Neuer Ansatz gegen aggressive Gehirntumore
Ein Forschungsteam aus sechs Universitätsmedizin-Standorten wird für einen innovativen Therapieansatz gegen das Glioblastom, einen besonders aggressiven Gehirntumor, mit dem Preis der Deutschen Hochschulmedizin 2026 ausgezeichnet.

In der GLORIA-Studie haben Wissenschaftler*innen der Universitätsmedizin Bonn, Essen, Leipzig, Mannheim, Münster und Tübingen den neuen Ansatz gemeinsam klinisch erprobt. Die Jury überzeugten die gelungene Verbindung von Grundlagenforschung und klinischer Anwendung sowie die herausragende standortübergreifende und interdisziplinäre Teamleistung.
Das Glioblastom stellt die Medizin weiterhin vor große Herausforderungen. Ein wichtiger Mechanismus beim Wiederauftreten des Tumors ist die rasche Wiederherstellung seiner Blutversorgung nach einer Bestrahlung. Hier setzt GLORIA an: Das Team kombiniert die Strahlentherapie mit einer gezielten Hemmung zweier unterschiedlicher Signalwege der Tumorblutversorgung. Untersucht wurde der Ansatz bei Patient*innen mit einem neu diagnostizierten, unvollständig entfernten Glioblastom, bei denen ein bestimmtes molekulares Tumormerkmal auf eine geringe Wirksamkeit der üblichen Chemotherapie hinweist.
Die besondere Stärke des Projekts liegt in der engen Verzahnung von Forschung und Krankenversorgung an den sechs universitätsmedizinischen Standorten. Beobachtungen aus der klinischen Studie wurden durch Untersuchungen von Blut- und Gewebeproben vertieft und zur Weiterentwicklung der Behandlung genutzt. Beteiligt waren Fachleute aus Strahlentherapie, Neuroonkologie, Neurochirurgie, Neuroradiologie und Neuropathologie. Die klinische Studienleitung liegt bei Professor Frank A. Giordano aus Mannheim, die translationale Leitung bei Privatdozent Julian P. Layer aus Bonn.
„GLORIA zeigt, was die enge Verbindung von Forschung und Krankenversorgung in der Universitätsmedizin ermöglicht“, so Prof. Martina Kadmon, Präsidentin des MFT. „Das Team hat Beobachtungen aus der klinischen Studie im Labor untersucht, einen Ausweichmechanismus des Tumors entschlüsselt und daraus einen erweiterten Behandlungsansatz entwickelt. Forschende unterschiedlicher Fachrichtungen haben dafür über sechs Standorte hinweg ihre Kompetenzen zusammengeführt. So wird aus dem gemeinsamen Verständnis der Erkrankung eine neue therapeutische Perspektive.“
In einer Erweiterungsgruppe erhielten sechs Patient*innen die Kombination aus Strahlentherapie und der gleichzeitigen Hemmung beider Signalwege. Die Behandlung war in dieser Gruppe gut verträglich; das mediane Gesamtüberleben betrug 19,9 Monate. Zwei der sechs behandelten Personen überlebten länger als zwei Jahre. Die Ergebnisse liefern erste vielversprechende Hinweise auf den Nutzen des Ansatzes. Eine randomisierte Phase-2/3-Folgestudie ist in Planung. Die bisherigen Studienergebnisse wurden in zwei Arbeiten im renommierten Fachjournal Nature Communications veröffentlicht.
„Die Aufgabe der Universitätsmedizin ist es, neue Wege für Patientinnen und Patienten zu erschließen – gerade auch bei Erkrankungen, für die es bislang nur begrenzte Behandlungsmöglichkeiten gibt. GLORIA zeigt, wie aus klinischen Beobachtungen und einem besseren Verständnis der Krankheitsmechanismen ein neuer Therapieansatz entstehen kann. Dafür braucht es das enge Zusammenspiel von Forschung und Krankenversorgung sowie die Zusammenarbeit über Fach- und Standortgrenzen hinweg“, betont Prof. Jens Scholz, Vorstandsvorsitzender des VUD.
Der Preis der Deutschen Hochschulmedizin wird vom Medizinischen Fakultätentag (MFT) und vom Verband der Universitätsklinika Deutschlands VUD vergeben. Er würdigt herausragende Teamleistungen in der universitätsmedizinischen Forschung, insbesondere die Innovation und Übertragung von Forschungsergebnissen in die Patientenversorgung sowie deren gesellschaftliche Bedeutung. Die Preisverleihung findet am 24. November 2026 im Rahmen des Tages der Hochschulmedizin in Berlin statt.











