29.05.2026 • News

Henriette Neumeyer übernimmt Präsidentschaft der Europäischen Krankenhausgesellschaft

Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Prof. Dr. Henriette Neumeyer, wird in den kommenden drei Jahren Präsidentin der Europäischen Krankenhausgesellschaft HOPE sein.

Prof. Henriette Neumeyer
Prof. Henriette Neumeyer
© DKG, Lopata

Der Vorstand von HOPE wählte die Medizinerin auf seiner Sitzung in Lissabon einstimmig in das Amt. Zur Vizepräsidentin wurde die Spanierin Pilar Aparicio gewählt. Neumeyer war seit Juni 2025 Vizepräsidentin des Verbandes. 

„Als Vertreterin der deutschen Krankenhäuser bin ich dankbar für das Vertrauen, das die Krankenhausvertretungen aus Europa mir ausgesprochen haben. Meinem Vorgänger Eamonn Fitzgerald aus Irland, dem HOPE-Vorstand und der HOPE-Geschäftsstelle danke ich für die sehr gute Vorarbeit. Ich freue mich auf die Tätigkeit in den kommenden Jahren, auch mit meiner spanischen Kollegin.  Wir sehen aber natürlich auch die große Verantwortung, die diese Aufgabe mit sich bringt“, erklärte Neumeyer nach ihrer Wahl. 

Mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen in Europa betonte Neumeyer die zentrale Rolle der Krankenhäuser für Gesellschaft und Demokratie: „Wir befinden uns  in extrem herausfordernden Zeiten – wirtschaftlich, aber auch sicherheitspolitisch und in den Fragen unserer Demokratie. Gerade da ist es wichtig, den Wert der Krankenhäuser deutlich herauszustellen. Wir sind Anker der Daseinsvorsorge, wir sind Stabilisatoren in kleinen, aber auch in großen Krisen. Und wir sind auch eine Institution, die das Vertrauen in Staat und Demokratie stärken kann.“

Im Zusammenhang mit den Verhandlungen zum mehrjährigen Finanzrahmen der Europäischen Union für die Jahre 2028 bis 2034 mahnte Neumeyer an, die Krankenhäuser stärker zu berücksichtigen. „Gerade die Fragen der Resilienz spielen hier eine große Rolle. Wir erinnern uns alle an die Corona-Pandemie. Sie hat beispielhaft gezeigt, wie wichtig Klinikinfrastrukturen sind, aber auch europäische Förderprogramme, um auf Versorgungskrisen und Lieferengpässe bei Arzneimitteln und Medizinprodukten reagieren zu können. Und weiterhin stehen wir unter den Auswirkungen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Wir müssen auf solche Krisen gut vorbereitet sein – und das müssen wir im europäischen Finanzrahmen auch abbilden.“

Aus Sicht Neumeyers muss die nachhaltige und sichere Finanzierung der Kliniken auf den unterschiedlichen Ebenen gesichert werden. „Krankenhäuser schaffen ökonomische Werte, sichern Versorgung und stiften Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates. Sie müssen deswegen auch adäquat finanziert werden. Wer von uns fordert, dass wir hochwertige Medizin leisten, innovativ sind und krisenfest bleiben, der muss diese Aufgaben auch verlässlich finanzieren“, stellte Neumeyer heraus. Dies gelte sowohl für die europäische Finanzarchitektur als auch für die nationalen Haushalte der Mitgliedstaaten. „Wir sehen gerade in der nationalen Debatte in Deutschland, welche dramatischen Auswirkungen Einsparüberlegungen auf die Versorgung haben können.“

Als weitere zentrale Themen ihrer Amtszeit nannte Neumeyer die Fachkräftesicherung und die Digitalisierung. Bei der Gewinnung und Sicherung von Fachkräften komme es auf gute Arbeitsbedingungen, starke Aus- und Weiterbildung sowie erleichterte Arbeits- und Anerkennungsverfahren an. Ebenso wichtig seien faire internationale Partnerschaften. Dazu gehörten auch europäisch abgestimmte Krankenhauspartnerschaften und auf ethischen Grundsätzen basierende Abkommen mit Drittstaaten.

Mit Blick auf die Digitalisierung hob Neumeyer die Bedeutung des europäischen Gesundheitsdatenraums hervor. Dieser habe bereits eine wichtige Grundlage geschaffen, um Versorgung, Forschung und Krisenvorsorge in Europas Krankenhäusern zu stärken. „Einheitliche digitale Standards und ein sicherer Datenaustausch können die Patientenversorgung verbessern. Sie können aber auch Innovationen und Geschäftsmodelle aus der EU heraus fördern und nicht zuletzt den Klinikalltag effizienter machen.“ Krankenhäuser müssten dabei besonders berücksichtigt werden, so Neumeyer weiter: „Sie sind Orte, an denen viele Daten gesammelt werden. Diese Daten können durch die medizinische Expertise so genutzt werden, dass sie einen großen Mehrwert für die Weiterentwicklung der Versorgung, aber auch für die Prävention schaffen. Hier gilt es anzusetzen.“

HOPE

Die Europäischen Krankenhausgesellschaft HOPE (European Hospital and Healthcare Federation) vertritt die Interessen der Krankenhäuser auf der europäischen Ebene. Mitglieder sind Krankenhausgesellschaften und Organisationen, die für den Krankenhaussektor zuständig sind (etwa nationale Gesundheitsministerien). HOPE hat Mitglieder in allen 27 EU-Mitgliedstaaten sowie im Vereinigten Königreich, Serbien und der Schweiz. 

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