Welchen Mehrwert kann Robotik für Fachpersonal im Laboralltag liefern?
Wie sieht die zukünftige Zusammenarbeit von Mensch und Maschine im Gesundheitswesen aus?
Antworten darauf gab der Press Day der United Robotics Group (URG) am 5. Mai 2026 im MLL Münchner Leukämielabor.

Medizin der Zukunft – was technologischer Wandel bedeutet
Den Auftakt machte Prof. Dr. med. Jochen A. Werner vom Institut Mensch und Medizin der Zukunft mit einem Impulsvortrag über den technologischen Wandel in der Medizin. „Innovationen passieren heute nicht mehr linear, sondern exponentiell“, betonte Werner. Zukunftsfähige Medizin bedeute nicht nur, neue Technologien zu etablieren, sondern auch, alte loszulassen: „Die Medizin der Zukunft wird von Maschinen unterstützt und von Menschen getragen.“ Sein Fazit: Technologie soll Fachkräfte entlasten, nicht ersetzen.
Robotik im Gesundheitswesen – Praxis und Perspektiven
Anschließend erläuterten Wassim Saeidi, Gründer & CEO, und Kerstin Wagner, Co-CEO & COO der United Robotics Group, den aktuellen Stellenwert und zukünftigen Bedarf für autonome, KI-basierte Robotik speziell im Gesundheitswesen. Mit ihren Robotiklösungen wie uLab Mobile – einem speziell für regulierte, klinische Laborumgebungen entwickeltem mobilen Service-Roboter – hat sich das Unternehmen auf diesen Bereich fokussiert. uLab Mobile befindet sich bereits in über 50 Laboren im Praxiseinsatz. Dort hilft der Roboter den dort arbeitenden Menschen, indem er ihnen repetitive Transport- und Routinetätigkeiten abnimmt. „Angesichts eines sich stetig verschärfenden Fachkräftemangels – europaweit fehlen in der Gesundheitsversorgung aktuell über 1,2 Mio. Fachkräfte – bietet die gezielte Automatisierung durch Robotik die Chance, Personal zu entlasten und Arbeitszeit für wertschöpfendere Aufgaben sowie mehr Menschlichkeit und Empathie zurückzugewinnen“, betonte Wagner.
Live im Labor – Automatisierter Probentransport in Aktion
Über realistische Praxis-Demonstrationen im Labor des MLL wurde gezeigt, wie dies konkret funktioniert. Der Laborroboter uLab Mobile und der Transportroboter uLog Deliver interagieren autonom im koordinierten Zusammenspiel beim Probentransport: Während uLab Mobile die Be- und Entladung übernimmt, organisiert uLog Deliver den Transportweg durchs Labor. Position und Aktionen der beiden Systeme können dabei jederzeit von Menschen überwacht und kontrolliert werden. Die Roboter lassen sich nahtlos in bestehende Arbeitsabläufe integrieren und navigieren autonom durch Flure, Türen und Aufzüge. Jürgen Kutschinski, Chief Technology Officer von URG, fasste zusammen: „Unsere Roboter nutzen bei der Zusammenarbeit ihre jeweiligen Stärken und gestalten den Laboralltag dadurch sehr viel effizienter.“ Angesichts stetig steigender Probenzahlen am MLL – mit aktuell mehreren tausend pro Tag und einem Gesamtvolumen von über 3 Mio. Analysen im Jahr – wird deutlich, wie wichtig die Unterstützung durch Robotik für die im Labor arbeitenden Menschen ist, um einen planbaren und nicht ausufernden Arbeitsalltag zu gestalten.
uMe – Menschliche Interaktion in der Robotik
Zum Abschluss präsentierte URG ihren humanoiden Roboter uMe, der künftig u.a. Pflegekräfte und Angehörige von Pflegebedürftigen entlasten soll. Der Prototyp, der sich momentan noch im Training befindet, soll perspektivisch Stürze von pflegebedürftigen Menschen erkennen und autonom einen Notdienst informieren. Außerdem wird er trainiert, im Alltag mit Pflegebedürftigen zu interagieren und ihren Gesundheitszustand und Vitalwerte zu beobachten.
Akzeptanz für Robotik schaffen
Akzeptanz für Robotik könne wiederum nur durch greifbaren Nutzen für Menschen entstehen, erläuterte Saeidi: „Vertrauen können wir nur schaffen, indem wir Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Laboren – und den dort arbeitenden Menschen – einen echten Mehrwert bieten.“
Somit ergibt sich als Fazit: Physical AI ist bereits in der klinischen Realität angekommen und bietet das Potenzial, über die dringend benötigte Entlastung von Fachpersonal mehr Menschlichkeit in der Gesundheitsversorgung zu erzielen.










