Gotthard Lehner in Ruhestand verabschiedet
Mit einer feierlichen Veranstaltung verabschiedete die DGD Fachklinik Haus Immanuel ihren langjährigen Klinikleiter Gotthard Lehner in den Ruhestand.

Rund 180 Gäste aus Politik, Gesundheitswesen, Kirche, Wegbegleitung und Mitarbeiterschaft waren gekommen, um einem Mann zu danken, der die Entwicklung der Einrichtung über mehr als drei Jahrzehnte hinweg maßgeblich geprägt hat.
Seinen Dienst im Haus Immanuel begann Gotthard Lehner am 1. November 1990 als Therapeut. Zum 1. Januar 2001 übernahm er die Leitung der Klinik. In den folgenden 25 Jahren entwickelte sich die Einrichtung zu einer bundesweit anerkannten Fachklinik für die Rehabilitation suchtkranker Frauen und ihrer Kinder. Heute beschäftigen die DGD Fachklinik Haus Immanuel und das DGD Mutter-Kind-Zentrum Rückenwind zusammen rund 100 Mitarbeitende und sind aus der bundesweiten Kliniklandschaft der Suchtrehabilitationseinrichtungen nicht mehr weg zu denken.
Zu den bedeutendsten Meilensteinen seiner Amtszeit zählen der Neubau des Klinikgebäudes im Jahr 2012 mit einer Erweiterung von 36 auf 60 Behandlungsplätze sowie die Eröffnung der eigenen Kindertagesstätte „Kindernest” auf dem Klinikgelände. 2017 wurde die neue Sporthalle mit Kletterwand eingeweiht, wodurch therapeutisches Klettern in das Behandlungskonzept des Hauses aufgenommen werden konnte. Mit der Eröffnung des DGD Mutter-Kind-Zentrums Rückenwind im Jahr 2023 entstand schließlich ein zukunftsweisendes Angebot mit zwölf Wohneinheiten für Frauen mit ihren Kindern. Der Neubau der Kindertagesstätte erlaubt nun die Betreuung von mehr als 30 Kindern aus Klinik und Mutter-Kind-Einrichtung.
„Gotthard Lehner hat die Entwicklung unserer Einrichtungen mit großem Weitblick, Beharrlichkeit und menschlicher Wärme gestaltet“, würdigte Hubertus Jaeger, Geschäftsführer der DGD Stiftung gGmbH und somit Träger der Häuser in Hutschdorf, den scheidenden Klinikleiter. „Er hat Chancen erkannt, Fördermöglichkeiten erschlossen und dabei nie aus dem Blick verloren, worum es letztlich geht: Frauen und Kindern in schwierigen Lebenssituationen neue Perspektiven zu eröffnen. Wir verabschieden uns heute von einem liebgewonnenen Kollegen.”
Tatsächlich gelang es Gotthard Lehner, Fördermittel in Höhe von nahezu sechs Millionen Euro für die Weiterentwicklung der Einrichtungen einzuwerben – und das alleine in den vergangenen fünf Jahren. Hinzu kamen erfolgreiche Crowdinvesting-Projekte mit einem Gesamtvolumen von mehr als 600.000 Euro, die unter anderem den Bau des DGD Mutter-Kind-Zentrums Rückenwind, Photovoltaikanlagen und nachhaltige Mobilitätsprojekte ermöglichten.
Ein besonderes Anliegen waren ihm stets die Kinder der Patientinnen. Dieses Engagement zeigte sich nicht nur in den baulichen Erweiterungen, sondern auch in zahlreichen konzeptionellen Entwicklungen. Unter Lehners Leitung wurde die tiergestützte Therapie eingeführt. Vier Therapie-Alpakas gehören inzwischen ebenso selbstverständlich zum Klinikalltag wie die Pflege zahlreicher Bienenstöcke zur Produktion und Vermarktung des eigenen Honigs und die Ansiedlung von Zwergziegen nahe des Kindernests.
„36 Jahre lang hat sich Gotthard Lehner mit großer Leidenschaft und unermüdlichem Engagement in den Dienst der Menschen gestellt. Der Mensch stand immer im Mittelpunkt des Handelns von Herrn Lehner. Sein besonderes Anliegen war es, für Frauen und ihre Kinder einen Ort zu schaffen, an dem sie sich sicher, verstanden und geborgen fühlen können. Mit seinem Wirken hat er weit über die Mauern der Klinik hinaus Spuren hinterlassen – vor allem in den Herzen der vielen Menschen, denen er auf ihrem Weg zu einem neuen Lebensabschnitt Hoffnung und Unterstützung gegeben hat”, würdigte Christine Flauder, stellvertretende Landrätin des Landkreises Kulmbach, sein Werk. „Für diesen herausragenden Einsatz, seine Weitsicht und seine Menschlichkeit gebührt ihm unser großer Dank. Wir wünschen ihm für den neuen Lebensabschnitt Gesundheit, Glück und viele erfüllende Momente.“
Und auch Martin Bernreuther, erster Bürgermeister der Marktgemeinde Thurnau, erinnert sich an die gemeinsamen Projekte mit Gotthard Lehner zurück: „Wenn ich auf unsere zwölfjährige Zusammenarbeit zurückblicke, denke ich vor allem an die vielen Telefonate – oft an einem Freitagnachmittag. Meist begann das Gespräch mit den Worten: ‚Ich habe da eine Idee.‘ Und wer Herrn Lehner kennt, der weiß: Eine Idee war bei ihm selten nur ein Gedanke. Meist war sie der Auftakt zu einer längeren Diskussion – und nicht selten auch der Beginn eines neuen Projekts.“ Bernreuther betonte: „Was ich an ihm besonders schätze, sind seine Hartnäckigkeit und Beharrlichkeit. Wenn er von einer Sache überzeugt war, ließ er nicht locker. Das war für seine Gesprächspartner manchmal herausfordernd, für die Entwicklung des Hauses Immanuel aber ein großer Gewinn. Mit seinem Engagement, seiner Weitsicht und seinem unermüdlichen Einsatz hat er das Haus Immanuel geprägt wie kaum ein anderer. Sein Lebenswerk ist weit über die Region hinaus sichtbar.”
Frank Wilzok, zweiter Bürgermeister der Stadt Kulmbach, lobte die Menschlichkeit, die im Haus Immanuel vorherrscht. „Wer die Klinik betritt, spürt sofort, mit wie viel Herzblut die Menschen hier arbeiten. Diese besondere Atmosphäre entsteht nicht von allein – sie ist das Ergebnis eines gemeinsamen Engagements, das Gotthard Lehner über viele Jahre hinweg geprägt und gefördert hat. Das Haus Immanuel ist eine Einrichtung, auf die die Stadt Kulmbach stolz sein kann.”
Die hohe Qualität der Arbeit spiegelt sich auch in Ergebnissen wider. Im Reha-Ranking der Deutschen Rentenversicherung belegt die DGD Fachklinik Haus Immanuel seit Jahren konstant Spitzenplätze und rangiert aktuell auf Platz zwei unter rund 170 vergleichbaren Einrichtungen bundesweit.
Auch die Thurnauer Dekanin Martina Beck fand lobende Worte. „Ich kenne die Klinik seit elf Jahren. Es wurden hier zahlreiche, schöne Feste gefeiert. Gerade wenn etwas Neues entstanden war. Lachen und Zuversicht werden in diesem Haus großgeschrieben.”
Gotthard Lehner war aber auch über Hutschdorfs Grenzen hinaus gefragt, wenn es um fachliche Expertise zum Thema Sucht ging. Als Mitglied in zahlreichen Suchtverbänden zeichnete er sich als Experte mit einem fundierten Fachwissen aus. Corinna Mäder-Linke, Geschäftsführerin des Bundesverband Suchthilfe e.V., zu dessen Vorstand auch Lehner gehört, überbrachte ebenfalls Wünsche. „Für Gotthard war die Arbeit im Haus Immanuel nie nur eine berufliche Station – sie war ein Lebenswerk. Über viele Jahrzehnte hat er sich mit außergewöhnlichem Engagement für Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen eingesetzt, insbesondere für die Kinder suchtkranker Eltern, die oft die stillen Leidtragenden einer Suchterkrankung sind.”
Allein in Deutschland leben mehr als drei Millionen Kinder mit suchtkranken Müttern oder Vätern zusammen. Sie tragen ein deutlich erhöhtes Risiko, später selbst eine Abhängigkeitserkrankung zu entwickeln. Umso wichtiger sind Einrichtungen und Angebote, die Familien stärken, Schutzräume schaffen und neue Perspektiven eröffnen. „In der Zusammenarbeit habe ich Gotthard stets als klar, direkt und lösungsorientiert erlebt. Er hat Herausforderungen offen angesprochen, ohne dabei das Ziel aus den Augen zu verlieren. Sein Einsatz, seine Fachlichkeit und seine Überzeugungskraft haben die Suchthilfe weit über die Grenzen seiner Einrichtung hinaus geprägt. Für sein langjähriges Wirken und seinen unermüdlichen Einsatz für Betroffene und ihre Familien gebührt ihm großer Dank und höchste Anerkennung“, so Mäder-Linke.
Für einen besonders emotionalen Höhepunkt der Feier sorgte die musikalische Darbietung von TV-Pfarrer Heiko Bräuning gemeinsam mit den Töchtern Lehners Marie und Jana, die den Song „Achterbahn” von Klaus-André Eickhoff performten. Die musikalische Überraschung berührte viele Gäste und wurde mit langanhaltendem Applaus bedacht.
Ein weiterer, langjähriger Wegbegleiter Lehners war Klaus Peter Söllner, Kulmbacher Landrat a.D. und Bezirkstagsvizepräsident. „In all den Jahren unserer Zusammenarbeit habe ich eines gelernt: Ein halbes Jahr ohne eine Vorsprache von Gotthard Lehner wäre ein verlorenes halbes Jahr gewesen. Denn wenn er eine Idee, ein Anliegen oder ein Projekt im Kopf hatte, dann blieb er dran – mit einer Beharrlichkeit, die man je nach Perspektive als bewundernswert oder als die personifizierte Nervensäge bezeichnen konnte. Aber genau diese Hartnäckigkeit war eine seiner größten Stärken. Gotthard Lehner hat nie locker gelassen, wenn es darum ging, die Situation von suchtkranken Menschen und ihren Kindern zu verbessern. Er hat überzeugt, diskutiert, argumentiert und manchmal auch genervt – immer mit dem Ziel, etwas zu bewegen.“
Für Söllner steht fest: „Heute können wir sagen: Es hat sich gelohnt. Das Haus Immanuel und die Hilfen für betroffene Frauen und Kinder tragen seine Handschrift. Was in den vergangenen Jahrzehnten entstanden ist, ist ein grandioses Lebenswerk, das weit über die Region hinaus Anerkennung findet. Ein bisschen fehlen wird mir diese ganz besondere Form der Hartnäckigkeit sicherlich.“ Klaus Peter Söllner hatte auch noch eine kleine Überraschung für die DGD Fachklinik Haus Immanuel “im Gepäck”: den positiven Bescheid der Oberfrankenstiftung zur Förderung des Baus eines Wasserspielplatzes für die Kita-Kinder der DGD Häuser in Hutschdorf.
Die Entpflichtung Gotthard Lehners übernahm Dr. Claudia Fremder, Geschäftsführerin der DGD Stiftung gGmbH. Sie blickte auf Lehners Werdegang im Haus Immanuel zurück, würdigte seine engagierte Arbeit und lobte seine Tätigkeit als “begnadeter Fundraiser“. Sie übergeben uns heute ihr Lebenswerk und wir werden es mit Gottes Hilfe und größtem Respekt in ihrem Sinne weiterentwickeln.”
Für Gotthard Lehner selbst standen jedoch immer die Menschen im Mittelpunkt. „Wenn ich auf die vergangenen 35 Jahre zurückblicke, denke ich zuerst an die vielen Frauen und Kinder, die wir begleiten durften“, sagte er in seiner Abschiedsrede. „Zu erleben, wie Menschen neue Hoffnung schöpfen, Vertrauen in sich selbst zurückgewinnen und einen Neuanfang wagen, war für mich immer die größte Motivation.“
Sichtlich bewegt zeigte sich Lehner auch angesichts der zahlreichen Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter, die zur Verabschiedung gekommen waren. „Ich durfte mit außergewöhnlich engagierten Kolleginnen und Kollegen zusammenarbeiten. Ob mit den Leitungen der anderen DGD-Einrichtungen, den Partnern der suchttherapeutischen Fachausschüsse oder den eigenen Mitarbeitenden. Was wir erreicht haben, war immer Teamarbeit. Dafür empfinde ich große Dankbarkeit.“ Schließlich dankte er seiner Ehefrau Heidi, die lange Zeit im Haus Immanuel die Krankenpflege leitete, und seinen beiden Töchtern Jana und Marie für die wertvolle Unterstützung während all der Zeit. “Die Familie musste oft auf mich verzichten. Es ist nicht selbstverständlich, eine Familie im Rücken zu haben, die das mitträgt”, so Lehner. Seine Rede wurde mit minutenlangem Applaus und Standing Ovations bedacht.
Mit seinem Eintritt in den Ruhestand übergibt Gotthard Lehner eine Einrichtung, die fachlich hervorragend aufgestellt, wirtschaftlich solide und bundesweit anerkannt ist. Er hinterlässt in Hutschdorf nicht nur modernste Gebäude, erfolgreiche Projekte und einen herausragenden Ruf, er hinterlässt vor allem eine Haltung: den festen Glauben daran, dass jeder Mensch eine zweite Chance verdient.
Dieses Vermächtnis möchten seine Nachfolger Martin Montowski und Andrea Wachtel, die sich die Klinikleitung in Hutschdorf zukünftig teilen, fortführen.










