31.03.2026 • News

Gezielte Behandlung der akuten Lungenembolie

Eine Studie der Universitätsmedizin Mainz zeigt, dass Risikopatienten mit akuter Lungenembolie von einer kathetergestützten, ultraschallunterstützten Therapie profitieren. Diese Methode reduziert Sterblichkeit und schwere Komplikationen im Vergleich zur reinen Behandlung mit Blutverdünnern um 61 %.

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Prof. Dr. Stavros Konstantinides, Ärztlicher Direktor des Centrums für Thrombose und Hämostase (CTH) der Universitätsmedizin Mainz
© Universitätsmedizin Mainz

Risikopatienten mit akuter Lungenembolie können von einer gezielten ultraschallunterstützten, kathetergesteuerten Therapie profitieren. Das zeigt eine Studie unter wissenschaftlicher Leitung der Universitätsmedizin Mainz, die die Wirksamkeit eines Verfahrens untersucht hat, bei dem ein thrombolytisches Medikament über einen Katheter direkt in die Lungenarterien verabreicht und das Gerinnsel mit Ultraschallenergie behandelt wird. Im Vergleich zur Standardtherapie mit blutverdünnenden Medikamenten allein waren die Sterblichkeit oder ein lebensbedrohlicher Kreislaufeinbruch dabei um 61% geringer. Die Studienergebnisse wurden im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Eine akute Lungenembolie entsteht, wenn ein Blutgerinnsel ein oder mehrere Gefäße in der Lunge verstopft. Bei Patienten mit mittlerem oder hohem Risiko kann die Verstopfung die Fähigkeit des Herzens, Blut durch die Lunge zu pumpen, so stark beeinträchtigen, dass sie lebensbedrohlich ist. Etwa 15% der Betroffenen sterben an den Folgen der akuten Lungenembolie. Durch blutgerinnselauflösende Medikamente, -Thrombolytika, können Gefäßverschlüsse wirksam aufgelöst werden. Allerdings erhöhen sie das Risiko für schwere Blutungen, insbesondere im Gehirn. Deshalb werden sie bisher in der Regel nur in den schwersten Fällen eingesetzt.

Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Stavros Konstantinides, Ärztlicher Direktor des Centrums für Thrombose und Hämostase (CTH) der Universitätsmedizin Mainz, hat in der HI-PEITHO (Ultrasound-facilitated, Catheter-directed, Thrombolysis in Intermediate-high Risk Pulmonary Embolism)-Studie die klinische Wirksamkeit und Sicherheit einer alternativen Behandlungsmethode untersucht und mit der bisherigen Standardtherapie der akuten Lungenembolie verglichen.

Die untersuchte Methode setzt gezielt an: Ein dünner Schlauch, der Katheter, wird über eine Vene in der Leiste bis in die Lunge geführt. Dadurch kann das thrombolytische Medikament direkt ins Blutgerinnsel abgegeben werden. Zusätzlich wird bei dem Verfahren Ultraschallenergie eingesetzt, die den Abbau des Gerinnselns beschleunigt. Dadurch wird die Behandlungszeit reduziert und die notwendige Thrombolytika-Dosis gesenkt.

„Die HI-PEITHO-Studie ist die bisher größte und erste ihrer Art auf dem Gebiet der Lungenembolie. Sie zeigt, dass ein Kathetereingriff wirksam sein kann und die Prognose für bestimmte Patienten mit schwerer Lungenembolie bei einem niedrigen Risiko für Blutungskomplikationen verbessern kann“, sagt Prof. Konstantinides. An der multizentrischen Studie nahmen 544 erwachsene Patienten mit akuter Lungenembolie und mittlerem bis hohem Komplikationsrisiko aus Deutschland, sieben weiteren europäischen Ländern und den USA teil. Während eine Gruppe die ultraschallgestützte katheterbasierte Thrombolyse sowie zusätzlich die Standardtherapie mit blutverdünnenden Medikamenten, sogenannten Antikoagulanzien, erhielt, wurde die Kontrollgruppe mit Antikoagulanzien allein behandelt.

Innerhalb der ersten sieben Tage nach der Behandlung lag die Sterblichkeit oder ein lebensbedrohlicher Herz-Kreislaufkollaps in der Katheter-Gruppe bei 4 Prozent und in der Kontrollgruppe bei 10,3 Prozent. Das entspricht einer signifikanten Senkung des sogenannten primären Endpunktes der Studie um 61 Prozent nach ultraschallunterstützter und kathetergesteuerter Behandlung. Schwere Komplikationen traten insgesamt selten auf und Hirnblutungen wurden in keiner der Gruppen beobachtet

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