Professor Dr. Jun Oh ist neuer Ärztlicher Direktor in Heidelberg
Der erfahrene Transplantationsmediziner hat zum 1. September 2026 zusammen mit der Klinikleitung am Universitätsklinikum Heidelberg die neu eingerichtete W3-Professur an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg übernommen.

Für Professor Dr. Jun Oh ist der Wechsel nach Heidelberg eine Rückkehr zu seinen Wurzeln: Er wurde in der Universitätsfrauenklinik Heidelberg geboren, studierte an der Universität Heidelberg Medizin und absolvierte seine Facharztausbildung in der hiesigen Universitätskinderklinik. Zum 1. September hat er die neu eingerichtete W3-Professur für „Pädiatrie mit Schwerpunkt Nephrologie, Hepatologie und Transplantationsmedizin“ an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg angetreten und damit auch die Leitung der Klinik I für pädiatrische Nephrologie, Hepatologie und Transplantationsmedizin am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) übernommen. Die neue Kinderklinik I geht aus der ehemaligen Klinik für Allgemeine Pädiatrie, Nephrologie, Neuropädiatrie und Stoffwechselmedizin hervor. Zuletzt war Oh stellvertretender Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Ein Schwerpunkt seiner klinischen Arbeit in Heidelberg wird der Aufbau eines pädiatrischen Lebertransplantationsprogramms sein.
„Kinder mit schweren, teils seltenen Lebererkrankungen und ihre Familien sollen künftig von der Diagnose über eine mögliche Transplantation bis zur langfristigen Nachsorge durchgängig am UKHD betreut werden können. Professor Oh bringt dafür umfassende Erfahrung in der pädiatrischen Transplantationsmedizin mit und wird die hoch spezialisierte Versorgung von Kindern mit schweren Nieren- und Lebererkrankungen weiter stärken. Damit schließen wir eine wichtige Versorgungslücke“, sagt Professor Hanns-Peter Knaebel, Vorstandsvorsitzender und Vorstand Medizin des UKHD.
„Mit Professor Dr. Jun Oh gewinnt die Medizinische Fakultät Heidelberg einen international ausgewiesenen Wissenschaftler, der die Zukunft der pädiatrischen Transplantationsmedizin entscheidend mitgestalten wird. Seine Forschung zielt darauf ab, Abstoßungsreaktionen und langfristige Transplantatschäden nicht erst zu behandeln, sondern durch innovative Verfahren des Immunmonitorings und der individuellen Risikovorhersage möglichst früh zu erkennen und zu verhindern“, sagt Professor Dr. Michael Boutros, Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg. „Besonders wertvoll ist dabei sein Ansatz, der modernste Analysen von Immunprozessen, Biomarkern und Mikrobiom-Veränderungen mit klinischen Fragestellungen verbindet. Gemeinsam mit den hervorragenden wissenschaftlichen Infrastrukturen und Netzwerken in der Region eröffnet dies die Chance, neue Maßstäbe für eine personalisierte und präventive Transplantationsmedizin im Kindes- und Jugendalter zu setzen.“
Pädiatrisches Lebertransplantationsprogramm in Heidelberg aufbauen
Professor Jun Oh begleitet Kinder mit schweren Nieren- und Lebererkrankungen häufig über viele Jahre. „Für mich beginnt Transplantationsmedizin mit der Frage, wie wir ein Organ möglichst lange schützen können“, sagt er. Wird eine Transplantation notwendig, profitieren die jungen Patientinnen und Patienten von einem strukturierten Versorgungsprogramm, wie es für Nierentransplantationen am UKHD bereits fest etabliert ist. Gemeinsam mit dem Team der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationsmedizin des UKHD plant Professor Oh ein umfassendes Programm für die Lebendspende aufzubauen, mit besonderem Schwerpunkt auf innovativen, zum Beispiel minimalinvasiven Operationsverfahren.
Die für den Aufbau des Transplantationsprogramms erforderliche Expertise bringt Professor Oh aus Hamburg mit. Dort leitete er seit 2019 die Abteilung Pädiatrische Transplantation und war im Transplantationszentrum als Bereichsleiter für Kindernieren- und Kinderlebertransplantation tätig. „Lebertransplantationen bei Kindern gehören zu den anspruchsvollsten Aufgaben der Transplantationsmedizin. Sie erfordern neben einer spezialisierten Transplantationschirurgie ein erfahrenes Team aus medizinischen und pflegerischen Fachbereichen“, sagt Oh.
Eng zusammenarbeiten möchte Oh auch mit der Klinik für Nephrologie des UKHD, insbesondere bei seltenen Nierenerkrankungen, in der Nierentransplantationsmedizin und beim Übergang chronisch kranker Jugendlicher in die Erwachsenenmedizin. Eine strukturierte Transition soll ihre kontinuierliche Versorgung über das Jugendalter hinaus sichern.
Über die medizinische Behandlung hinaus hat Professor Oh die ganze Familie im Blick. „Es gibt hier hervorragende psychosoziale Unterstützungsangebote für Kinder und ihre Angehörigen, um mit den oft chronischen Erkrankungen und der belastenden Situation besser umgehen zu können“, sagt Oh. Die etablierten Elterninitiativen, Selbsthilfegruppen, Stiftungen und weiteren sozialen Partner begreift er als wichtige Säule. Die Zusammenarbeit möchte Professor Oh weiter stärken.
Große Chancen sieht Oh im Verbund der Universitätskliniken Heidelberg-Mannheim: „Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen am Standort Mannheim. Gemeinsam können wir die Stärken beider Standorte nutzen, um Kindern und ihren Familien in der Rhein-Neckar-Region die bestmögliche Versorgung zu bieten.“
Immunmonitoring und Prävention von Langzeitschäden
Ohs bisherige Forschung ist vor allem in der pädiatrischen Nephrologie verankert. Er befasste sich mit den molekularen Ursachen und der Behandlung von bestimmten Nierenerkrankungen, bei denen vermehrt Eiweiß über den Urin verloren geht, der sogenannten Proteinurie. Zudem engagiert er sich seit mehreren Jahren im wissenschaftlichen Beirat des CERTAIN-Konsortiums, einem internationalen Netzwerk für eine bessere Versorgung und langfristige Nachsorge nierentransplantierter Kinder und Jugendlicher.
In Heidelberg will Oh seine Forschung stärker auf immunologische Fragestellungen ausrichten. Dafür plant er, ein klinisches und wissenschaftliches Immunmonitoring vor, während und nach einer Organtransplantation aufzubauen.
Ein weiterer Schwerpunkt sind die langfristigen Folgen chronischer Nieren- und Lebererkrankungen. Oh interessiert insbesondere, wann entzündliche Prozesse im Kindesalter beginnen und welche Faktoren den weiteren Krankheitsverlauf beeinflussen. Dabei will er auch untersuchen, welche Rolle die Pubertät bei Nierenerkrankungen spielt. Die Erkenntnisse sollen helfen, die Behandlung und langfristige Versorgung betroffener Kinder zu verbessern.
Ausgezeichnete Lehre in Heidelberg fortsetzen
Für seine Lehre wurde Oh in Hamburg mehrfach mit dem Preis „Teacher of the Year" der Medizinischen Fakultät ausgezeichnet. Seine erfolgreiche Lehrtätigkeit will er in Heidelberg fortsetzen und dabei an moderne Lehrmethoden und etablierte Strukturen anknüpfen.
Zur Person
Jun Oh, geboren 1968 in Heidelberg, studierte Humanmedizin an der Universität Heidelberg sowie in London, San Diego und Tokio. Nach seiner Promotion an der Heidelberger Universitätskinderklinik forschte er von 2002 bis 2004 als Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft am Albert Einstein College of Medicine in New York. Nach weiteren ärztlichen Stationen in Heidelberg und Düsseldorf wechselte er 2010 an das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, wo er 2011 habilitiert wurde. Seit 2024 ist Oh Sprecher der Arbeitsgruppe „Organtransplantation bei Kindern und Jugendlichen" der Deutschen Transplantationsgesellschaft. Für eine Studie zur Proteinurie wurde er 2024 mit dem Grundlagenforschungspreis der Gesellschaft für Pädiatrische Nephrologie ausgezeichnet.











