ERC Advanced Grant für Andreas Greinacher
Prof. Dr. Andreas Greinacher, Seniorprofessor an der Universitätsmedizin Greifswald, erhält einen ERC Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC).

Mit der Förderung von 2,5 Millionen Euro über fünf Jahre wird das Forschungsprojekt PROTECT (Prevent and Bypass: A Vision to Protect Blood Cells from Adverse Immune Responses) unterstützt. Ziel des Projekts ist es, neue Strategien zu entwickeln, um gefährliche Immunreaktionen gegen Blutzellen zu verhindern oder ihre Folgen zu umgehen.
„Die Bewilligung dieses ERC Advanced Grants ist ein herausragender Erfolg für Prof. Greinacher, sein Team und die gesamte Universitätsmedizin Greifswald. Für die Forschung in Greifswald ist dies ein außergewöhnlicher Erfolg mit großer Strahlkraft weit über Mecklenburg-Vorpommern hinaus“, betonte Prof. Dr. Karlhans Endlich, Wissenschaftlicher Vorstand der Universitätsmedizin Greifswald.
Der ERC Advanced Grant zählt zu den renommiertesten Förderungen für etablierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Europa. In der aktuellen Ausschreibungsrunde wurden europaweit mehr als 3.300 Anträge eingereicht; weniger als zehn Prozent der Projekte werden gefördert.
Zwei Forschungsansätze mit großem Potenzial
Im Mittelpunkt von PROTECT stehen zwei eng miteinander verbundene Forschungsansätze. Im Projektteil PREVENT untersucht das Team die Mechanismen anti-PF4-vermittelter Immunreaktionen. Dazu gehören die Vakzin-induzierte immunthrombotische Thrombozytopenie (VITT), die Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT) sowie weitere verwandte Erkrankungen. Ziel ist es, die zugrunde liegenden molekularen Mechanismen dieser Krankheitsbilder besser zu verstehen und Ansätze zu entwickeln, um solche schweren Immunreaktionen künftig zu verhindern oder ihre Folgen zu begrenzen.
Internationale Aufmerksamkeit erhielt die Arbeitsgruppe von Andreas Greinacher während der COVID-19-Pandemie durch ihre Arbeiten zu VITT. Die Greifswalder Forschenden beschrieben das Krankheitsbild erstmals und trugen wesentlich dazu bei, die zugrunde liegenden immunologischen Mechanismen aufzuklären. Die daraus entwickelten diagnostischen Verfahren und Behandlungskonzepte fanden weltweit Anwendung.
Der zweite Projektteil BYPASS verfolgt einen neuartigen Ansatz in der Transfusionsmedizin. Statt nach seltenen kompatiblen Blutspendern zu suchen, sollen Oberflächenantigene direkt von Spenderblutzellen entfernt werden. Ziel ist es, Blutzellen gezielt so zu verändern, dass sie auch für Patientinnen und Patienten mit seltenen oder komplexen Antikörperprofilen besser verträglich werden. Langfristig könnte dies die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit komplexen Antikörperprofilen grundlegend erleichtern und einen Paradigmenwechsel in der Transfusionsmedizin einleiten.
„PROTECT verbindet grundlegende immunologische Forschung mit konkreten klinischen Anwendungen. Unser Ziel ist es, Mechanismen schwerer Immunreaktionen besser zu verstehen und daraus neue Strategien für Prävention und Therapie zu entwickeln“, sagte Andreas Greinacher.
Greinacher forscht seit mehr als drei Jahrzehnten auf den Gebieten Thrombose, Immunhämatologie und Transfusionsmedizin. Auch nach seinem Ausscheiden aus der regulären Professur setzt er seine Forschung als Seniorprofessor an der Universitätsmedizin Greifswald fort.
Mit den Fördermitteln wird an der Universitätsmedizin Greifswald ein interdisziplinäres Forschungsteam aufgebaut. „Der ERC Grant kann dabei auf langjährige Forschungsarbeiten und internationale Kooperationen am Institut für Transfusionsmedizin und der Unimedizin Greifswald anknüpfen“, betonte Prof. Dr. Karlhans Endlich. „Davon profitieren nicht nur die beteiligten Forschenden, sondern langfristig der gesamte Wissenschaftsstandort Greifswald.“










