22.10.2026 • News

YouGov-Studie zur Krisenresilienz in Kliniken und Praxen

Fachkräfte in Arztpraxen und Kliniken leisten täglich verlässliche Arbeit unter Druck. Sie treffen zeitkritische Entscheidungen und versorgen Menschen in Ausnahmesituationen.

Wenn zertifizierte Kommunikationstools fehlen, wird auch auf allgemeine...
Wenn zertifizierte Kommunikationstools fehlen, wird auch auf allgemeine Messenger zurückgegriffen.
© Doctolib

Wie krisenresilient das deutsche Gesundheitswesen dafür aufgestellt ist und ob die Kommunikation, auf die es im Ernstfall ankommt, funktioniert, hat Doctolib, eines der führenden europäischen Healthtech-Unternehmen untersuchen lassen. Die YouGov-Umfrage zeigt: Bereitschaft zu datenschutzkonformer Kommunikation ist unter Gesundheitsfachkräften groß, aber die strukturellen Voraussetzungen dafür fehlen in vielen Einrichtungen noch. Befragt wurden 220 Ärzt*innen in Kliniken, 208 Ärzt*innen in Praxen und MVZ sowie 1.053 Personen ab 18 Jahren in Deutschland. Die Bevölkerungsstichprobe ist repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Region.

In der Notaufnahme ist Kommunikation entscheidend – jede Minute zählt

An kaum einem Ort wird die Bedeutung zuverlässiger Kommunikation deutlicher als in der Notaufnahme. Wer dort arbeitet, weiß: Eine Verzögerung von Minuten kann über den Behandlungserfolg entscheiden.

Dr. Patric Tralls, Chefarzt der Klinik für Notfall- und Akutmedizin, Städtisches Klinikum Solingen, Sprecher der Arbeitsgruppe Katastrophenmedizin der Deutschen Gesellschaft für Notfallmedizin e.V.:

„In der Notaufnahme entscheidet häufig nicht die spektakuläre Einzelmaßnahme, sondern das Zusammenspiel vieler kleiner Abläufe – und dabei zählt oft jede Minute. Digitale Echtzeit-Kommunikation ist für uns längst ein Stabilitätsfaktor: Sie beschleunigt Entscheidungen, ermöglicht besseres Antizipieren und Planen und hilft, Mikrokrisen schneller zu lösen. Dabei sind immer Daten von Patientinnen, Patienten und Kolleginnen und Kollegen im Spiel. Privat genutzte Messenger sind in der Notfallkommunikation ungeeignet – bis hin zu unzulässig. Am Klinikum Solingen haben wir mit Doctolib Connect eine Lösung gefunden, die schnell, datenschutzkonform und auch dann verfügbar ist, wenn es darauf ankommt."

Fehlende Dienstgeräte und unklare Regelungen erklären die Nutzung allgemeiner Messenger

Im klinischen Alltag dominieren laut Studie nach wie vor persönliche Kommunikationswege: das Gespräch vor Ort (73 Prozent), das Diensttelefon (61 Prozent) und das institutionelle E-Mail-System (58 Prozent). Doch dort, wo schnelle Abstimmung gefragt ist, greifen viele auf das zurück, was auf dem Smartphone bereits vorhanden ist: 70 Prozent der Klinikärzt*innen und 72 Prozent der Praxisärzt*innen haben schon einmal allgemeine Messenger wie WhatsApp, Telegram, iMessage, Facebook Messenger, Signal, Threema oder SMS genutzt. 43 Prozent der Klinikärzt*innen sagen, dass sie WhatsApp für den beruflichen Austausch genutzt haben, bei den Praxisärzt*innen waren es 41 Prozent.

Einer der Gründe ist strukturell: 38 Prozent der Klinikärzt*innen und 41 Prozent der Praxisärzt*innen steht kein Dienstgerät zur Verfügung. Hinzu kommt der Zeitdruck des Klinikalltags: 45 Prozent der Kliniker*innen und 50 Prozent der Praxisärzt*innen nennen für die Nutzung allgemeiner Messenger Schnelligkeit und Bequemlichkeit als Hauptgrund – 42 Prozent der Klinikärzt*innen und 28 Prozent der Praxisärzt*innen geben an, dass ihnen in Notfall- oder Stresssituationen keine Zeit für andere Kommunikationswege bleibt.

Ein weiterer Faktor ist die Netzwerklogik: 64 Prozent der Klinikärzt*innen, die allgemeine Messenger beruflich nutzen, sagen, dass sie dies auch tun, weil Kolleg*innen und Vorgesetzte diese Kanäle verwenden. Hinzu kommen institutionelle Lücken: 42 Prozent der Klinikärzt*innen arbeiten in Einrichtungen ohne klare Regelung, 20 Prozent dort, wo allgemeine Messenger offiziell nicht erlaubt, aber gängige Praxis sind.

Unter jenen, die allgemeine Messenger beruflich einsetzen, nutzen diese zu 43 Prozent davon täglich, weitere 40 Prozent mehrmals pro Woche. Das Risikobewusstsein ist ausgeprägt: 58 Prozent der Klinikärzt*innen nennen das Risiko eines Datenlecks, 49 Prozent eine mögliche DSGVO-Verletzung.

66 Prozent der Klinikärzt*innen würden wechseln – und zeigen damit, dass der Wille zur sicheren Kommunikation da ist

Die Bereitschaft zur Veränderung ist eindeutig: 66 Prozent der Klinikärzt*innen sagen, sie würden auf allgemeine Messenger verzichten, wenn es eine ebenso einfach bedienbare, zuverlässige Alternative auf dem eigenen Gerät gäbe – 65 Prozent der Praxisärzt*innen teilen diese Haltung. Von denjenigen, die bereits zertifizierte Kommunikationslösungen nutzen, tun das in Kliniken 61 Prozent und in Praxen 68 Prozent aus Datenschutzgründen – 51 Prozent der Kliniker*innen und 49 Prozent der Praxisärzt*innen, weil ihnen die Sicherheit von Patientendaten persönlich wichtig ist. Bereits heute setzen 19 Prozent der Klinikärzt*innen und 22 Prozent der Praxisärzt*innen einen spezialisierten Messenger für Gesundheitsfachkräfte ein.

Doctolib Connect setzt hier an: das Kooperationstool ist DSGVO-konform, auf allen Geräten nutzbar und auch bei einem Ausfall der zentralen IT verfügbar – dies fordern 52 Prozent der Klinikärzt*innen. 41 Prozent wünschen sich Kommunikationslösungen, die unabhängig von der internen Infrastruktur funktionieren. Beides sind Voraussetzungen für Krisenresilienz.

Dr. Katharina Schweidtmann, Ärztin und Head of Strategy, Doctolib Deutschland: „Schnelle und sichere Kommunikation ist ein integraler Bestandteil einer ganzheitlichen Klinikinfrastruktur. Diese Studie zeigt: Die Bereitschaft, datenschutzkonforme Kommunikationstools zu nutzen, ist da. Was gebraucht wird, ist die Einführung sicherer, digitaler Lösungen, die im klinischen Alltag genauso reibungslos funktionieren wie die Messenger, die Fachkräfte privat kennen."

84 Prozent der Bevölkerung erwarten sichere Kommunikation 

Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland – 56 Prozent – ist besorgt darüber, dass etwa geopolitische Entwicklungen oder beispielsweise gezielte Sabotage an Stromnetzen, die medizinische Versorgung gefährden könnten, 13 Prozent davon sehr besorgt. Gleichzeitig fühlen sich 49 Prozent nicht ausreichend darüber informiert, wie ihre persönlichen Gesundheitsdaten in Praxis oder Klinik gespeichert, weitergegeben und kommuniziert werden. 48 Prozent machen sich Sorgen, im Ernstfall nicht rechtzeitig oder korrekt behandelt zu werden.

84 Prozent der Patient*innen setzen voraus, dass ihre Praxis oder Klinik ausschließlich sichere und datenschutzkonforme Kommunikationslösungen nutzt. Im Ernstfall befürchten sie vor allem Verzögerungen bei Terminen, Diagnosen oder Behandlungen (44 Prozent), eine zeitweise Nichterreichbarkeit (43 Prozent) und den Ausfall geplanter Eingriffe (40 Prozent). 56 Prozent fordern klare gesetzliche Vorgaben zur Notfallkommunikation, 40 Prozent den Nachweis zertifizierter Kommunikationslösungen. Wenn ihre eigenen Gesundheitsdaten über einen allgemeinen Messenger wie WhatsApp weitergegeben würden, würden 26 Prozent ihre Ärztin oder ihren Arzt direkt darauf ansprechen. 13 Prozent würden die Praxis oder Klinik wechseln.

Klinikärzt*innen und Praxisärzt*innen sagen: Eine Übung wäre sinnvoll

36 Prozent der Klinikärzt*innen kennen den Krankenhausalarm- und Einsatzplan (KAEP) ihrer Einrichtung und wurden dazu geschult. 17 Prozent wurden nie informiert, 7 Prozent sagen: Einen solchen Plan gibt es nicht.

In Praxen verfügen 24 Prozent über einen schriftlichen Notfallplan, der dem gesamten Team bekannt ist. Bei 34 Prozent gibt es keinen dokumentierten Plan – das Team schätzt sich jedoch als handlungsfähig ein. 27 Prozent würden im Ernstfall improvisieren. 35 Prozent der Klinikärzt*innen und 21 Prozent der Praxisärzt*innen haben in den letzten zwei Jahren eine Simulation zum Ausfall digitaler Systeme durchgeführt, beispielsweise durch einen Stromausfall. 45 Prozent der Klinikärzt*innen und 56 Prozent der Praxisärzt*innen sagen: Eine Übung wäre sinnvoll.

Dr. Heidemarie Haeske-Seeberg, Vorsitzende Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS): „Patientensicherheit beginnt bei der Frage, ob die richtige Information zur richtigen Zeit am richtigen Ort ankommt. Das gilt nicht nur für Notfälle. Falsch, zu spät oder unvollständig übermittelte Informationen bergen erhebliche Risiken für die Patientensicherheit. Tools, die rechtzeitig korrekte Informationen insbesondere an den Übergängen zwischen den verschiedenen Versorgungseinrichtungen und -ebenen übermitteln, tragen deshalb zur Verbesserung der Patientensicherheit bei."

Die Studie zeigt, was benötigt wird: zertifizierte, sichere Kommunikationslösungen, die auf privaten Endgeräten funktionieren und auch bei einem möglichen Infrastrukturausfall verfügbar sind, z. B. bei einem mehrstündigen Stromausfall; Notfallpläne, die dem gesamten Team bekannt und geübt sind; institutionelle Regelungen, die definieren, welche Kanäle erlaubt sind. Die Bereitschaft dazu ist unter Gesundheitsfachkräften bereits vorhanden.

Das seit März 2026 geltende KRITIS-Dachgesetz stärkt die Anforderungen an Schutz und Resilienz kritischer Infrastrukturen, darunter im Gesundheitssektor. Parallel wird auf Bundesebene an weiteren Regelungen zur Gesundheitssicherheit und Krisenvorsorge gearbeitet.

Über die Studie

Durchgeführt von YouGov im Auftrag von Doctolib, Feldzeit 9. bis 21. Juli 2026. Befragt wurden 220 approbierte Ärztinnen und Ärzte in Kliniken, 208 approbierte Ärztinnen und Ärzte in Praxen und MVZ sowie 1.053 Personen ab 18 Jahren in Deutschland (bevölkerungsrepräsentativ nach Alter, Geschlecht und Region). Vor der Veröffentlichung gibt YouGov die Gelegenheit, Daten und Mitteilungen freizugeben. Quelle aller Prozentzahlen: YouGov-Umfrage im Auftrag von Doctolib, 2026.

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