02.10.2026 • Top-Themen

Mikrobiologie der Zukunft - warum Technologie allein nicht ausreicht

Vom reinen Diagnostikdienstleister zum integralen klinischen Partner – moderne Mikrobiologie ist vernetzt und interprofessionell, darin liegt eine große Chance.

Dr. Jana Schroeder, Stiftung Mathias-Spital Rheine

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Dr. Jana Schroeder
© privat

Die Mikrobiologie erlebt derzeit den größten Wandel seit Einführung moderner Kulturverfahren. Molekulare Diagnostik, Sequenzierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz verändern die Geschwindigkeit und Tiefe mikrobiologischer Diagnostik grundlegend. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an die Versorgung: Schwer kranke Patienten sollen schneller die richtige Therapie erhalten, Antibiotika gezielter eingesetzt und Resistenzen wirksamer begrenzt werden. Die Frage ist deshalb längst nicht mehr, ob sich die Mikrobiologie verändert - sondern wie wir diese Entwicklung sinnvoll gestalten. Dabei liegt der Schlüssel nicht allein in neuen Technologien. Entscheidend wird sein, wie gut wir Diagnostik, klinische Expertise und interprofessionelle Zusammenarbeit miteinander verbinden.

Zeit wird zum entscheidenden Faktor

Die klassische mikrobiologische Kultur bleibt auch künftig unverzichtbar. Sie ermöglicht den Erregernachweis und die phänotypische Resistenztestung und bildet damit weiterhin den Goldstandard vieler Fragestellungen. Gleichzeitig stößt sie dort an Grenzen, wo Therapieentscheidungen innerhalb weniger Stunden getroffen werden müssen. Molekulare Verfahren können relevante Erreger und ausgewählte Resistenzmechanismen bereits sehr früh identifizieren. Der Rapid Antimicrobial Susceptibility Testing verkürzt die Zeit bis zur Resistenzbestimmung erheblich. Auch die genomische Sequenzierung entwickelt sich zunehmend von einer Spezialanwendung zu einem klinisch nutzbaren Instrument, beispielsweise in der Ausbruchsanalytik oder bei komplexen Infektionen. Diese Entwicklungen verändern die klinische Versorgung spürbar. Die eigentliche Innovation besteht jedoch nicht darin, dass Befunde schneller verfügbar sind, sondern dass therapeutische Entscheidungen früher und fundierter getroffen werden können.

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