23.05.2026 • News

DGPK: Preisverleihung an Ärzte und Wissenschaftler

Im Rahmen der 58.Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie in Köln konnten herausragende wissenschaftliche Leistungen gewürdigt werden.

Photo
© Getty Images 183177695

Die 58. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie in Köln 2026 folgte verschiedenen Highlight-Themen zu neuesten Diagnoseverfahren und Therapien bei angeborenen Herzfehlern, zu notwendigen Ansätzen in der Behandlung und Begleitung von Menschen mit potenziell lebensverkürzenden Herzerkrankungen sowie zu aktuellen Behandlungskonzepten bei Herzinsuffizienz und Erkrankungen mit Lungenhochdruck mit besonderem Fokus auf erwachsene Patient*innen.

Gerd-Killian Projektförderung

Die Gerd-Killian Projektförderung der Deutschen Herzstiftung in Höhe von 60.000 € ging an Herrn Dr. Matthias Möller für das Projekt „Prävention durch Prädiktion von ECMO-Therapie nach pädiatrischer Herzchirurgie: Frühzeitige Identifikation von Hochrisikosituationen mittels Deep Learning“.

Auf kinderherzchirurgischen Intensivstationen gibt es postoperativ seltene, aber lebensbedrohliche Situationen, in denen eine extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) durch vorrübergehende Kreislaufunterstützung lebensrettend sein kann. In dieser Phase werden kontinuierlich, über Stunden oder Tage hinweg gleichzeitig Daten wie Herzfrequenz, Blut-drucks, Beatmungsparameter und Laborbefunde erhoben. Kritische Entwicklungen können bereits nur nuanciert auftreten ohne dass sich eine klinische Verschlechterung bereits zeigt. Ein KI-basiertes System soll die genannten Patientendaten fortlaufend analysieren und nach Musterkombinationen suchen, die typischerweise auftreten, noch bevor ein Kind schwere Herz-Kreislauf-Probleme bekommt. Die Datenanalyse ist zum jetzigen Zeitpunkt noch retrospektiv. Momentan ist es möglich, schwerwiegende Verläufe bis zu 8 Stunden im Voraus al-lein über die gesammelten Daten zu erkennen. Ein späteres Modell soll dann aktuelle Daten analysieren, also prospektiv arbeiten. Es geht dabei um eine genauere Risikoeinschätzung und Unterstützung der ärztlichen Entscheidungsfindung zum Einsatz der ECMO sobald sich ein Risikomuster entwickelt.

DGPK-Forschungsförderung

Der Preis der DGPK zur Forschungsförderung in Höhe von 15000€ ging an Frau Dr. Anna Mi-chaelis (Kinderkardiologie des Herzzentrums Leipzig) zur Unterstützung des Projektes „Tele-Echokardiographie mittels Smart Glasses – Wenn die kinderkardiologische Expertise Klinik-grenzen überschreitet“.

Die Tele-Echokardiographie angeborener Herzfehler mittels Smart-Glass-basierter Live-Übertragung eröffnet neue Möglichkeiten einer raschen Diagnosestellung und gezielten Therapieplanung, insbesondere bei kritisch kranken Neugeborenen. Ziel dieser multizentrischen prospektiven Pilotstudie ist es, die Machbarkeit einer telemedizinisch unterstützten Diagnostik zu evaluieren. Dabei sollen erfahrene Kinderkardiolog*innen des Herzzentrums Leipzig, Ärzt*innen aus peripheren Kliniken unter Verwendung von Smart Glasses während der Echokardiographie anleiten, die Diagnose stellen und therapeutische Schlüsse ziehen. Untersucht werden insbesondere die diagnostische Zuverlässigkeit, die Umsetzbarkeit sowie der Einfluss auf therapeutische Entscheidungen.

DGPK-Wissenschaftspreis

Der mit 5.000 € dotierte Wissenschaftspreis wurde an Frau Dr. Anja Hanser (Pädiatrische Kardiologie Universitätsklinik Tübingen) verliehen. Titel der 2024 in Scientific Reports veröffentlichten Arbeit: „Feasibility, classification and potential clinical impact of noninvasive deline-ation of abdominal lymphatic vessels in patients following TCPC with T2 weighted MRI”.

Die prospektiv ausgelegte Studie (n=33; Median 19.8 J, (14.6;30.2) befasste sich mit der Visualisierung und Klassifizierung der abdominalen Lymphgefäße (kontrastmittelfreie Darstellung im MRT mittels einer stark T2-gewichteten 3D-FSE-Sequenz) und deren Korrelation mit dem Outcome nach Fontan-Operation (total cavopulmonale Anastomose). Es zeigte sich, dass Patienten bei einem Follow-up von > 10 Jahren mit höhergradigen Veränderungen der abdominalen Lymphgefäße jünger zum Zeitpunkt der Glenn-Operation und jünger zum Zeitpunkt der MRT-Untersuchung waren, zudem wiesen sie häufiger anamnestisch einen Chylothorax und niedrigere ImmunglobulinG-Werte sowie anamnestisch oder klinisch eine Eiweißverlustenteropathie auf. Um den Verlauf der Veränderungen im Lymphsystem zu klären, sind Studien mit größeren Patientenzahlen erforderlich; die morphologischen Veränderungen könnten mit dem Auftreten klinischer Anzeichen eines Versagens des Fontan-Kreislaufs korreliert werden

Team-PHenomenal Hope Forschungspreis, verliehen durch den gemeinnützigen Verein Team PHenomenal Hope Germany und die DGPK, ging an Frau Dr. Sulaima Albinni (Univ. Klinik, Pädiatrische Kardiologie Kinderherzzentrum Wien) für die Arbeit mit dem Titel: Mid and Long-term outcomes of children with advanced pulmonary hypertensive vascular dise-ase treated with Macitentan- a single center experience.

Macitentan, ein Endothelinrezeptor-Antagonist der zweiten Generation, zeigt bei Erwachsenen positive Effekte auf den Krankheitsverlauf; pädiatrische Erfahrungen sind hierzu begrenzt. In dieser prospektiven, monozentrischen Beobachtungsstudie wurde die mittelfristige Wirksamkeit von Macitentan bei Kindern mit PAH untersucht. (24 Patienten, 10 davon mit PAH bei angeborenem Herzfehler (CHD). Mittleres Alter 10,7 ± 7,6 Jahre, mediane Beobachtungsdauer 36 Monate. 20 von 24 Patienten (83 %) erhielten zusätzlich pulmonale Vasodilatatoren wie Sildenafil und/oder Prostazyklin. Die Wirksamkeit wurde mittels Echokardiographie, BNP-Werten und dem 6-Minuten-Gehtest (6MWT) nach 3 Monaten und nach einem Jahr bestimmt. In der gesamten Kohorte zeigte sich nach 3 Monaten eine signifikante Verbesserung der echokardiographischen Messwerte, während nach einem Jahr nur noch Veränderungen von PAAT und VTI signifikant waren, nicht aber der Abfall der BNP-Werte. Die Subgruppenanalyse bei nicht-CHD-PAH-Patienten zeigte eine signifikante Verbesserung der BNP-Werte sowie der Echoparameter. Nach einem Jahr waren diese Verbesserungen jedoch nur noch für VTI und PAAT signifikant. Bei CHD-PAH-Patienten zeigte keiner der Parameter eine signifikante Veränderung. Macitentan war mit günstigen mittelfristigen Effekten assoziiert, zeigte jedoch langfristig keine anhaltende Verbesserung.

Hans-Carlo Kallfelz Publikationspreis

Mit dem Publikationspreis wurde Frau Emily Schütte (Deutsches Herzzentrum der Charité Klinik für Angeborene Herzfehler – Kinderkardiologie) ausgezeichnet für die Publikation „Im-pact of the COVID-19 Pandemic on the Everyday Life and Healthcare of Patients with Conge-nital Heart Defects: Insights from Pandemic Onset to One Year Later“ in Clin Med. 2025. (Gemeinsames Forschungsprojekt der Klinik für Angeborene Herzfehler des Deutschen Herz-zentrums der Charité und des Nationalen Registers für Angeborene Herzfehler). Ziel war es, die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf Menschen mit angeborenem Herzfehler zu untersuchen – sowohl hinsichtlich der medizinischen Versorgung als auch psychosozialer Belastungen bei einem einjährige Erhebungszeitraum. Insbesondere in der frühen Phase der Pandemie kam es zu einer reduzierten Inanspruchnahme medizinischer Leistungen, mit einer teilweisen Reetablierung im Verlauf. Parallel zeigte sich eine Zunahme wahrgenommener Gesundheitsrisiken sowie psychosozialer Belastungen -dieses in Abhängigkeit von Ge-schlecht und Schweregrad des Herzfehlers. Insgesamt liefern die Befunde evidenzbasierte Hinweise auf bestehende Versorgungsdefizite und unterstreichen die Relevanz einer zielgruppenspezifischen, integrativen Versorgungs- und Kommunikationsstrategie in zukünftigen gesundheitlichen Krisensituationen.

Anbieter

Logo:

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene Herzfehler (DGPK)

Grafenberger Allee 100
40237 Düsseldorf
Deutschland

Kontakt zum Anbieter







DMEA

Alles rund um die DMEA
Insights Digital Health

Alles rund um die DMEA

Lesen Sie inspirierende Stories, exklusive Interviews und die neuesten Trends aus der digitalen Gesundheitswelt.

Digitale Identität

Digitale Identität
Microsite

Digitale Identität

Lesen Sie Fachbeiträge, News und Interviews zum Thema

Meist gelesen