11.06.2026 • News

Erin Schuman erhält den Kavli-Preis

Die Wissenschaftlerin wird für ihre Entdeckung der lokalen Proteinsynthese in Neuronen geehrt, die für die Entwicklung und Plastizität des Gehirns von großer Bedeutung ist.

Prof. Erin Schuman
Prof. Erin Schuman
© Max-Planck-Institut für Hirnforschung / Liwlig

Erin Schuman teilt sich den Kavli-Preis 2026 im Bereich der Neurowissenschaften mit Christine Holt von der University of Cambridge (Großbritannien), Kelsey Martin von der Simons Foundation (USA) und Oswald Steward von der University of California, Irvine (USA). Der Kavli-Preis ist einer der renommiertesten Preise in den Bereichen Astrophysik, Nanowissenschaften und Neurowissenschaften. Er ist in jedem Fachgebiet mit einer Mio. US-Dollar (ca. 911.000 Euro) dotiert.

„Die Ehrung dieser herausragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist nicht nur eine Anerkennung ihrer Leistungen, sondern auch eine Investition in unsere gemeinsame Zukunft. Sie bekräftigt die Neugier, die Genauigkeit und den Mut, die den menschlichen Fortschritt vorantreiben“, sagt Annelin Eriksen, Präsidentin der Norwegian Academy of Science and Letters.

Lokale Steuerung neuronaler Verbindungen

Durch Lernen und Erfahrung bilden sich Verbindungen zwischen Nervenzellen (Neuronen) bis weit ins späte Erwachsenenalter hinein. Diese Verbindungen passen sich ständig an neue Herausforderungen an. Dabei werden die neuronalen Schaltkreise des Gehirns umgestaltet und Verbindungen zwischen Neuronen entstehen und werden aufrechterhalten – eine Fähigkeit, die als „synaptische Plastizität“ bekannt ist. Diese Anpassungsfähigkeit wird durch Proteine im Neuron gestützt, die lokal gesteuert und reguliert werden können.

Die 2026 mit dem Kavli-Preis ausgezeichneten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben grundlegende Prinzipien der neuronalen Proteinproduktion auf molekularer Ebene aufgedeckt – von der aktivitätsabhängigen Transkription von Genen in mRNA bis hin zur lokalen Translation von mRNA in neue Proteine in den neuronalen Fortsätzen, den Axonen, Dendriten und Synapsen. Ihre Erkenntnisse liefern spektakuläre Einblicke in die Mechanismen, die es dem Gehirn ermöglichen, sich durch Erfahrungen ständig neu zu strukturieren.

Darüber hinaus hat Erin Schuman leistungsstarke molekulare Werkzeuge entwickelt, um neu synthetisierte Proteine mit hoher Auflösung zu identifizieren und sichtbar zu machen. Damit hat sie aufgeklärt, wie der mRNA-Spiegel, die Proteinsynthese und der Proteinabbau innerhalb spezifischer Zellkompartimente reguliert werden.

„Ich freue mich sehr, gemeinsam mit Christine, Kelsey und Os diese Auszeichnung zu erhalten, und ich bin auch sehr froh, dass die faszinierenden Maschinen und Moleküle im Inneren der Nervenzelle die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdienen”, sagt Schuman.

Zur Person:

Erin Schuman wurde 1963 in Kalifornien geboren. Nach ihrem Bachelor-Abschluss in Psychologie an der University of Southern California promovierte sie in Neurowissenschaften an der Princeton University. Anschließend forschte sie als Postdoktorandin am Institut für Molekular- und Zellphysiologie der Stanford University. 1993 wechselte sie an den Fachbereich Biologie des California Institute of Technology (Caltech), wo sie bis 2009 tätig war, davon von 1997 bis 2009 als Investigator des Howard Hughes Medical Institute (HHMI). Im Jahr 2009 zog sie mit ihrem Ehemann Gilles Laurent nach Frankfurt, um das neue Max-Planck-Institut für Hirnforschung aufzubauen.

Schuman erhielt zahlreiche renommierte Auszeichnungen, darunter den Louis-Jeantet-Preis für Medizin, den Rosenstiel-Preis, den Brain Prize, den Körber-Europäischen Wissenschaftspreis und den HFSP-Nakasone-Preis. Sie ist Mitglied der Royal Society im Vereinigten Königreich, der National Academy of Sciences und der National Academy of Medicine in den USA sowie der Deutschen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

Der Kavli-Preis:

Der Kavli-Preis ist eine Partnerschaft zwischen der Norwegian Academy of Science and Letters und der Kavli-Stiftung (USA) sowie dem norwegischen Ministerium für Bildung und Forschung. Er wird alle zwei Jahre verliehen und wurde erstmals 2008 vergeben. Bislang haben 73 Wissenschaftler*innen aus acht Ländern den Preis erhalten. Alle Preisträger*innen werden von Komitees ausgewählt, deren Mitglieder von sechs der weltweit renommiertesten wissenschaftlichen Gesellschaften und Akademien vorgeschlagen werden. Daher gilt der Preis als eine der wichtigsten Auszeichnungen in den Bereichen Nanowissenschaften, Astrophysik und Neurowissenschaften.

Anbieter

Max-Planck-Institut für Hirnforschung

Max-von-Laue-Str. 4
60438 Frankfurt am Main
Deutschland

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