Präoperative Nüchternheit neu gedacht
Das Klinikum Ernst von Bergmann setzt mit dem Projekt „Präoperative Nüchternheit – Trinken bis Abruf“ einen weiteren wichtigen Schritt für mehr Patientenkomfort und Patientensicherheit im Operationsbereich um.

Künftig erhalten Patientinnen und Patienten vor einer geplanten Operation eine von drei speziell entwickelten Informationskarten. Auf diesen können sie einfach und verständlich ablesen, bis wann sie noch essen und trinken dürfen.
Ziel des Projekts ist es, unnötig lange Nüchternzeiten zu vermeiden und gleichzeitig die Sicherheit während der Anästhesie zu gewährleisten. Viele Patientinnen und Patienten verzichten aus Unsicherheit bereits viele Stunden vor dem Eingriff auf Flüssigkeit und Nahrung. Zwar schützt ein leerer Magen vor möglichen Komplikationen während einer Narkose, jedoch kann eine unnötig lange Nahrungskarenz – insbesondere beim Trinken – ebenfalls gesundheitliche Nachteile mit sich bringen. Bisher galt die Empfehlung, sechs Stunden vor einem Eingriff keine feste Nahrung mehr zu sich zu nehmen und ab zwei Stunden vor Narkosebeginn auf Flüssigkeiten zu verzichten.
Aktuelle wissenschaftliche Studien zeigen, dass klare Flüssigkeiten in vielen Fällen sogar bis weniger als 30 Minuten vor Beginn der Narkose sicher konsumiert werden können. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse führt das KEvB nun ein neues, farbcodiertes Kartensystem ein. Die Nüchternheitskarten in Grün, Gelb und Rot schaffen für Patientinnen und Patienten sowie für die behandelnden Teams eine klare Orientierung darüber, wann Essen und Trinken vor einem Eingriff erlaubt sind. In den meisten Fällen können Patientinnen und Patienten künftig bis zum Transport in den Operationsbereich weiterhin Wasser, Tee oder Kaffee trinken.
„Lange Nüchternzeiten werden von vielen Patientinnen und Patienten als sehr belastend empfunden. Mit den neuen Karten schaffen wir Klarheit und ermöglichen es den Betroffenen, die empfohlenen Trinkzeiten sicher einzuhalten“, erklärt Erik Zedler, Projektleitung und Facharzt im Zentrum für Anästhesie, anästhesiologische Intensivmedizin, OP-Management und Schmerztherapie. „Dadurch steigern wir den Komfort vor der Operation und können unnötige Belastungen vermeiden.“
Auch aus medizinischer Sicht bietet das Projekt Vorteile: „Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass das Trinken klarer Flüssigkeiten bis kurz vor einem Eingriff bei geeigneten Patientinnen und Patienten sicher möglich ist. Mit unserem Konzept setzen wir diese Empfehlungen praxisnah, verständlich und konsequent um und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Patientensicherheit“, betont Dr. med. Thomas Schmidt, Departmentleiter im Zentrum für Anästhesie, anästhesiologische Intensivmedizin, OP-Management und Schmerztherapie. Erik Zedler fügt an: „Mein besonderer Dank gilt allen Kolleginnen und Kollegen sowie den beteiligten Berufsgruppen und Projektpartnern, die mit ihrem Engagement und ihrer Expertise zur erfolgreichen Umsetzung dieses Projekts beigetragen haben.“
Die neuen Regelungen orientieren sich an evidenzbasierten Studien sowie umfangreichen praktischen Erfahrungen und wurden am Helios Klinikum Emil von Behring entwickelt. Für das innovative Konzept wurde das Projekt im Jahr 2024 mit dem zweiten Platz beim Deutschen Preis für Patientensicherheit ausgezeichnet. Mit der Einführung von „Präoperative Nüchternheit – Trinken bis Abruf“ setzt das KEvB einen weiteren wichtigen Schritt hin zu einer modernen, wissenschaftlich fundierten und patientenorientierten Versorgung.










