28.08.2026 • News

Versius-Operationsroboter in der Kinderchirurgie eingesetzt

Die Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie und -urologie hat in dieser Woche als erste Einrichtung in ganz Deutschland erfolgreich roboterassistierte Operationen mit dem Versius-Operationssystem bei Kindern durchgeführt.

Das Team trainiert die Steuerung und die Abläufe mit dem neuen...
Das Team trainiert die Steuerung und die Abläufe mit dem neuen Versius-Operationssystem.
© Klinikum Chemnitz

Mit diesem Schritt setzt die Klinik bundesweit neue Maßstäbe in der roboterassistierten Kinderchirurgie. Der entscheidende Vorteil liegt in der Dimension der Instrumente: Während andere OP-Roboter meist mit 8 bis 12 mm starken Instrumenten arbeiten, kommen hier erstmals extrem feine 5-mm-Instrumente zum Einsatz. Das ermöglicht eine bislang unerreichte Miniaturisierung der Eingriffe bei Kindern. Die ersten Operationen verliefen ohne Komplikationen und bestätigen die hohe Eignung des Systems für besonders präzise und gewebeschonende Eingriffe.

Die Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie und -urologie deckt das gesamte Spektrum der pädiatrischen Chirurgie ab. Ihre Expertise in der minimalinvasiven und rekonstruktiven Chirurgie wird durch das Versius-System optimal ergänzt. Künftig soll die Technologie vor allem bei komplexen kinderurologischen Eingriffen oder dem Beheben angeborener Fehlbildungen sowie bei Operationen im Bauchraum eingesetzt werden. Daneben werden auch viele Kinder mit Tumoren von der Roboterchirurgie in Chemnitz profitieren können.

Maximale Präzision auf engstem Raum

Gerade in der Kinderchirurgie ist absolute Präzision entscheidend. Die anatomischen Strukturen sind klein und die Operationsräume teils äußerst beengt. Die kompakte, modulare Bauweise des Versius sowie die feinen, beweglichen Instrumente ermöglichen dem Team eine hohe Bewegungsfreiheit und punktgenaues Arbeiten. Eine dreidimensionale Sicht unterstützt dabei die exakte Orientierung im Operationsgebiet. Für die jungen Patienten bieten sich dadurch entscheidende Vorteile. Kleine Hautschnitte, geringerer Blutverlust, weniger Gewebetrauma und reduzierte postoperative Schmerzen tragen zu einer schnelleren Erholung bei und halten die körperliche Belastung so gering wie möglich.

„Die Kombination aus hochpräziser Steuerung, der außergewöhnlichen Flexibilität der feinen Instrumente und der 3D-Sicht ermöglicht uns ein extrem gewebeschonendes Arbeiten“, betont PD Dr. med. habil. Jurek Schultz, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie und -urologie. „Für unser gesamtes Team ist es ein großes Privileg, als erstes Zentrum in Deutschland diese Technologie bei Kindern einzusetzen.“

Fundierte Vorbereitung und internationale Unterstützung

Für das Klinikum Chemnitz ist der Einsatz von Versius in der Kinderchirurgie die konsequente Weiterentwicklung einer bereits etablierten Expertise. Seit 2021 wird das Operationssystem am Klinikum erfolgreich in der Erwachsenenchirurgie eingesetzt. Das dabei aufgebaute Know-how bildet eine wichtige Grundlage für die Übertragung der Technologie auf die besonderen Anforderungen der Kinderchirurgie. Nachdem Versius im Januar 2026 offiziell auch in der Europäischen Union für die Kinderchirurgie zugelassen wurde, bereitete sich das OP-Team um Chefarzt PD Dr. Jurek Schultz, die Oberärzte Jörg Neser und Lutz Weißbach sowie die Operationstechnischen Assistentinnen Fabienne König, Narges Sadeghifard und Kerstin Schubert in einem umfassenden Trainingsprogramm intensiv auf die neuen Anforderungen vor.

Neben der technischen Schulung stand dabei insbesondere die Übertragung der roboterassistierten Operationstechnik auf die speziellen anatomischen und medizinischen Anforderungen von Kindern im Mittelpunkt. Für die ersten Eingriffe holte sich die Klinik zudem internationale Expertise nach Sachsen. Dr. Pankaj Mishra, renommierter Kinderurologe aus London und langjähriger Versius-Anwender, reiste eigens an, um das Chemnitzer Team direkt im OP zu begleiten.

„Hinter diesem Meilenstein stehen viele Monate intensiver Vorbereitung, Training und Teamarbeit. Mein besonderer Dank gilt allen Kolleginnen und Kollegen aus unserem Haus, die dieses Projekt mit großem Engagement vorangetrieben haben, sowie den Experten von CMR Surgical für die enge und professionelle Unterstützung. Dass wir nun die ersten Kinder in Deutschland mit Versius operieren konnten, ist eine großartige Team-Leistung.“, sagt PD Dr. Schultz.

Echter Mehrwert für die Behandlung

Mit dem Einsatz von Versius erweitert das Klinikum Chemnitz nicht nur sein technisches Spektrum, sondern schafft zugleich neue Perspektiven für die Weiterentwicklung der minimalinvasiven Kinderchirurgie. Ziel ist es, die robotische Unterstützung dort einzusetzen, wo sie für die jungen Patientinnen und Patienten einen konkreten medizinischen Mehrwert bietet. „Roboterassistierte Chirurgie ist für uns kein Selbstzweck. Entscheidend ist immer der Nutzen für das Kind. Wenn uns die Technologie dabei unterstützt, komplexe Eingriffe noch präziser, sicherer und besonders gewebeschonend durchzuführen, ist sie eine wertvolle Ergänzung unseres Behandlungsspektrums“, erklärt PD Dr. Schultz und ergänzt: „Die Entscheidung der Geschäftsführung, diese zukunftsweisende Technologie fest aufzunehmen, war ein weitsichtiger und essenzieller Schritt für die optimale Versorgung unserer jungen Patientinnen und Patienten.“

Die Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie und -urologie plant, die Erfahrungen aus den ersten Eingriffen systematisch auszuwerten und die Einsatzmöglichkeiten von Versius Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Damit stärkt das Klinikum Chemnitz seine Position als überregionales Zentrum für die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit komplexen chirurgischen und urologischen Erkrankungen.

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