Streetart im Hospiz: Junge Künstler feiern das Leben im Moment
Farbsatte Leinwände wurden bei der Vernissage gezeigt, ein Kalender ist in Planung.


Etwas schmucklos sei er, der Eingang des Oranienburger Hospizes Lebensklänge, so der Tenor bei einer der Sitzungen des Hospiz-Fördervereins. Die Lösung war schnell erdacht: Junge kreative Menschen könnten die Köpfe zusammenstecken und etwas Lebensbejahendes schaffen. So entstand das Projekt „Den Tagen mehr Leben geben“, eine Kooperation der Stadt Oranienburg mit den Oberhavel Kliniken, den Trägern CJO, ImPuls sowie dem DRK-Kreisverband Märkisch-Oder-Havel-Spree. In Workshops unter freiem Himmel tüftelten 45 Künstler zwischen sieben und 18 Jahren an ihren Motiven – die Arbeitsergebnisse stellten sie nun bei einer Vernissage im Hospiz mit mehr als 50 Gästen vor, darunter auch Oranienburgs Bürgermeister Alexander Laesicke.
Entstanden sind 16 große Tafeln, alle spiegeln Tiefsinn und Lebensfreude. In vorbereitenden Gesprächen hätten die Kinder einen spannenden Umgang mit den Themen Tod und Sterben gezeigt: „So setzten sie es auch in den Bildern um: Viele betonen das, was das Leben im Jetzt wertvoll macht“, sagt Künstlerin Julia Hoppen, die die Arbeit der Kids begleitete. Der Gedanke entspricht komplett der Philosophie des Hospizes: In ihren letzten Wochen und Monaten erleben die Gäste, wie sie im Haus heißen, viel Schönes und Heiterkeit. Es wird gelacht, gespielt, gesungen, verwöhnt, gelebt.
Bunt wie die Kunstwerke seien auch die Hintergründe der Beteiligten. Kinder jeden Alters, mit Fluchterfahrung, aus Plattenbauten und Einfamilienhäusern hätten zusammengefunden, sagt Hoppen. „Konflikte haben die Kids nach Streetart-Manier gelöst: künstlerisch.“ Eine Jury wählt nun aus, welche Tafeln künftig die Hospiz-Fassade zieren sollen. „Eine luxuriöse Entscheidung angesichts dieses tollen Angebots“, sagt Susanne Koczessa, Vize-Vorstandsvorsitzende des Hospiz-Fördervereins.
Pete (13), Tom (12) und Cooper (11) stehen stolz vor ihrem Werk, das mit gesprühten und gepinselten Kreiseln, Blumen, Formen sofort die Stimmung hebt. „Hauptsache knallig“ sollten die Farben sein, das Leben feiern, erzählt Tom. Wer hatte die Ideen? „Die haben gedacht, ich hab’s gemacht“, reimt Pete und alle drei lachen. Farbsatt auch die Tafel von Lene, Meta und Geburtstagskind Phoebe, alle elf. Grün und Orange bestimmen das Bild. In der Mitte: ein Fuchs. Was es mit dem auf sich hat, erfahren Interessierte demnächst Schwarz auf Weiß. Die Werke werden mit Entstehungsgeschichte in einen Universalkalender gegossen. „So möchten wir alle Künstler würdigen“, erzählt Beatrice Marzahn, Einrichtungsleiterin des Hospizes und Mit-Vorständin im Förderverein. Über den Verkauf des Kalenders sollen dann Spenden für das Hospiz eingenommen werden.
Thies (7) zeigt seine Tafel und deutet auf einen leuchtenden Stern: „Der steht dafür, dass ich den Sterbenden Glück wünsche, und dafür, dass ich hoffe, die Krankheit geht wieder weg.“ Autogramme gebe es jetzt aber keine, scherzt er. „Erst, wenn der Kalender rausgekommen ist."
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