Neuer Forschungsbau für Marburger Zentrum für Tumor- und Immunbiologie


Der aus Mitteln des hessischen Forschungsförderungsprogramms LOEWE eingerichtete interdisziplinäre Forschungsschwerpunkt Tumor und Entzündung sowie weitere verwandte biomedizinische Verbundprojekte erhalten mit dem Zentrum für Tumor- und Immunbiologie (ZTI) der Philipps-Universität auf den Lahnbergen einen hochmodernen Büro- und Laborbau.
Auf der Grundlage der bisherigen Forschungserfolge gelang es der Universität nach Begutachtung durch den Wissenschaftsrat rund 49 Mio. € für den Forschungsbau und seine Ausstattung einzuwerben. Die Mittel stammen aus dem gemeinsamen Bund-Länder-Programm für Forschungsbauten. Die Kosten tragen Bund und Land je zur Hälfte. Anlässlich der heutigen Grundsteinlegung betonte die hessische Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann den Modellcharakter des Forschungsgebäudes, das bereits in seiner Struktur die Zusammenarbeit der an der Tumorforschung beteiligten Disziplinen entscheidend fördere.
„Marburg ist einer der führenden Standorte exzellenter Spitzenforschung im Bereich der Lebenswissenschaften. Dafür steht beispielhaft die Arbeit der Wissenschaftler am LOEWE-Schwerpunkt Tumor und Entzündung. Neue Medikamente, bessere Behandlungsmethoden, kompetente Krankheitsvorsorge - das können die Ergebnisse exzellenter Wissenschaft sein, für die das hochmoderne Gebäude beste Voraussetzungen schafft", sagte Kühne-Hörmann.
Der LOEWE-Schwerpunkt selbst wird mit 6 Mio. € vom Land gefördert. Insgesamt stehen jährlich 90 Mio. € im Rahmen von LOEWE bereit. „Damit ist das hessische Forschungsförderungsprogramm im bundesweiten Vergleich einzigartig." Die Ministerin verwies auch darauf, dass insgesamt acht LOEWE-Projekte im Bereich der Lebenswissenschaften mitentscheidend für die Erfolge im Bundes-Wettbewerb um die Standorte der Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung zur Erforschung der Volkskrankheiten gewesen seien.
Der geplante Forschungsbau wird in unmittelbarer Nachbarschaft zum Biomedizinischen Forschungszentrum (BMFZ) in der Nähe des Klinikums errichtet. „Dem ZTI wird damit eine zentrale Bedeutung für den neuen biomedizinischen und naturwissenschaftlichen Campus auf den Lahnbergen beigemessen", erklärte Universitätspräsidentin Prof. Dr. Katharina Krause. „Mit ihrer fokussierten und integrierenden Forschungsthematik und ihrer modernen Ausstattung sollen ZTI und BMFZ als neue Kristallisationsorte und Katalysatoren der Marburger Forschung auf dem konsequenten Weg zu intensiveren, fachbereichsübergreifenden Kooperationen wirken", fuhr die Präsidentin fort.
Fünf Professuren mit ihren assoziierten Nachwuchsgruppen werden dort ab Herbst 2013 die Grenzgebiete Entzündungs- und Tumorbiologie beforschen, umriss Medizin-Dekan Professor Dr. Matthias Rothmund das Arbeitsprogramm. „Auf 2.300 m2 Laborfläche finden unsere Wissenschaftler bedürfnisgerecht eingerichtete, speziell auf die jeweilige Forschergruppe zugeschnittene Labore vor, die ideale Arbeitsbedingungen bieten und zusätzlich noch für einen bedarfsorientierten Energieeinsatz optimiert wurden", charakterisierte der Dekan den Neubau.
Bei der Grundsteinlegung wurde im Beisein des Oberbürgermeisters der Universitätsstadt Marburg, Egon Vaupel, eine Kupferschatulle mit Bauzeichnungen, einem Münzensatz, einem USB-Stick mit den relevanten Daten, der Urkunde, dem Vollantrag zur Bewilligung des Forschungsbaus sowie Tageszeitungen im Boden versenkt.
Der hufeisenförmige, fünfgeschossige Neubau mit dem Untergeschoss für Großgeräte, Tierhaltung und Technik entsteht nach Plänen aus dem Büro Ludes Generalplaner mit Sitz in Berlin.
Der Standort befindet sich in unmittelbarer Nähe sowohl zur klinischen Forschung und dem BMFZ als auch zu den vorklinischen Instituten. Die räumliche Zusammenführung der bisher sowohl auf den Lahnbergen als auch im Lahntal dezentral untergebrachten Forschergruppen wird durch die Nutzung der gemeinsamen Infrastruktur erhebliche Synergieeffekte zur Folge haben.
Zentrales Thema der Forschung am ZTI ist die Untersuchung zellulärer und molekularer Wechselwirkungen zwischen Tumorzellen und dem Tumor-Wirt-Mikromilieu.
Für etwa 20% aller Tumorerkrankungen wird nämlich ein ursächlicher Zusammenhang mit chronischen Entzündungsreaktionen vermutet, die unter anderem auf Umwelt- und persönliche Risikofaktoren (wie Zigarettenrauch, Adipositas, chronische Infektionen) zurückzuführen sind. Internationale Forschungsaktivitäten der letzten Jahre konnten zeigen, dass viele der Tumor-Risikofaktoren bereits in der Frühphase der Tumorentstehung die Funktion von Entzündungszellen beeinflussen. Insbesondere Makrophagen werden so „umprogrammiert", dass sie die Teilung und Metastasierung von Tumorzellen fördern.
Der Marburger Schwerpunkt „Tumor und Entzündung" hebt sich in seiner thematischen Ausrichtung auf genregulatorische Signalwege deutlich von anderen bestehenden Forschungsverbünden auf diesem hochinnovativen, ständig wachsenden Gebiet ab und verfügt mit seiner thematischen Fokussierung national über ein Alleinstellungsmerkmal.
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