Im Zeichen der Hygiene und Infektionsprävention
Die Rudolf Schülke Stiftung hat im Jahr 2026 den Hygiene-Preis an Prof. Dr. med. Iris F. Chaberny verliehen. Dr. rer. nat. Jürgen Gebel wurde mit der Hygieia-Medaille ausgezeichnet.

Um neueste Studien im Hygiene-Bereich sichtbar zu machen, verleiht die Rudolf Schülke Stifung seit 50 Jahren den Hygiene-Preis sowie die Hygieia-Medaille. Der Hygiene-Preis wird an Personen vergeben, deren Arbeiten entscheidend zur Weiterentwicklung der Infektionsprävention und zum Schutz der öffentlichen Gesundheit beitragen. Die Hygieia-Medaille würdigt Persönlichkeiten, die ihr Lebenswerk der Hygiene und Mikrobiologie gewidmet haben.
Die festliche Preisverleihung fand am 20. März 2026 im Elsa Brändström Haus in Hamburg Blankenese statt. Bei der feierlichen Eröffnungsrede des Vorsitzenden Prof. Dr. med. Martin Exner vom Universitätsklinikum Bonn und einer Rede von Jan-Dirk Auris, CEO der Schülke & Mayr GmbH, wurde die Wichtigkeit der Forschung auf dem Gebiet der Infektionsprävention betont.
Hygiene-Preis
Den diesjährigen Hygiene-Preis der Rudolf Schülke Stiftung erhält Prof. Dr. med. Iris Freya Chaberny von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und vom Institut für Krankenhaus- und Umwelthygiene des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel und Lübeck für die Arbeit Effect of daily antiseptic bathing with octenidine on ICU-acquired bacteremia and ICU-acquired multidrug-resistant organisms: A multicenter, cluster-randomized, double-blind, placebo-controlled, cross-over study.
In der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) vollständig geförderten Studie konnte Prof. Chaberny mit ihrem Team zeigen, dass die tägliche Anwendung octenidinhaltiger Waschtücher bei Intensivpatient*innen die Rate primärer Bakteriämien senkt.
Die Studie umfasste 23 Kliniken mit 44 Intensivstationen über einen Zeitraum von sieben Jahren. Die kontinuierliche Begleitung durch die Studienleitung sowie die unabhängige DFG-Förderung - die auch die Finanzierung der verschiedenen Waschhandschuhe ermöglichte - trugen wesentlich zur hohen Motivation aller Beteiligten bei.
Hintergrund zur Studie
Patient*innen auf Intensivstationen werden in der Regel täglich gewaschen. In der EFFECT-Studie werden zwei Waschmethoden für diese tägliche Waschung angewendet. Das bedeutet, dass eine Intensivstation ihre Patienten 15 Monate lang entweder mit desinfizierenden Waschhandschuhen wäscht oder mit Waschhandschuhen, die keine desinfizierende Wirkung haben. Die Studie der Arbeitsgruppe Univ. Prof. Dr. med. Iris F. Chaberny1: Auswirkung der täglichen antiseptischen Ganzkörperwaschung mit Octenidin auf Intensivstationen erworbene Bakteriämien und multiresistente Erreger: eine multizentrische, cluster‑randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Cross‑over‑Studie zeigt, dass das Risiko für den Erwerb einer nosokomialen, primären Bakteriämie um 17 % reduziert werden. Bedenkt man, dass viele dieser Bakteriämien auf Intensivstationen in eine Sepsis münden, deren Letalität nach wie vor sehr hoch ist, wird die Bedeutung des Ergebnisses klar. Ein Einfluss auf die Besiedlung mit multiresistenten Erregern konnte dagegen nicht gezeigt werden
Insgesamt nahmen 44 Intensivstationen in 23 verschiedenen Kliniken aus ganz Deutschland teil. Dadurch konnten in toto 104.039 Intensivaufenthalte von 93.438 Patient*innen über 2 × 12 Monate ausgewertet werden. Die Maßnahme - also das tägliche Waschen von Intensivstation-Patienten mit octenidinhaltigen Waschtüchern - kann daher als Teil eines Strategiebündels zur Prävention der Sepsis bei Intensivstation-Patienten empfohlen werden.
Hygieia-Medaille
Die Hygieia-Medaille erhält in diesem Jahr Dr. rer. nat. Jürgen Gebel für seine herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der Entwicklung und Etablierung standardisierter Testmethoden für chemische Desinfektionsverfahren. Ziel seiner Arbeit ist es, durch geprüfte und verlässlich wirksame Desinfektionsmittel zum Schutz von Patient*innen, Mitarbeitenden im Gesundheitswesen sowie der öffentlichen Gesundheit zu stärken.
Dr. Gebel ist Leiter der Abteilung für Desinfektionsmittel-Testung am Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit des Universitätsklinikums Bonn sowie Geschäftsstellenleiter des Verbunds für Angewandte Hygiene e.V. (VAH). Er gilt europaweit als anerkannter Experte für die Wirksamkeitsprüfung von Desinfektionsmitteln und deren Anwendung in medizinischen Bereichen. Mit der Hygieia-Medaille, die alle zwei Jahre verliehen wird, zeichnet die Stiftung Personen aus, die ihr Lebenswerk der Hygiene und Mikrobiologie gewidmet haben.















