Krebstherapie: Christoph Bock erhält ERC Advanced Grant
Christoph Bock, Principal Investigator am CeMM und Professor für Medizinische Informatik an der Medizinischen Universität Wien, wurde mit einem ERC Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) ausgezeichnet.

Das von der Europäischen Union mit 2,5 Millionen Euro geförderte Projekt Solid-CART verfolgt das Ziel, leistungsfähige und intelligente CAR-T-Zellen für die Therapie solider Tumoren zu entwickeln.
Christoph Bock zählt damit zu den wenigen Wissenschaftlern, die in direkter Abfolge einen ERC Starting Grant, einen ERC Consolidator Grant und einen ERC Advanced Grant eingeworben haben. Im Rahmen seiner bisherigen ERC-Grants entwickelte Bocks Forschungsgruppe bahnbrechende Technologien für genetische Screenings (darunter die CROP-seq-Methode für hochdimensionale CRISPR-Screens) und fortschrittliche computergestützte Methoden (darunter das CellWhisperer AI-System für die chatbasierte Analyse von Einzelzelldaten). Zuletzt nutzte das Team CRISPR-Screens als eine Art künstlicher Evolution, um CAR-T-Zellen wirksamer für die Behandlung von Blutkrebs zu machen. Die optimierten CAR-T-Zellen werden derzeit für klinische Tests vorbereitet.
Darauf aufbauend widmet sich der neue ERC Advanced Grant einer besonderen Herausforderung: CAR-T-Zellen für die Therapie von soliden Tumoren wirksam zu machen, obwohl diese die Immunantwort des Körpers unterdrücken können und sich oft nur schwer von wichtigen gesunden Zellen unterscheiden lassen.
Programmierte Zellen für die Krebstherapie
Bei der CAR-T-Zelltherapie werden körpereigene Immunzellen genetisch so verändert, dass sie Krebszellen erkennen und gezielt abtöten können. Diese umprogrammierten Zellen haben bei bestimmten Blutkrebserkrankungen bereits eine beeindruckende Wirksamkeit gezeigt. Gegen solide Tumore – zum Beispiel bei Lungenkrebs, Brustkrebs oder Darmkrebs – sind CAR-T-Zellen bislang jedoch kaum wirksam oder verursachen schwerste Nebenwirkungen.
Solide Tumore sind außergewöhnlich gut darin, sich vor dem Immunsystem zu schützen und bilden ein Umfeld, das angreifende Immunzellen schwächt. Hinzu kommt, dass den meisten soliden Tumoren eindeutige Marker fehlen, die sie klar von gesunden Zellen unterscheiden würden. Dadurch besteht ein hohes Risiko, dass CAR-T-Zellen neben Tumorzellen auch viele gesunde Zellen töten.
Das Projekt Solid-CART adressiert beide Herausforderungen. Einerseits soll mit CRISPR-Screens mit Maus-Tumormodellen, die über ein intaktes Immunsystem verfügen, nach genetischen Verstärkern der CAR-T-Zellfunktion gesucht werden. Andererseits ermöglichen Artificial Intelligence (AI) gestützte Verfahren zur Entwicklung regulatorischer DNA eine Art „Zwei-Faktor-Authentifizierung“ für CAR-T-Zellen. Damit soll ihre zerstörerische Wirkung auf den Tumor beschränkt und schwerwiegende Nebenwirkungen in anderen Organen reduziert werden.
Biomedizinische Forschung mit klinischer Relevanz
Das Projekt konzentriert sich auf HER2-positive Lungen-, Brust- und Darm-Tumore. Diese zählen zu den häufigsten Todesursachen infolge von Krebs und stehen exemplarisch für die Herausforderungen der CAR-T-Zelltherapie bei soliden Tumoren. Obwohl diese Tumoren mit einem charakteristischen Protein (HER2) markiert sind, fehlt es den derzeit verfügbaren Anti-HER2-Therapien häufig an Durchschlagskraft, und aktuelle CAR-T-Zellen gegen HER2 greifen auch gesunde Zellen an und verursachen unakzeptable Nebenwirkungen.
Im Anschluss an die Entwicklung neuer Therapiekonzepte in Mausmodellen wird das Projekt Solid-CART die vielversprechendsten CAR-T-Zell-Designs an menschlichen Tumorzellen testen und auf die spätere Validierung in klinischen Studien vorbereiten. Die Weiterentwicklung der neuen CAR-T-Zelltherapien hin zur klinischen Anwendung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Antonia Müller, Professorin für Zelltherapie an der Medizinischen Universität Wien.
Exzellenz in der Grundlagenforschung
ERC Advanced Grants zählen zu den renommiertesten Förderprogrammen Europas. Sie werden an etablierte wissenschaftliche Führungspersönlichkeiten mit herausragender Erfolgsbilanz vergeben und unterstützen risikoreiche, potenziell bahnbrechende Forschung mit dem Potenzial, ganze Forschungsfelder zu verändern. Die Förderungen geben Forschenden die Freiheit und die langfristige Unterstützung, die notwendig sind, um einige der schwierigsten wissenschaftlichen Fragestellungen unserer Zeit zu bearbeiten.
Diese Auszeichnung unterstreicht die Stärke des CeMM in der biomedizinischen Grundlagenforschung und seine Mission, wissenschaftliche Entdeckungen in medizinischen Fortschritt zu übersetzen.










