Freie Bahn für das Sterilgut
Automatisierte Medizinprodukte-Logistik von der AEMP bis zum OP sorgt für zuverlässige und sichere Abläufe.

Die Herausforderungen in Aufbereitungseinheiten für Medizinprodukte (AEMP) steigen: Fachkräftemangel, Ergonomie am Arbeitsplatz, steigende Leistungsanforderungen und der Bedarf an mehr Transparenz und Prozesssicherheit entlang des gesamten OP-Materialflusses prägen den Arbeitsalltag zunehmend.
Vom manuellen Transport zum vernetzten Materialfluss
Während Reinigungs-, Desinfektions- und Sterilisationsprozesse heute bereits einen hohen Automatisierungsgrad erreichen können, bestehen beim Materialfluss innerhalb von Krankenhäusern vielerorts noch Potenziale. Transporte zwischen OP-Bereich und AEMP sowie logistische Abläufe innerhalb der AEMP werden häufig manuell organisiert. Dadurch entstehen Schnittstellen, die Personal binden und die Prozessstabilität beeinflussen können.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage an Bedeutung, wie sich Digitalisierung, Automatisierung und Aufbereitungstechnik enger miteinander verknüpfen lassen. Genau hier setzt die neue Partnerschaft der MMM Group mit Servus Intralogistics an. Beide Unternehmen bündeln ihre Kompetenzen, um Konzepte für eine stärker automatisierte und durchgängig vernetzte Sterilgutversorgung zu entwickeln.
Über den Köpfen direkt zum OP
Derzeit werden bei einem OP-Eingriff die benötigten Materialien im Fallwagen mit hohem manuellem Aufwand beladen, transportiert und anschließend wieder entladen. Künftig soll der gesamte OP-Bedarf digital termin- und bedarfsgerecht für den jeweiligen Eingriff angefordert werden. Alle benötigten Materialien werden digital zugeordnet und gezielt bereitgestellt. Grundlage für dieses virtuelle Fallwagenkonzept ist eine digitale Vernetzung zwischen Sterilgutlager, Verbrauchsmittellager, OP und AEMP. Dadurch lassen sich Transporte präzise steuern, Bedarfe transparent abbilden und unnötige Bewegungen vermeiden. Insbesondere auf kurzfristige Änderungen im OP-Plan kann so flexibel reagiert werden.
Technische Grundlage dieses Konzepts sind ein vollautomatisiertes Sterilgutlager im Industriestandard sowie ein schienengebundenes Transportsystem. Innerhalb weniger Minuten werden die benötigten OP-Verbrauchsmaterialien ausgelagert, transportiert und in einem Rüstraum direkt im OP-Bereich bereitgestellt.
Dabei nutzen intelligente Transportroboter, genannt MedARC, den freien Raum unterhalb der Decke und fahren über ein fest installiertes Schienensystem. So bleiben Verkehrswege und Flure frei. Spezielle Hebeeinrichtungen ersetzen den Transport über Aufzüge. Ein entscheidender Vorteil ist der Entfall der physischen Fallwagen. Wertvolle Parkflächen werden frei, Leerfahrten und Rückführungslogistik entfallen, Aufzugskapazitäten werden entlastet und die Aufbereitung kontaminierter Transportwagen entfällt.
Auch die Entsorgung erfolgt über dasselbe System und vollständig getrennte Warenströme. Dadurch werden Transportprozesse beschleunigt, Stand- und Antrocknungszeiten reduziert und eine weitgehend unabhängige Versorgung auch nachts oder am Wochenende ermöglicht.
Mehr Ergonomie, mehr Raum für Fachaufgaben in der AEMP
Diese automatisierte Beförderung schafft zugleich eine durchgängige und nachvollziehbare Verbindung zwischen Material und Zielort. Transportaufträge können systemgestützt ausgelöst, priorisiert und dokumentiert werden. Die Technik unterstützt damit planbare und transparente Abläufe, ohne den Menschen aus dem Prozess zu nehmen.
Eine modulare und gezielte Automatisierung soll Fachkräfte nicht ersetzen, sondern dort entlasten, wo Tätigkeiten wiederkehrend, körperlich anstrengend und nicht wertschöpfend sind. „Shifting versus lifting“: Das Schieben schwerer Transportwagen, das Heben von Sterilgutcontainern und lange Laufwege gehören zu diesen Aufgaben. Werden sie technisch übernommen, sinkt die physische Belastung. Gleichzeitig bleibt mehr Zeit für qualitätsrelevante Tätigkeiten, die Erfahrung, Aufmerksamkeit und fachliche Kompetenz erfordern. Gerade angesichts des Fachkräftemangels braucht es eine Arbeitsorganisation, die Gesundheit schützt, Qualifikationen sinnvoll nutzt und attraktive Arbeitsplätze unterstützt. Digitalisierung, Automatisierung und Prozesstechnik (D-A-P) sorgen gemeinsam für mehr Effizienz und Ergonomie in der AEMP und der Materiallogistik von und zum OP.
Das Konzept des virtuellen Fallwagens ist modular. Kliniken können mit einzelnen Logistikbausteinen beginnen und die Automatisierung entsprechend ihren Räumen, Prozessen und Zielen erweitern. In Neubauten sollte das Konzept bereits in der Bauplanungsphase integriert werden.
MMM bringt Erfahrung aus der Aufbereitung medizinischer Instrumente und der Gestaltung von AEMP-Prozessen ein, Servus Intralogistics das Know-how für automatisierte Transport- und Lagersysteme. Gemeinsam betrachten beide Partner nicht nur einzelne Anlagen, sondern den gesamten Materialfluss – von der Aufbereitung über Lagerung und Bereitstellung bis zum OP.
Die Sterilgutversorgung der Zukunft endet nicht an der Tür der AEMP. Wenn Aufbereitung, Lagerung, Transport und Informationsfluss zusammenspielen, entstehen stabile und flexible Abläufe. Dabei ersetzt der virtuelle Fallwagen nicht nur den physischen Wagen, sondern transformiert die OP-Versorgung von einem transportorientierten zu einem informationsgesteuerten Logistikprozess.











