Diabetiker im Krankenhaus: Versorgung im Zeitalter von DRG und DMP


Diabetiker im Krankenhaus: Versorgung im Zeitalter von DRG und DMP. Eine qualitätsgesicherte Versorgung der Menschen mit Diabetes mellitus ist zwingend erforderlich, um eine effiziente Behandlung unter Nutzung der bestehenden Ressourcen zu erreichen.
Im Rahmen der DRG ist es andererseits auch erforderlich, Kostenstrukturanalysen durchzuführen und optimale Strukturen und Prozesse für die Patienten mit Haupt- und Nebendiagnose Diabetes im Krankenhaus zu implementieren.
Vor diesem Hintergrund haben wir daher in den Jahren 2001 bis 2003 an einem Krankenhaus der Maximalversorgung mit einer Gesamtfallzahl von 45.000 Fällen pro Jahr systematisch:
1. die Prävalenz (Haupt- und Nebendiagnosen Diabetes mellitus) erhoben,
2. die Kosten-/Erlössituation und
3. die Verweildauer vor und nach Implementierung eines Strukturund Prozessmanagements analysiert.
Folgende Prozessqualität wurde im Krankenhaus umgesetzt:
1. keine Entmündigung des geschulten/ informierten Patienten;
2. generelles Screening aller Patienten auf einen Diabetes mellitus durch Blutzucker;
3. generelle Dokumentation der Therapie aller Diabetiker mittels Diabetesdokumentationsbogen;
4. pro Schicht Anwesenheit einer Pflegekraft auf den Stationen, die die Dokumentation überwacht;
5. pro Schicht Anwesenheit einer Pflegekraft, die die Umsetzung vor gegebener Dosisanpassung auf den Stationen beherrscht;
6. 24-Stunden-Errreichbarkeit eines in der Behandlung des Diabetes erfahrenen Arztes;
7. organisierter diabetologischer Konsiliardienst und generelle Durchführung eines strukturierten Konsils mittels Konsilbogen;
8. abteilungsübergreifende Entscheidungskompetenz des verantwortlichen Diabetologen;
9. Betreuung von Patienten mit diabetischem Fußsyndrom auf einer interdisziplinären Fußstation;
10. schriftlich fixierte und jederzeit einsehbare Behandlungsrichtlinien, welche im Intranet abrufbar sind;
11. abteilungsübergreifende Absprachen zur perioperativen Stoffwechselführung.
Die notwendige Strukturqualität wurde durch Diabetologen, weitergebildete Diabetesassistentinnen und Schulungsmöglichkeiten sichergestellt.
Ergebnisse
1. Die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus als Haupt- oder Nebendiagnose liegt in einem Krankenhaus der Maximalversorgung bei 32,1 %.
2. Patienten mit Diabetes mellitus im Krankenhaus haben zu 75% bereits vorliegende Folgekomplikationen.
3. Die frühe Intervention durch ein Diabetesteam führt zu einer signifikanten Verweildauerverkürzung von Diabetiker im Krankenhaus.
4. Die DRG-Erlössicherung ist proportional abhängig vom Erfassungsgrad des Diabetes und vom Anteil der CCL-relevanten Diabetes mellitus Nebendiagnosen.
Tabelle 1 zeigt deutlich, dass die Erlössicherung direkt proportional zum Erfassungsgrad und zum Anteil der CCL-Relevanz verläuft.
Zusammenfassung
Mit dieser über mehrere Jahre durchgeführten Untersuchung liegen jetzt erstmals Daten für die Prävalenz von Diabetes mellitus im Krankenhaus vor. Mit einer Prävalenz von ca. 30 % und bereits nachgewiesenen Folge-Komplikationen von 75 % gehört der Patient mit Diabetes mellitus zu den am häufigsten zu behandelnden Erkrankungen im stationären Bereich.
Tatsächlich werden aber nur bei 10 % der Patienten die Nebendiagnose Diabetes gestellt und wiederum nur bei etwa 10% die Folgekomplikationen erkannt.
Im stationären Sektor haben ca. 75 % der Patienten mit Diabetes mellitus eine relevante Nebendiagnose, die sich bei einem adäquaten Struktur- und Prozessmanagement auch in der CCL-Relevanz niederschlägt. Diese Diabetes-relevanten Nebendiagnosen wie beispielsweise diabetische Nephropathie, diabetische Polyneuropathie, die diabetische Stoffwechselentgleisung etc. werden in allen Abteilungen nur unzureichend erkannt und dementsprechend fehlerhaft kodiert.
Die adäquate Kodierung führt zu einer deutlichen Erlössicherung.
Hierbei handelt es sich nicht um Upgrading, sondern um ein Rightcoding. Weitere Kosten können durch die nachgewiesene Verweildauerverkürzung bei besserer Qualität eingespart werden.
Die hohe Prävalenz des Diabetes muss auch bei den Krankenkassen und der Deutschen Krankenhausgesellschaft zu einem Umdenken führen. Patienten mit Diabetes mellitus müssen abteilungsübergreifend und mit entsprechender Entscheidungskompetenz mitbehandelt werden.
Die Diabetologie der Zukunft muss als eigenständige Abteilung quasi als Dienstleistungszentrum wie beispielsweise eine Radiologie abteilungsübergreifend agieren.
Nur so können Ressourcen mobilisiert, Kosten eingespart und somit Erlöse gesichert werden.
Kontakt:
Priv.-Doz. Dr. Erhard Siegel
St. Vincenz-Krankenhaus
Abteilung für Gastroenterologie, Diabetologie und Stoffwechsel
D-Limburg/Lahn
Tel.: 06431/2924303
Fax: 06431/2924303
e.siegel@st-vincenz.de
www.st-vincenz.de
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