Helios setzt auf Barcode-Scanning am Patientenbett
Viele Menschen, insbesondere chronisch Erkrankte, müssen regelmäßig Medikamente einnehmen – zur richtigen Zeit und in der richtigen Dosierung. Im Krankenhaus wird die Medikation oft angepasst.

Eine komplexe Aufgabe, die durch eine Innovation im Prozess noch sicherer wird: das sogenannte Closed-Loop-Medication-Management (CLMM), das nun schrittweise in den Helios Kliniken eingeführt wird.
„Die Idee hinter Closed-Loop-Medication-Management, kurz CLMM, ist einfach. Der sichere und digitale Weg eines Medikaments soll an keiner Stelle mehr abreißen: von der Verordnung bis zu dem Moment, in dem ein Patient die Tablette in der Hand hält“, sagt Prof. Dr. Olaf Kannt, Head of Medical Management bei Helios.
Ein geschlossener Kreis für mehr Patientensicherheit
Am Anfang steht die Verordnung durch die Klinikärztinnen und -ärzte. Diese wird nicht mehr auf Papier notiert, sondern direkt im digitalen Medikationssystem erfasst und mit der Patientenakte verbunden. Dabei erfolgt eine automatische Warnung vor Wechselwirkungen und Doppelverordnungen. Im zweiten Schritt prüfen Apothekerinnen und Apotheker jede Verordnung fachlich: Passt die Dosis zur Nierenfunktion? Vertragen sich die Präparate? Ist die Tablette teilbar?
Im dritten Schritt stellt die Krankenhausapotheke die Medikation für jede Patientin und jeden Patienten einzeln zusammen. Unit-Dose heißt dieses Verfahren. Ein Automat verpackt die Medikamente individuell in kleine Beutel und druckt auf jeden davon einen eigenen Barcode. Hierzu Apothekerin Annika Demuth, Leitung E-Medikation und Digitalisierung bei Helios: „Mit Unit-Dose wird das richtige Medikament, in der richtigen Dosierung und für den richtigen Vergabezeitpunkt bereitgestellt. Der vierte Schritt, das Scannen von Medikation und Patientenarmband am Patientenbett, ist der neue.“ Und dieser ist entscheidend.
Bedside-Scan: Sekunden vor der Medikamentengabe
Bislang endete die digitale Kette an der Stationstür. Was danach passiert, war Sorgfaltsarbeit der Pflegefachkräfte. Mit dem Bedside-Scan wird nun auch dieser letzte Meter abgesichert. Die Pflegekraft scannt am Bett zwei Dinge: das Patientenarmband am Handgelenk und den Blisterbeutel mit den Medikamenten. In derselben Sekunde gleicht das System beides mit der aktuellen Verordnung ab und überprüft Person, Präparat, Dosis, Darreichungsform und Uhrzeit. Stimmt etwas nicht, meldet es sich, bevor das Medikament gegeben wird. Zudem wird die Gabe im selben Moment dokumentiert.
„Die Prozessinnovation lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Unit- Dose sorgt dafür, dass im Medikationsbeutel das Richtige steckt. Der digitale Bedside-Scan sorgt dafür, dass es beim Richtigen ankommt“, sagt Prof. Dr. Kannt. Das Konzept inklusive des Beside-Scans wird bereits in zwei Helios Kliniken eingesetzt, der Roll-out läuft in weiteren zwölf Kliniken. Bis Ende 2027 sollen alle rund 80 Helios Standorte in Deutschland angeschlossen sein.
Neue Technik, die Zeit für Menschen schafft
Trotz aller digitalen Prozesse bleibt die menschliche Expertise weiterhin unverzichtbar. „Der Scan ersetzt jedoch keine Pflegekraft, die merkt, dass es einem Menschen heute anders geht als gestern und keine Apothekerin, die eine Wechselwirkung erkennt. Er nimmt die Kontrollarbeit ab, die eine Maschine besser kann, damit mehr Zeit bleibt für das, was nur Menschen können“, ergänzt Pflegedirektor des Helios Park-Klinikums Leipzig Sebastian Hunger. Ein weiterer Mehrwert des Verfahrens zeigt sich besonders dort, wo sich Menschen nicht eindeutig äußern oder vergewissern können, wie zum Beispiel nach einer Operation, bei einer Demenz oder bei Sprachbarrieren.
Welttag der Patientensicherheit am 17. September
Am 17. September ist Welttag der Patientensicherheit. In diesem Jahr steht er unter dem Motto „Sichere Versorgung chronisch erkrankter Menschen – für ein gutes Leben!“. Helios nimmt diesen Tag zum Anlass, um auf diese Innovation hinzuweisen, die den Medikationsprozess in Krankenhäusern sicherer macht. Jede Patientin, jeder Patient soll genau das Medikament bekommen, das für ihn bestimmt ist.
Das Closed-Loop-Medication-Management (CLMM)
schließt die Lücke zwischen Verordnung und Verabreichung. Der Prozess umfasst vier Schritte:
- Digitale Verordnung: Ärztinnen und Ärzte verordnen die Medikation digital über die elektronische Patientenakte. Automatische Warnungen vor Wechselwirkungen und Doppelverordnungen erhöhen die Sicherheit.
- Fachliche Prüfung: Apothekerinnen und Apotheker prüfen jede Verordnung von der Dosierung bis zur Verträglichkeit individuell.
- Patientenindividuelle Verpackung (Unit-Dose): In der Krankenhausapotheke werden die Medikamente für jeden Patienten automatisiert zusammengestellt und einzeln verpackt. Ein Barcode auf jedem Blister-Beutel stellt sicher, dass die richtige Medikation zur richtigen Zeit bereitsteht.
- „Bedside-Scan“: Am Krankenhausbett scannt die Pflegekraft sowohl das Patientenarmband als auch den Medikamentenbeutel. Das System gleicht die Daten in Echtzeit mit der Verordnung ab. Stimmt etwas nicht, wird die Gabe gestoppt.











