Bluttests erkennen fortgeschrittene Leberfibrose
Die internationale LITMUS-Studie vergleicht 30 Bluttests zur exakten Diagnose der Fettlebererkrankungen. Mehrere Bluttests haben das Potenzial, eine fortgeschrittene Leberfibrose und eine Leberzirrhose zuverlässig und frühzeitig zu erkennen, zeigt die Studie.

Im bislang größten und umfassendsten Vergleich dieser Art testete das Forscherteam mehr als 30 Biomarker und Testkombinationen, um eine nicht-invasive Diagnosemöglichkeit der metabolisch bedingten Fettlebererkrankungen zu finden. Dabei erwies sich der Biomarker Thrombospondin-2 (TSP2), der vom Institut für Translationale Immunologie (TIM) der Universitätsmedizin Mainz entwickelt und validiert wurde, als vielversprechender Einzelmarker.
Die zuverlässige Beurteilung von der metabolisch bedingten Fettlebererkrankung (MASLD, metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease) ist entscheidend, um das Krankheitsstadium einzuschätzen, geeignete Behandlungen einzuleiten und den Verlauf einer Therapie zu kontrollieren. Bislang ist dazu häufig eine Leberbiopsie nötig. Bei diesem invasiven Verfahren wird eine Gewebeprobe entnommen und untersucht. Neu entwickelte Bluttests haben das Potenzial, künftig eine alternative Möglichkeit zu bieten, den Zustand der Leber nicht-invasiv und preiswert in der breiten Bevölkerung zu beurteilen.
Die LITMUS (Liver Investigation: Testing Marker Utility in Steatohepatitis)-Studie liefert hierfür eine umfassende Datengrundlage: Sie verglich 30 einzelne Biomarker und Testkombinationen für die Diagnose der MASLD und ihrer fortgeschrittenen Erkrankung, der metabolisch bedingten Steatohepatitis (MASH, metabolic dysfunction-associated steatohepatitis). Dabei wurden die Daten von 1.590 Patienten mit MASLD, die durch Gewebeuntersuchung exakt diagnostiziert worden waren, ausgewertet. Die Teilnehmer wurden zwischen 2018 und 2023 in 37 Leberzentren in 13 Ländern Europas und der USA aufgenommen.
Während für die Diagnose früher Stadien einer Fettlebererkrankung ohne relevante Narbenbildung (Fibrosierung) keiner der Tests den in der Studie vorab festgelegten Schwellenwert erreichte, schnitten mehrere Verfahren bei der Diagnose von fortgeschrittener Leberfibrose und Leberzirrhose sehr gut ab. Neben aufwendigeren Kombinationen, beispielsweise mit einem speziellen Ultraschallverfahren (Elastographie), zeigte insbesondere der Einzelmarker Thrombospondin-2 (TSP2) vielversprechende Ergebnisse. Er zählt zu den aussichtsreichen blutbasierten Markern zur Beurteilung von fortgeschrittener Leberfibrose und einer Entzündung mit Leberfibrose (MASH mit Risiko). TSP2 ist ein Bindegewebsprotein, dessen Konzentration im Blut verlässliche Hinweise auf fibrotische Veränderungen des Lebergewebes mit dem Risko einer Zirrhose-Entwicklung gibt.
Universitätsmedizin Mainz an Entwicklung und Validierung neuer Biomarker beteiligt
An der Entwicklung und Untersuchung dieses neuen Serum-Biomarkers TSP2 waren Prof. Dr. Dr. Detlef Schuppan, Dr. Sudha Myneni und Dr. Rambabu Surabattula vom Institut für Translationale Immunologie (TIM) der Universitätsmedizin Mainz sowie Prof. Dr. Jörn Schattenberg, zum Zeitpunkt der Studie Leiter des Bereichs metabolische Lebererkrankungen an der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik, maßgeblich beteiligt. „Der Marker TSP2 zeigte in der LITMUS-Studie ein relevantes Potenzial als einzelner, im Labor messbarer Biomarker. Im Vergleich zu komplexen Kombinationstests könnte ein solcher Einzelmarker perspektivisch einfacher in bestehende Laborabläufe integriert werden“, erklärt Prof. Dr. Dr. Detlef Schuppan, Direktor des TIM. Das TIM und die Universitätsmedizin Mainz haben bereits zuvor gemeinsam zwei internationale Biomarkerpatente gesichert, darunter für TSP2 und für TSP2 gemeinsam mit zwei bis drei neuen Fibrosemmarkern zur Beurteilung der Leberfibrose beziehungsweise ihrer Progression.
An der Forschungsarbeit war darüber hinaus Prof. Dr. Beate Straub, Geschäftsführende Oberärztin am Institut für Pathologie der Universitätsmedizin Mainz, beteiligt. Die Ergebnisse der LITMUS-Studie liefern einen wichtigen Beitrag zur vergleichenden Bewertung von Diagnoseverfahren für Fettlebererkrankungen in einer großen internationalen Gruppe von Patienten.
Über das LITMUS-Konsortium
Das LITMUS-Konsortium vereint akademische Forschungszentren sowie Partner aus der Pharma- und Biotechnologiebranche. Das EU-Projekt wurde im Rahmen der Innovative Medicines Initiative 2 Joint Undertaking (IMI2 JU) mit 34 Mio. Euro gefördert. Ziel des Projekts war es, verlässliche nicht-invasive Verfahren zu entwickeln, die sowohl die medizinische Versorgung von Patienten als auch die Planung klinischer Studien verbessern können.











