Medizinische Fakultät Heidelberg zeichnet hervorragende Nachwuchswissenschaftlerinnen aus
Die Medizinische Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg hat bei ihrem diesjährigen „Tag der Fakultät“, einem Austauschformat für Studierende, Forschende und Lehrende, den Anita-und-Friedrich-Reutner-Preis für Medizinische Forschung und den Hoffmann-Klose-Preis für ein herausragendes Clinician-Scientist-Projekt verliehen.

Von neuen Erkenntnissen zur Behandlung von Komplikationen nach Lebertransplantationen bis zur Erforschung von Rückfällen bei Leukämien: Wie vielfältig und zugleich patientennah die Forschung des wissenschaftlichen Nachwuchses an der Medizinischen Fakultät Heidelberg ist, zeigte sich bei der Verleihung des Anita-und-Friedrich-Reutner-Preises und des Hoffmann-Klose-Preises beim zweiten Tag der Fakultät. Priv.-Doz. Dr. Christine Zhang-Hagenlocher ist mit dem Anita-und-Friedrich-Reutner-Preis für Medizinische Forschung ausgezeichnet worden. Der von Prof. Dr. Friedrich Reutner, Ehrensenator der Universität Heidelberg, gestiftete Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und würdigt herausragende klinische und translationale Forschungsleistungen junger Wissenschaftlerinnen. Den Hoffmann-Klose-Preis erhielt Dr. Kristina Müller für die beste Bewerbung für das Clinician-Scientist-Programm der Medizinischen Fakultät Heidelberg. Der von der Hoffmann-Klose-Stiftung gestiftete Preis ist mit 15.000 Euro dotiert und unterstützt innovative Forschungsvorhaben von Ärzten in Weiterbildung.
Der Tag der Fakultät bringt Studierende, Wissenschaftler, Lehrende sowie Mitarbeitende der Fakultät zusammen und bietet Raum für Austausch, Vernetzung und Einblicke in aktuelle Forschungsthemen und Karrierewege.
„Der Tag der Fakultät macht sichtbar, was unsere Medizinische Fakultät Heidelberg auszeichnet: wissenschaftliche Exzellenz, engagierte Lehre und Menschen, die Forschung und Medizin mit großer Leidenschaft voranbringen“, sagt Prof. Michael Boutros, Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg. „Die diesjährigen Preisträgerinnen stehen beispielhaft für Innovationskraft und herausragende wissenschaftliche Leistungen der Fakultät“, sagt Prof. Michael Boutros, Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg.
Bessere Chancen nach Lebertransplantation: Anita-und-Friedrich-Reutner-Preis für Priv.-Doz. Dr. Christine Zhang-Hagenlocher
Nach einer Lebertransplantation kommt es häufig zu Komplikationen an den Gallengängen, insbesondere zu Verengungen und einem Rückstau der Gallenflüssigkeit. Helfen kann eine Gallengangspiegelung, eine sogenannte ERCP (Endoskopische retrograde Cholangiopankreatikographie), bei der die Engstelle aufgedehnt wird. In ihrer ausgezeichneten Arbeit untersuchte Priv.-Doz. Dr. Christine Zhang-Hagenlocher, Oberärztin am Interdisziplinären Endoskopiezentrum des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD), ob Patienten auch langfristig von dem am UKHD etablierten, strukturierten Behandlungskonzept profitieren. Dazu wertete sie die Langzeitergebnisse von rund 165 in Heidelberg behandelten Patienten aus.
Das Ergebnis: Das Therapiekonzept wirkt nachhaltig. Ein anhaltend klinischer Erfolg konnte bei 70,1 % aller Patienten mit diesem Konzept erreicht werden. Zudem zeigte Zhang-Hagenlocher erstmals einen Zusammenhang zwischen einer erfolgreichen endoskopischen Behandlung und besseren Überlebenschancen: Das mediane Überleben von Patienten mit anhaltend klinischen Erfolg betrug 19,7 Jahre verglichen mit Patienten ohne erfolgreiche Therapie mit nur 7,7 Jahren. Die Ergebnisse liefern damit wichtige Hinweise darauf, dass die Wahl der Behandlungsstrategie langfristig Einfluss auf den Krankheitsverlauf nach einer Lebertransplantation haben kann.
Gallengangsverengungen lassen sich auf unterschiedliche Weise behandeln. Das Heidelberger Konzept setzt auf ein strukturiertes endoskopisches Behandlungsschema und die Ballondilatation. Dabei führen die Ärzte über einen dünnen Schlauch mit Kamera einen kleinen Ballon bis zur Engstelle im Gallengang ein, dehnen ihn gezielt auf und öffnen so den verengten Gallengang wieder – ohne dass ein erneuter chirurgischer Eingriff erforderlich ist. Die Behandlung erfolgt nach einem festen Schema mit mehreren Kontroll- und Behandlungsterminen.
„Die Arbeit von Frau Priv.-Doz. Dr. Zhang-Hagenlocher verbindet wissenschaftliche Exzellenz mit hoher Relevanz für die Patientenversorgung. Ihre Forschung zeigt, wie klinisch orientierte Forschung dazu beitragen kann, die Behandlung nach Lebertransplantationen weiter zu verbessern. Ihre Arbeit ist ein herausragendes Beispiel für translationale Forschung“, gratuliert Prof. Michael Boutros, Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg

Dem Rückfall auf der Spur: Hoffmann-Klose-Preis an Dr. Kristina Müller
Warum kehren Leukämien trotz erfolgreicher Behandlung manchmal zurück? Mit dieser Frage beschäftigt sich Dr. Kristina Müller, Ärztin in Weiterbildung in der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie des UKHD, in ihrem Clinician Scientist-Projekt. Im Mittelpunkt ihrer Forschung steht die B-Zell akute lymphoblastische Leukämie (B-ALL), eine Form von Blutkrebs, die besonders häufig bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen auftritt. Dabei untersucht sie die sogenannte leukämische Nische – das von Leukämiezellen veränderte Umfeld im Knochenmark. Denn Leukämiezellen existieren nicht isoliert, sondern stehen in engem Austausch mit ihrer Umgebung und können diese zu ihrem Vorteil beeinflussen.
Um diese Prozesse besser zu verstehen, nutzt Müller Knochenmarkorganoide. Die aus Stammzellen gezüchteten Zellverbände bilden wichtige Eigenschaften des menschlichen Knochenmarks nach und ermöglichen Einblicke in Vorgänge, die sich bei Patientinnen und Patienten nur eingeschränkt beobachten lassen. Langfristig sollen die Erkenntnisse dazu beitragen, Therapieresistenzen und Rückfälle besser zu verstehen und neue Behandlungsansätze zu entwickeln.
„Der Hoffmann-Klose-Preis zeichnet herausragende wissenschaftliche Ideen in einer frühen Karrierephase aus. Frau Dr. Müller verfolgt mit ihrem Projekt einen innovativen Ansatz, um Therapieresistenzen und Rückfälle bei Leukämien besser zu verstehen. Das zeigt, wie das Clinician-Scientist-Programm wissenschaftliche Exzellenz und klinische Erfahrung miteinander verbindet“, sagt Prof. Michael Boutros, Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg.
Auszeichnung für besondere Lehre
Darüber hinaus haben Studierende den PaLMe-Lehrpreis für besondere Leistungen in der medizinischen Lehre vergeben. Mit dem Preis würdigen die Medizinstudierenden besonderes Engagement in der Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses. Er unterstreicht die zentrale Bedeutung der Lehre im Medizinstudium und zeichnet Lehrende aus, die ihre Studierenden in besonderer Weise fördern und begleiten. In diesem Jahr erhielten die Auszeichnung: Prof. Dr. Joachim Kirsch, Direktor der Abteilung für Medizinische Zellbiologie, sowie Dr. Lisa Gölz, Lehrkoordinatorin am Pharmakologischen Institut der Medizinischen Fakultät Heidelberg, und Prof. Dr. Klaus Herfarth, stellvertretender Ärztlicher Direktor der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie.










