IS-H-Abkündigung setzt Krankenhäuser unter Transformationsdruck
IS-H, die seit Jahrzehnten etablierte Lösung für die Patientendatenverwaltung und -abrechnung, wird von SAP nicht weiterentwickelt, weil spezifische und regulatorische Anforderungen die Fortführung dieser Lösung zunehmend komplex machen.

Die Folge: Viele Krankenhäuser stehen vor der strategischen und praktischen Herausforderung, alternative Lösungen zu finden. Hinzu kommt, dass SAP zukünftig nur noch standardisierte Cloud-Lösungen anbietet – ein Ansatz, der nur bedingt mit den heterogenen und historisch gewachsenen Strukturen in Krankenhäusern vereinbar ist.
Niemand weiß, wo die Reise hingeht
Fakt ist, dass SAP ECC bis 2027 durch SAP S/4HANA ersetzt wird. Das ist gleichbedeutend mit einem Aus für IS-H. Es gibt zwar Pilotprojekte und Ankündigungen anderer Hersteller, die Hoffnung machen, aber nach wie vor wenige konkrete Erfolgsgeschichten. Immerhin bietet Oracle eine Nachfolgelösung für IS-H an. Aber da diese ausschließlich in der Oracle-Cloud betrieben wird, könnten hier neue Abhängigkeiten entstehen, auch wenn Partnerschnittstellen zu SAP S/4HANA angekündigt sind.
Auch andere Hersteller von Krankenhausinformationssystemen arbeiten an Alternativen zu SAP IS-H, bislang gibt es jedoch keine bekannten produktiven Referenzen. Möglich wäre theoretisch auch, dass sich Krankenhäuser zunehmend von SAP verabschieden. Ein solcher Ansatz ist in der Praxis jedoch kaum denkbar, denn vermutlich will kaum eine Klinik ihr jahrelang teuer aufgebautes Know-how aufgeben.
Abwarten ist keine Lösung:Strategien sind gefragt
Realistisch scheinen derzeit vier Alternativen: eine schrittweise Migration auf S/4HANA mit vorübergehendem Weiterbetrieb von IS-H, die Auswahl einer noch nicht ausgereiften SAP-Partnerlösung, der Wechsel zu KIS-basierten Abrechnungslösungen oder die Migration in die Oracle-Health-Cloud.
Diese Komplexität lässt viele Kliniken geradezu in Schockstarre verfallen und darauf hoffen, dass es in Kürze eine zuverlässige Alternative eines anderen Herstellers gibt. Eine Transformation der Daten wird jedoch bei allen Alternativen notwendig. Bei der Entscheidungsfindung und Migration helfen Transformationsexperten – beispielsweise von Natuvion. Nicht zuletzt, weil ein SAP-Transformationsprojekt durchschnittlich 1,5 bis 2,5 Jahre dauert und die individuellen Krankenhausprozesse, -systemlandschaften und sensiblen Patientendaten eine besondere Herausforderung darstellen, empfiehlt sich die frühzeitige Einbindung von Experten. Sie können einschätzen, wann hybride Ansätze wie ein „Greenfield Plus“ oder eine Selective Data Transformation Sinn machen und welche Daten archiviert oder gar gelöscht werden müssen. Außerdem kennen sie sich mit gesetzlichen Anforderungen aus, beispielsweise mit der Möglichkeit rückwirkender Abrechnungskorrekturen.
Angesichts von Personalmangel, finanziellen Engpässen und schnell veränderlichen politischen Rahmenbedingungen ist das Abwarten die schlechteste Option, denn es birgt erhebliche Risiken für Prozesse, Compliance und Budgets. Die klare Empfehlung der Experten lautet daher: Die Kliniken sollten zeitnah mit Vorprojekten starten, um Anforderungen zu definieren, Ressourcen zu planen und die Transformation frühzeitig vorzubereiten. Entscheidend dabei ist, die Transformation nicht als reines IT-Projekt zu verstehen, sondern als strategischen und organisatorischen Wandel.











