Neues UniversitätsKontinenz- und BeckenbodenCentrum
Mit der Gründung des UniversitätsKontinenz- und Beckenboden Centrums schafft das Universitätsklinikum Dresden ein neues Versorgungsangebot. Darin arbeiten die Kliniken für Urologie, Gynäkologie sowie Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie zusammen mit Experten aus der Physiotherapie sowie der spezialisierten Kontinenz- bzw. Uro-Therapie.

Inkontinenz und Erkrankungen des Beckenbodens zählen zu den häufigsten, aber zugleich am stärksten tabuisierten Gesundheitsproblemen. Allein in Deutschland leiden rund zehn Mio. Menschen an Harn- oder Stuhlinkontinenz. Viele Betroffene suchen aus Scham erst spät medizinische Hilfe oder erhalten nicht die für sie passende Versorgung. Die Dunkelziffer gilt als hoch. Mit der Gründung des UniversitätsKontinenz- und Beckenboden Centrums schafft das Universitätsklinikum Dresden nun ein neues Versorgungsangebot für Betroffene. Darin arbeiten die Kliniken für Urologie, Gynäkologie sowie Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie zusammen mit Experten aus der Physiotherapie sowie der spezialisierten Kontinenz- bzw. Uro-Therapie. Ziel ist es, Patienten eine umfassende Diagnostik und individuell abgestimmte Therapie anzubieten. „Das Modell der Centren ist an der Universitätsmedizin Dresden etabliert und bietet Patientinnen und Patienten mit unterschiedlichen Indikationen eine interdisziplinare Behandlung aus einer Hand. Dies bieten wir nun auch Betroffenen mit Inkontinenz und Erkrankungen des Beckenbodens an“, sagt Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand am Uniklinikum Dresden.
Bis zu 20 % der Bevölkerung in Deutschland leiden an Harn- und Stuhlinkontinenz, Entleerungsstörungen der Blase oder des Darms sowie an Senkungsbeschwerden und Beckenbodeninsuffizienz. Betroffen sind mehr Frauen als Männer. Viele der Betroffenen schweigen aus Scham über ihre Probleme. Zu den häufigsten Risikofaktoren zählen ein höheres Lebensalter, körperliche Belastungen und Adipositas. Gleichzeitig können auch jüngere Menschen betroffen sein, beispielsweise Frauen nach der Schwangerschaft oder Männer nach operativen Eingriffen. Auch neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose können zu Kontinenzstörungen führen. Oftmals benötigen Betroffene einen interdisziplinären Blick auf ihre Beschwerden. Das Universitätsklinikum Dresden gibt dem nun mit dem neuen UniversitätsKontinenz- und BeckenbodenCentrum eine neue Struktur.
Interdisziplinäre Diagnostik komplexer Krankheitsbilder
Ein besonderer Schwerpunkt des Centrums liegt auf der interdisziplinären Diagnostik komplexer Krankheitsbilder. Dafür stehen am Uniklinikum Dresden spezialisierte Untersuchungsverfahren wie die Urodynamik zur Messung der Blasenfunktion oder die MRT-gestützte Defäkographie zur Analyse von Beckenboden- und Entleerungsstörungen zur Verfügung. Die enge Zusammenarbeit der beteiligten Fachbereiche ermöglicht zudem gemeinsame Fallbesprechungen und die Planung komplexer operativer Eingriffe. Neben der Diagnostik setzt das Centrum auf ein breites Spektrum konservativer und operativer Behandlungsmöglichkeiten. Dazu gehören Beckenboden- und Haltungstraining, Ernährungsberatung, Biofeedback-Verfahren, Kontinenzberatung, Schulungen zur Selbstkatheterisierung sowie moderne operative Therapien. Die spezialisierten Urotherapeuten begleiten Betroffene dabei ergänzend zur ärztlichen Behandlung und unterstützen sie im Umgang mit den Auswirkungen der Erkrankung im Alltag. „Viele Betroffene leiden über Jahre hinweg still, obwohl heute zahlreiche diagnostische und therapeutische Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Mit dem neuen Centrum schaffen wir klare Strukturen und kurze Wege, damit Patientinnen und Patienten frühzeitig die passende Unterstützung erhalten können“, sagt PD Dr. Martin Baunacke, Urologe im UniversitätsKontinenz- und BeckenbodenCentrum.
Perspektivisch strebt das Universitäts-Kontinenz- und BeckenbodenCentrum eine Zertifizierung nach den Qualitätsstandards der Deutschen Kontinenz Gesellschaft an. Darüber hinaus sollen niedrigschwellige Beratungsangebote, Patientenveranstaltungen sowie eine enge Zusammenarbeit mit weiteren Einrichtungen auf dem Campus etabliert werden. „Komplexe Beckenbodenerkrankungen betreffen häufig mehrere Organsysteme. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit im UniversitätsKontinenz- und BeckenbodenCentrum können wir Diagnostik und Therapie optimal aufeinander abstimmen und unseren Patientinnen und Patienten eine Versorgung auf höchstem Niveau bieten“, sagt PD Dr. Olga Radulova-Mauersberger, Viszeralchirurgin im UniversitätsKontinenz- und BeckenbodenCentrum. „Ziel ist es, die Versorgung von Menschen mit Kontinenz- und Beckenbodenerkrankungen in der Region nachhaltig zu verbessern und das Thema stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken“, sagt Dr. Anna Gasser, Gynäkologin im UniversitätsKontinenz- und BeckenbodenCentrum.










