22.10.2026 • News

Klinikum Wolfsburg führt neues TCAR-Verfahren zur Schlaganfallvorsorge ein

Das Klinikum Wolfsburg hat sein gefäßchirurgisches Behandlungsspektrum um ein neues Verfahren zur Therapie von Verengungen der Halsschlagader erweitert.

Kontrolluntersuchung nach dem Eingriff: Oberarzt Wojciech Haratym (li.) und...
Kontrolluntersuchung nach dem Eingriff: Oberarzt Wojciech Haratym (li.) und Chefarzt Prof. Dr. Tomislav Stojanovic schallen die Halsschlagader ihres Patienten.
© Klinikum Wolfsburg

Mit der sogenannten TCAR (Trans Carotid Artery Revascularization) steht Patientinnen und Patienten jetzt eine besonders schonende Form der Behandlung zur Verfügung. Verengungen der Halsschlagader, medizinisch als Karotisstenosen bezeichnet, zählen zu den Risikofaktoren für einen Schlaganfall.

„Unser Ziel ist es, Schlaganfälle möglichst zu verhindern, bevor sie entstehen. Mit der TCAR können wir ausgewählten Patientinnen und Patienten mit einer hochgradigen Verengung der Halsschlagader eine innovative Therapieoption anbieten“, sagt Prof. Dr. Tomislav Stojanovic, Chefarzt der Klinik für vaskuläre und endovaskuläre Gefäßchirurgie im Klinikum Wolfsburg.

Schutz für das Gehirn während des Eingriffs

Beim TCAR-Verfahren wird ein Stent in die Halsschlagader eingesetzt, um das Gefäß offenzuhalten und den Blutfluss zum Gehirn zu verbessern. Dabei erfolgt der Zugang zur Halsschlagader über einen kleinen Schnitt oberhalb des Schlüsselbeins. Während des Eingriffs wird der Blutfluss vorübergehend umgeleitet. Das Besondere daran: „Kleine Ablagerungen oder Partikel, die sich bei der Behandlung aus der Gefäßwand lösen könnten, werden vom Gehirn weggeleitet“, erklärt Prof. Stojanovic. Durch das sogenannte Flussumkehr-System wird das Risiko eines Schlaganfalls während des Eingriffs reduziert.

Alternative für Patienten mit erhöhtem Operationsrisiko

Die TCAR bietet einen wirksamen Schutz für das Gehirn während des Eingriffs, hebt auch Oberarzt Wojciech Haratym hervor: „Bei geeigneten anatomischen Voraussetzungen stelle das neue Verfahren für viele Patientinnen und Patienten, insbesondere bei einem erhöhten Operationsrisiko, eine schonende Alternative zur klassischen offenen Operation an der Halsschlagader dar. Das gilt besonders für Patientinnen und Patienten, die bereits einen kleineren Schlaganfall erlitten haben und bei denen eine hochgradige Halsschlagaderenge als Ursache erkannt wurde“.

Welche Therapie bei einer Halsschlagaderverengung im Einzelfall am besten geeignet ist, entscheiden die Spezialistinnen und Spezialisten der Gefäßchirurgie und die Patientin oder der Patient nach einer individuellen Untersuchung. Dabei spielen unter anderem auch der Grad und die Lage der Gefäßverengung, mögliche Beschwerden sowie Vorerkrankungen und persönliche Risikofaktoren eine Rolle.

„Durch den minimalinvasiven Charakter des Eingriffs kann die TCAR in vielen Fällen ohne Vollnarkose durchgeführt werden. Das ist besonders für ältere Patientinnen und Patienten mit mehreren Begleiterkrankungen von Vorteil und kann die Belastung und das Narkoserisiko deutlich reduzieren“, nennt Prof. Stojanovic einen weiteren Vorteil.

In den USA hat sich TCAR bereits fest etabliert: Inzwischen werden dort mehr als 30 Prozent der Carotis-Stentbehandlungen mit diesem Verfahren durchgeführt.

„Ich bin mit der Behandlung sehr zufrieden. Während des Eingriffs in örtlicher Betäubung hatte ich keine Schmerzen. Schon am nächsten Tag war ich beschwerdefrei und konnte mich wieder vollkommen selbstständig bewegen“, berichtet Hans-Christian Günzel nach seiner erfolgreichen TCAR-Behandlung im Klinikum Wolfsburg.

Eine Halsschlagaderverengung ist Ursache etwa jedes sechsten Schlaganfalls. In Deutschland entspricht das rund 30.000 Fällen jährlich.

Ausbau der Gefäßmedizin in Wolfsburg

Für die Gefäßchirurgie ist die Einführung des TCAR-Verfahrens ein weiterer Schritt beim Ausbau hochspezialisierter Behandlungsmöglichkeiten im Klinikum Wolfsburg. Die Versorgung reicht von der Diagnostik über die Auswahl des individuell geeigneten Therapieverfahrens bis zur Nachsorge.

Erst vor kurzem wurde die Gefäßchirurgie des Klinikums von der RAL-Gütegemeinschaft erneut für die Behandlung von Aortenaneurysmen sowie Arterien- und Venenerkrankungen zertifiziert. Sie ist damit die einzige entsprechend zertifizierte Einrichtung in Südostniedersachsen. Das Siegel bestätigt definierte Qualitätsstandards in Diagnostik, Behandlung und Nachsorge von Gefäßerkrankungen.

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