02.07.2026 • News

Adipositas: Versorgungslücke beim Gewichtsmanagement?

Sind Menschen mit Übergewicht und Adipositas ausreichend versorgt und über die Behandlungsmöglichkeiten informiert? Eine Studie der Medizinischen Fakultät Mannheim zum Gewichtsmanagement bei Menschen mit Übergewicht offenbart eine deutliche Lücke zwischen der empfohlenen Versorgung und dem, was die Betroffenen angeben.

Der Hausarzt ist ein wichtiger Ansprechpartner, wenn es um das...
Der Hausarzt ist ein wichtiger Ansprechpartner, wenn es um das Gewichtsmanagement geht.
© ECPO

Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland lebt mit Übergewicht oder Adipositas. Sie leben damit mit einem erhöhten Risiko für zahlreiche chronische Erkrankungen. Um Gewicht erfolgreich zu reduzieren, gibt es verschiedene Möglichkeiten und Behandlungsangebote: Die aktuellen Leitlinien für die Behandlung von Adipositas empfehlen im ersten Schritt strukturierte, multimodale Verhaltensprogramme, die sich aus den Bausteinen Ernährung, Bewegung und Verhaltensänderungen zusammensetzen. Als zusätzliche Optionen können Medikamente in Betracht kommen und bei starkem Übergewicht auch eine (bariatrische) Operation, durch die die Nahrungsaufnahme eingeschränkt wird.

Kostenübernahme durch Krankenkassen uneinheitlich

Der Zugang zu diesen Behandlungen scheint jedoch in der Praxis nicht ganz einfach. Die Kostenübernahme durch die Krankenkassen ist uneinheitlich. Und offenbar wissen viele Menschen auch gar nicht, welche Arten von Unterstützung ihnen überhaupt zur Verfügung stehen. So die Ergebnisse einer Studie, die Wissenschaftler der Abteilung Public Health, Sozial- und Präventivmedizin der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg (Leitung: Prof. Dr. Falko Sniehotta) durchgeführt haben.

Um zu erfahren, wie Gewichtsmanagement in Deutschland tatsächlich umgesetzt wird und wo mögliche Versorgungslücken bestehen, führten sie eine Online-Befragung von mehr als 2.000 Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas durch. Dabei zeigte sich eine deutliche Lücke zwischen der empfohlenen Behandlung von Übergewicht und der Inanspruchnahme dieser Leistungen durch die Betroffenen.

Drei von vier ohne professionelle Unterstützung

Die Teilnehmer an der Studie wurden gefragt, welche Angebote zur Unterstützung beim Gewichtsmanagement sie kennen, welche sie bereits genutzt haben, welche sie künftig ausprobieren würden und welche Hindernisse einer Nutzung entgegenstehen.

Die Ergebnisse sind ernüchternd: Zwar haben rund 85 % der Befragten bereits versucht, ihr Gewicht zu reduzieren – davon allerdings drei von vier ohne professionelle Unterstützung. Trotz deutlichen Übergewichts hatte weniger als die Hälfte der Befragten ein Gespräch mit ihrem Hausarzt über Optionen des Gewichtsmanagements. Und nur 7,8 % der Befragten hatten bereits an einem verhaltensbasierten Programm, einschließlich digitaler Gesundheitsanwendungen („DiGAs“), teilgenommen. Lediglich 6,2 % der Befragten hatten Medikamente zur Behandlung von Adipositas genutzt.

Bei der Befragung zeigte sich, dass Bekanntheit und Interesse sich deutlich zwischen den verschiedenen Behandlungsoptionen unterscheiden. Besonders auffällig war dies bei digitalen Gesundheitsanwendungen („DiGAs“). Obwohl sie die einzige Behandlungsoption sind, deren Kosten von den Krankenkassen regelmäßig übernommen werden, kannten nur 19% der Teilnehmenden diese Angebote. Aber mehr als doppelt so viele (39,1 %) zeigten bei der Befragung Interesse daran, eine solche Anwendung auszuprobieren.

Zu den am häufigsten genannten Hindernissen für die Nutzung der verschiedenen Behandlungsangebote gehörten mangelnde Kenntnis der verfügbaren Optionen, Zweifel an deren langfristiger Wirksamkeit sowie die Einschätzung, Unterstützung noch nicht dringend genug zu benötigen.

„Um den wachsenden Adipositasraten wirksam zu begegnen, müssen künftig sowohl die Verfügbarkeit als auch der Zugang zu evidenzbasierten Behandlungsangeboten verbessert und die Vermittlung der Betroffenen in entsprechende Programme gestärkt werden“, so das Fazit der Erstautorin der Studie, Dr. Laura Kudlek.

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