24.10.2023 • News

Individualisierte chirurgische Therapie bei Schilddrüsenkarzinom

Bei Schilddrüsenkarzinomen stellt sich die Frage: Muss die ganze Schilddrüse entfernt werden oder reicht es, nur einen Lappen zu entfernen?

Foto: Schilddrüsenkarzinom / Getty images 1133641460
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Um diese Frage klar und sicher beantworten zu können, arbeiten Endokrinolog*innen, Chirurg*innen und Patholog*innen eng zusammen. An der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und der Universitätsmedizin Essen haben Forschende aller drei Disziplinen nun gemeinsam ihre Erfahrungen kürzlich im Fachmagazin „Surgery“ veröffentlicht. Sie konnten zeigen, dass bei Patient*innen mit sporadischem medullärem Schilddrüsenkrebs unter bestimmten Voraussetzungen eine Hemithyreoidektomie ausreicht, also die chirurgische Entfernung nur eines Lappens.

„Der entscheidende Faktor scheint das Vorliegen einer Desmoplasie zu sein, also der überschießenden Bildung von faserreichem Bindegewebe, die auch als Marker für Knotenmetastasen interpretiert wird“, erklärt Prof. Dr. Dr. Dagmar Führer-Sakel, Direktorin der Klinik für Endokrinologie am Universitätsklinikum Essen. „Liegt keine Desmoplasie vor, ist ein begrenzter chirurgischer Eingriff unseren Daten zufolge genauso erfolgversprechend für die Betroffenen wie eine Totaloperation und vermindert gleichzeitig die Risiken für die Patient*innen“, ergänzt Prof. Dr. Frank Weber, der die Leitung der Endokrinen Chirurgie zum 1. Oktober 2023 von Prof. Dr. Henning Dralle übernommen hat. „Die Anpassung des Operationsumfangs erlaubt uns, die Risiken der Operation insbesondere der permanenten Nebenschilddrüsenunterfunktion weiter zu reduzieren und kann eine lebenslange Schilddrüsenhormon Substitution verhindern.“

Die Essener Forscher*innen schlagen vor, diese Art von Schilddrüsenkarzinom in der Nomenklatur von anderen Schilddrüsenkarzinomen abzugrenzen. „Desmoplasie-negative und knotennegative, nicht metastasierende unifokale Tumoren sollten als sporadische nichtinvasive medulläre Schilddrüsenneoplasie, kurz SNMTP, bezeichnet werden“, so die Autor*innen. Durch die namentliche Kennzeichnung dieser Untergruppe wird es den behandelnden Ärzt*innen zukünftig leichter möglich sein, die entsprechende Diagnose zu stellen und die individuelle chirurgische Behandlung einzuleiten.

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