29.05.2026 • News

Leukämie: Dresdner Langzeitstudie zeigt Potenzial, Krankheitsverläufe zu beeinflussen

Mit der Veröffentlichung der Langzeitdaten der RELAZA2-Studie erreicht ein über viele Jahre gewachsenes Forschungsprogramm der Dresdner Hochschulmedizin zur Behandlung von Leukämie-Patienten einen wichtigen Meilenstein.

Leukämie: Dresdner Langzeitstudie zeigt Potenzial, Krankheitsverläufe zu...
© Wiley Getty Images 140892360

Die Ergebnisse zeigen, welches Potenzial eine frühzeitige, durch messbare Resterkrankung (MRD) gesteuerte Therapie hat, um Rückfälle zu verzögern oder möglicherweise zu verhindern. RELAZA2 gilt als weltweit erste MRD-getriggerte prospektive Studie bei myelodysplastischen Syndromen (MDS) und akuter myeloischer Leukämie (AML).

Der Weg zu diesen Ergebnissen begann bereits vor mehr als einem Jahrzehnt. Von 2005 bis 2011 wurde erstmals in einer Pilotstudie untersucht, ob eine Behandlung gezielt dann eingesetzt werden kann, wenn molekulare Bluttests frühzeitig auf einen drohenden Rückfall der Blutkrebserkrankung hinweisen, also noch bevor klinische Symptome sichtbar werden. Dieses Konzept der MRD-gesteuerten Behandlung wurde zunächst nach allogener Stammzelltransplantation bei AML-Patientinnen und Patienten erprobt und später auch auf Patientinnen und Patienten mit NPM1-mutierter AML nach einer konventionellen Therapie ausgeweitet.

Die Erkenntnisse aus diesen frühen Studien führten schließlich zur multizentrischen RELAZA2-Studie, mit der die Wirksamkeit dieser Behandlungsmethode geprüft werden sollte. Die ersten Ergebnisse wurden bereits 2018 veröffentlicht. Nun liegen auch erstmals umfassende Langzeitdaten vor.

„Als wir vor zwanzig Jahren mit den ersten MRD-gesteuerten Ansätzen begonnen haben, war noch unklar, ob sich daraus tatsächlich ein neuer therapeutischer Weg entwickeln würde“, sagt Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden (UKD) und einer der Initiatoren des Programms. „Die RELAZA2-Langzeitdaten zeigen nun, dass eine frühzeitige Intervention auf Basis molekularer Marker das Potenzial hat, den Krankheitsverlauf entscheidend zu beeinflussen.“

Ein zentraler Bestandteil des Forschungsprogramms war die präzise molekulare Diagnostik. „Die Möglichkeit, selbst eine minimale Resterkrankung zuverlässig nachzuweisen, hat die Behandlung von AML und MDS grundlegend verändert“, erklärt Prof. Christian Thiede, Laborleiter der Studie, Medizinische Klinik I am UKD. „MRD ist heute nicht mehr nur ein prognostischer Marker, sondern kann für therapeutische Entscheidungen eingesetzt werden.“

Auch für die Studienkoordination bedeutete das Projekt eine außergewöhnliche wissenschaftliche und organisatorische Herausforderung. „Die RELAZA-Studien stehen für eine langfristige, enge Zusammenarbeit vieler Zentren“, sagt Dr. Anne Sophie Platzbecker, Erstautorin der Studie. „Ohne das Engagement der beteiligten Teams und vor allem ohne das Vertrauen der Patientinnen und Patienten wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen.“

Die Studien wurden maßgeblich im Rahmen der Study Alliance Leukemia (SAL) durchgeführt, einem Netzwerk führender deutscher Leukämiezentren. „Diese Arbeit zeigt eindrucksvoll, wie klinische Forschung durch Kooperation über viele Jahre hinweg neue Behandlungsstrategien hervorbringen kann“, betont Prof. Martin Bornhäuser, Direktor der Medizinischen Klinik I am UKD und einer der geschäftsführenden Direktoren des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT/UCC) Dresden. „Sie bildet eine wichtige Grundlage für zukünftige Studien und personalisierte Therapieansätze.“

Prof. Esther Troost, Dekanin der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden (TUD), erläutert: „Die Onkologie zählt seit jeher zu den Forschungsschwerpunkten der Medizinischen Fakultät der TU Dresden. Studien wie RELAZA2 zeigen exemplarisch, wie eng verzahnte Grundlagenforschung, translationale Ansätze und klinische Anwendung bei uns ineinandergreifen. Das NCT/UCC Dresden verfügt seit 2015 über diese einzigartige Struktur, deren Erfolg durch solche Studien belegt wird.“

Mit der Veröffentlichung der Langzeitdaten schließt sich ein bedeutendes Kapitel der translationalen Leukämieforschung. Die Forschenden sehen dies jedoch nicht als endgültigen Abschluss, sondern als Ausgangspunkt für weitere Studien, die das Konzept der MRD-gesteuerten Therapie weiterentwickeln und noch präziser in die klinische Praxis integrieren sollen. Prävention ist in der Leukämietherapie angekommen.

Hintergrund zur Erkrankung:

Das myelodysplastische Syndrom (MDS) ist eine Vorstufe von Leukämie und gehört zu den Erkrankungen des Knochenmarks, bei denen die Bildung gesunder Blutzellen gestört ist. Die Akute Myeloische Leukämie (AML) ist eine besonders aggressive Form von Blutkrebs, die ohne rasche und intensive Behandlung meist schnell voranschreitet.

Über die Studie:

Das Studienprojekt wurde unter Sponsorschaft der der Technischen Universität Dresden (TUD) und Mitwirkung des Koordinierungszentrums für Klinische Studien Dresden vom Bereich Klinische Studien der Medizinischen Klinik und Poliklinik I an der Hochschulmedizin Dresden konzipiert und im Rahmen der akademischen Studiengruppe Studienallianz Leukämie (SAL) multizentrisch in Deutschland umgesetzt. Die SAL ist mit über 50 teilnehmenden Zentren in Deutschland und Österreich eine der beiden großen deutschen AML-Studiengruppen und wird über ihre Studienzentrale in Dresden koordiniert.

Studiendesign RELAZA2
Studiendesign RELAZA2
© Uwe Platzbecker

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