Hochqualifizierte Pflegefachkräfte müssen in IT-Entscheidungen eingebunden werden
Veraltete Systeme verschwenden die Ressourcen.
Michaela Hansen, examinierte Pflegefachperson und Clinical Workflow Specialist International bei Imprivata

Die Pflege akademisiert sich, doch die IT-Landschaft deutscher Kliniken hält nicht Schritt. Studiengänge wie Digital and Public Health an der Hochschule München bilden Pflegefachpersonen für die Arbeit an der Schnittstelle zwischen Gesundheit und Informatik, Maschinenbau sowie Elektrotechnik aus. Das neue Pflegekompetenzgesetz erweitert zudem die Verantwortung der Profession. Daraus folgt: Wer mehr weiß und kann und mehr Verantwortung trägt, muss auch mitentscheiden dürfen.
Akademisierung ohne definierten Handlungsrahmen
Der akademische Abschluss zur Advanced Practice Nurse bleibt in dieser Hinsicht in der Praxis bislang folgenlos, solange der rechtliche Rahmen fehlt: Anders als in vielen anderen Gesundheitsberufen ist der sogenannte Scope of Practice, der berufsrechtliche Befugnisumfang, für Pflegefachpersonal mit Bachelor und Master-Abschlüssen in Deutschland noch nicht einheitlich geregelt. Die Charité hat daraus beispielsweise Konsequenzen gezogen und einen eigenen Scope of Practice entwickelt, der den rechtlichen Rahmen für Absolventinnen und Absolventen der Bachelor-Studiengänge festlegt – ein Modell für die Weiterentwicklung bis zum Managementniveau. Auch ohne einheitlichen Scope of Practice zeigen sich bereits Resultate der umfassenderen akademischen Ausbildung: So gibt es erfreulicherweise in Deutschland bereits zwei Chief Nursing Informatics Officers (CNIO).
Digitalisierung braucht das Wissen der Endanwender
Digitale Architektur funktioniert am Endpunkt nur, wenn die Endanwender von Anfang an eingebunden sind. Interprofessionelle Workshops und klinische Begehungen mit IT-Verantwortlichen und Endanwendern schaffen diese Verbindung – erst im direkten Austausch wird den IT-Verantwortlichen klar, wofür ihre Systeme gebraucht werden. Digitalisierung ist kein Selbstzweck: Wer hochwertige Fachkräfte ausbildet, muss ihnen passende Werkzeuge geben, statt sie auf veralteten Systemen sitzen zu lassen.
Veraltete IT verschwendet wertvolle Ressourcen
Kliniker gelten zu Recht als ungeduldig, wenn Technik nicht funktioniert. Für sie ist Technologie ein Werkzeugkoffer: Funktioniert ein Werkzeug nicht, wird sofort zum nächsten gegriffen, statt das kaputte zu reparieren oder an die Bedürfnisse anzupassen. Letzteres ist Aufgabe der IT, gemeinsam im Co-Design mit interprofessionellen Teams, die bei der Planung unterstützen, die Einführung vorbereiten und begleiten. Wird diese Aufgabe nicht ernst genommen, verschwendet man die Ressourcen, die zuvor mit hohem Aufwand ausgebildet wurden: Hochqualifizierte Pflegefachkräfte, die sich mühsam mit veralteter Technik herumschlagen, anstatt sich auf ihre eigentliche Aufgabe zu konzentrieren.
Eine durchdachte, gemeinsam mit klinischen Endanwendern konzipierte digitale Architektur ist deshalb keine Kür, sondern Voraussetzung. Sie spart Zeit, zeigt Wertschätzung und lenkt den Fokus zurück auf das, was Pflegefachpersonen gelernt haben. Nur so bleiben Kliniken als Arbeitgeber attraktiv und wirtschaftlich effizient, um das zu tun, wofür sie eigentlich da sind: den Menschen zu helfen. Neue Tools werden nur dann genutzt, wenn sie rund um die Uhr, also auch am Sonntagmorgen um drei Uhr funktionieren. Sonst werden sie nicht angewandt und das zu Recht. Der Fokus muss auf der schnellen und effizienten Patientenversorgung liegen. Das gelingt nur, wenn das Pflegepersonal von der Evaluation bis zur Implementierung neuer IT-Produkte eingebunden ist.











