17.07.2026 • News

Hitzewelle belastete den Berliner Rettungsdienst

Eine Studie zeigt: Während der Hitzewelle Ende Juni erfolgten rund 3.000 zusätzliche Rettungsdiensteinsätze innerhalb von 9 Tagen.

Hitzewelle belastete den Berliner Rettungsdienst
© Wiley Adobe Stock Christian Schwier

Extreme Hitze belastet nicht nur den menschlichen Körper, sondern auch die Notfallversorgung. Eine aktuelle Auswertung von Meteorologen der Freien Universität Berlin zeigt, wie stark die historische Hitzewelle Ende Juni 2026 den Berliner Rettungsdienst beanspruchte: Innerhalb von 9 Tagen mussten rund 3.000 zusätzliche Rettungsdiensteinsätze bewältigt werden – ein Anstieg von 23 Prozent gegenüber normalen Sommerbedingungen. In einzelnen Berliner Bezirken lag die Zunahme sogar bei mehr als 40 Prozent. Bemerkenswert ist, dass die Belastung auch 4 Tage nach dem Sinken der Temperaturen noch erhöht waren.

Die aktuelle Auswertung entstand im Forschungsprojekt ForMed („Forecasting impacts of extreme weather conditions on emergency medical services") am Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin. Ziel des Projektes ist es, quantitative Vorhersagen für die Auswirkungen von extremen Wetterereignissen, insb. Hitze, auf den Rettungsdienst zu erstellen, um künftig eine rechtzeitige Planung von Personal und Ressourcen zu ermöglichen.

Im Juni 2026 führte eine historische Hitzewelle in weiten Teilen Europas zu Rekordtemperaturen. An der Wetterstation Berlin-Tempelhof wurde am 27. Juni mit 39,9 °C die höchste jemals offiziell in der Stadt gemessene Temperatur verzeichnet. Wie stark diese Ausnahmesituation den Berliner Rettungsdienst belastete, hat der Meteorologe und Physiker Daniel Kruppke-Hansen während der jüngsten Hitzewelle untersucht.

Berliner Rettungsdienst verzeichnete an 9 Tagen rund 23 Prozent mehr Einsätze

Das Ergebnis: Vom 24. Juni bis zum 2. Juli lagen die Einsatzzahlen rund 23 Prozent über den erwarteten Werten aus einer Vergleichsperiode Anfang Juni. Besonders hoch fiel die Zunahme in den dicht besiedelten zentralen Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg, Charlottenburg-Wilmersdorf und Mitte aus. Spitzenreiter aber war Spandau mit über 40 Prozent zusätzlicher Einsätze.

Insgesamt hatte der Berliner Rettungsdienst dadurch etwa 3.000 Einsätze in neun Tagen zusätzlich abzuarbeiten, insgesamt waren es ca. 15.500 Einsätze im Vergleich zu einer Erwartung von ca. 12500 Einsätzen. Besonders auffällig ist, dass die Einsatzzahlen auch nach dem meteorologischen Ende der Hitzewelle noch mehrere Tage lang deutlich erhöht blieben, obwohl die Temperaturen bereits wieder auf normale Werte gesunken waren. Die Hitze wirkte also mit einer spürbaren Verzögerung nach. „Die gesundheitlichen Folgen extremer Hitze reichen demnach weit über die eigentliche Hitzewelle hinaus. Für Rettungsdienste und Krankenhäuser bedeutet das, dass die hohe Belastung nicht zwangsläufig mit dem Ende einer Hitzewarnung endet“, Daniel Kruppke-Hansen.

Klimawandel macht Belastungen für kritische Infrastrukturen wahrscheinlicher

Auch mit Blick auf den Klimawandel liefern die Ergebnisse wichtige Erkenntnisse. Modellrechnungen zeigen, dass Einsatzzahlen wie im Juni 2026 in einem Klima ohne die heutige Erwärmung höchst unwahrscheinlich gewesen wären. Mit zunehmender Häufigkeit extremer Hitzewellen wird daher auch die Vorbereitung des Gesundheitswesens auf solche Ereignisse immer wichtiger.

„Die Studie macht deutlich, dass Hitzewellen längst nicht mehr nur ein Thema für vulnerable Gruppen sind. Hitze führt zu einer Mehrbelastung von Einsatzkräften und erschwerten Arbeitsbedingungen für diese. Auch in anderen Berufsfeldern führt Hitze zu einer zusätzlichen Belastung, sodass die Arbeitsleistung sinkt. Neben der Gesundheit der Bevölkerung ist also auch die Funktionsfähigkeit kritischer Infrastrukturen, des Gesundheitssystems und insbesondere die Einsatzfähigkeit von Rettungsdiensten beeinträchtigt. Datenbasierte Vorhersagemodelle könnten künftig dazu beitragen, Leitstellen, Krankenhäuser und Behörden frühzeitig auf außergewöhnliche Belastungen vorzubereiten und Ressourcen gezielter einzuplanen“, sagt Henning Rust, Professor für Statistische Meteorologie an der Freien Universität Berlin.

Hintergrund zum Forschungsprojekt ForMed am FU-Institut für Meteorologie

Ziel des Forschungsprojekts ForMed („Forecasting impacts of extreme weather conditions on emergency medical services") ist es, die zu erwartende Belastung des Rettungsdienstes aus der Wetterlage vorherzusagen und so Leitstellen und Lagediensten eine vorausschauende Planung zu ermöglichen, etwa bei der rechtzeitigen Aufstockung von Personal und Rettungsmitteln. Grundlage dafür ist das Zusammenführen von Einsatzdaten der Rettungsdienste und meteorologischen Daten des Deutschen Wetterdienstes. In der derzeitigen Projektphase wird dabei zunächst mit Berliner Daten gearbeitet, bevor die Methodik in der nächsten Phase auch auf weitere Leitstellenbereiche ausgedehnt werden soll.

Ein Prototyp des entwickelten statistischen Modells wird derzeit beim Lagedienst der Berliner Feuerwehr getestet. Während der Hitzephase konnte das Modell die Einsatzzahlen bei normalen bis moderat heißen Bedingungen zuverlässig vorhersagen. Bei den extremen Temperaturen zeigte sich allerdings, dass die tatsächlichen Einsatzzahlen deutlich höher als vom Modell erwartet ausfielen. Das deutet darauf hin, dass bei diesen Bedingungen weitere Faktoren wie die fehlende nächtliche Abkühlung eine Rolle spielen, die das Modell künftig berücksichtigen soll.

 

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