hochaggressive Blutkrebserkrankung weist eine ungünstige Prognose auf, bedingt durch häufige Rückfälle und Therapieresistenzen. Neue Immuntherapien bieten besonders für ältere Patientinnen und Patienten eine vielversprechende Perspektive. Deren Erfolg setzt jedoch ein besseres Verständnis des Tumorimmunmicroenviroments (TIME) voraus, das bei BPDCN bislang unzureichende erforscht ist. Mit meinem Forschungsprojekt möchte ich erstmals die räumliche Verteilung, funktionellen Zustände und Interaktionen von Immunzellen im BPDCN-TIME mittels hochmultiplexer Mikroskopie charakterisieren, um neuen prognostische Marker und therapeutische Angriffspunkte zu identifizieren und so langfristig wirksamerer und besser verträgliche Behandlungsstrategien zu ermöglichen.“
Tim Krier (TU München - Klinikum Rechts der Isar)
„Das Multiple Myelom ist eine maligne hämatologische Neoplasie des Knochenmarks, die trotz therapeutischer Fortschritte weiterhin mit hohen Rezidivraten und limitierter Langzeitprognose assoziiert ist. Ein wesentlicher Bestandteil der Therapie ist die Hochdosischemotherapie mit anschließender autologer Stammzelltransplantation (ASCT). Obwohl die Therapie das progressionsfreie Überleben verbessern kann, führt sie gleichzeitig zu einer transienten humoralen und zellulären Immundefizienz mit erhöhter Infektanfälligkeit und Verlust bestehender Impfimmunitäten. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dann zur Identifikation mikrobiombasierter Biomarker beitragen und langfristig die Entwicklung personalisierter Therapie- und Impfstrategien ermöglichen, um Infektionsrisiken zu reduzieren sowie Behandlungserfolg und Lebensqualität der Patientinnen und Patienten nachhaltig zu verbessern.“
Stefan Lavrov (Uniklinik Köln und CECAD Institut Köln)
„Die Chronische lymphatische Leukämie (CLL) ist die häufigste Form von Blutkrebs bei Erwachsenen in Deutschland sowie der westlichen Welt und kann seit der Etablierung von Immuntherapien meist gut behandelt werden. Trotzdem ist die Erkrankung bei Notwendigkeit einer Therapie häufig nicht heilbar. Sogenannte Degrader stellen dabei eine neue, vielversprechende Medikamentenklasse dar. Diese hemmen im Vergleich zu aktuell eingesetzten Medikamenten krebsfördernde Proteine nicht nur, sondern lösen auch deren Abbau innerhalb der Zellen aus. In meinem Promotionsprojekt untersuche ich die Effekte von Degradern, die derzeit für die CLL in klinischen Studien getestet werden, auf Zellen der direkten Tumorumgebung. Diese Nachbarzellen spielen bei der CLL – insbesondere in Hinblick auf Überleben und Umgehung des Immunsystems – eine besonders wichtige Rolle. Aufgrund ihrer Einbindung in derartig wichtige Mechanismen könnte das Tumormikromilieu sich langfristig als ein neuer, wichtiger therapeutischer Ansatz erweisen.“
Lukas Torzewski (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
„Jährlich erkranken in Deutschland etwa 13.500 Menschen an Leukämie. Eine etablierte Therapie ist die allogene Stammzelltransplantation, bei der gesunde Stammzellen eines Spenders in das Knochenmark eines erkrankten Empfängers übertragen werden. Ziel meines Forschungsprojektes ist, die Stammzelltransplantation weiter-zuentwickeln, indem die Ansiedlung der Blutstammzellen im Empfänger nach Transplantation verbessert wird. Ein zelluläres Protein, die Methyltransferase DNMT3A, welches Stammzellen anregt, sich in reife Blutzellen zu entwickeln, soll kurzzeitig gehemmt werden, damit sich die Stammzellen nach Transplantation besser im Knochenmark des Empfängers ansiedeln, bevor sie alle reifen Blutzellen bilden. Persönlich hoffe ich, mit meiner Forschungstätigkeit einen Beitrag zur Verbesserung der Heilungschancen für Leukämiepatientinnen und -patienten zu leisten.“









