Hochschule Bielefeld forscht über Kommunikation in der Notaufnahme
Wie sieht eigentlich der Alltag in der Notaufnahme aus pflegerischer und ärztlicher Sicht aus und wie funktionieren die Abläufe und die Kommunikation?



Wie läuft die Ersteinschätzung ab? Schätzen Rettungsdienst und Hausarzt Patient*innen im Notfall genauso ein wie Notaufnahme und die Station im Krankenhaus? In welche medizinische Abteilung gehört der Notfall? An der Hochschule Bielefeld (HSBI) befasst sich Ärztin Dr. Rena Amelung, Professorin für Biomedizinische Grundlagen, in einem Forschungsprojekt mit diesen Fragen.
Die Ersteinschätzung des pflegerischen und ärztlichen Personals und deren Kommunikation untereinander stehen im Fokus des Forschungsprojekts „inproTeamZNA – Wie gut sind wir als Team Notaufnahme?“. Dr. Rena Amelung, Professorin für Biomedizinische Grundlagen am Fachbereich Gesundheit der Hochschule Bielefeld (HSBI) leitet das Projekt. Die Ärztin hat selbst viele Jahre in Notaufnahmen gearbeitet und vor dem Antritt ihrer Professur eine Notaufnahme geleitet. Anhand anonymisierter Patient*innendaten wollte sie analysieren, wie die Ersteinschätzung läuft, wie und mit welchem Verdacht Patientinnen und Patienten in das Krankenhaus kommen und was später aus ihnen wird, also welche ärztliche Diagnose am Schluss bei einer stationären Behandlung gestellt wird, und wie die Kommunikationswege in der Zusammenarbeit des pflegerischen und ärztlichen Personals dabei aussehen – neben allen vorgegebenen Prozessen.
„Viele Menschen, die in die Notaufnahme kommen, haben diffuse Symptome“, erklärt Prof. Dr. Rena Amelung. „Ein Beispiel: Ein Patient ist gestürzt und wird nach der Ersteinschätzung in der Notaufnahme zunächst chirurgisch behandelt. Das eigentliche Problem des Patienten ist aber internistisch oder neurologisch, zum Beispiel Schwindel, da kommen viele Ursachen in Betracht.“
Interviews mit ärztlichem und pflegerischem Personal
Parallel zu der quantitativen Analyse der Behandlungsdaten gibt es auch einen qualitativen Part, in dem zwölf leitfadengestützte Interviews mit ärztlichem und pflegerischem Personal in den beteiligten Notaufnahmen durchgeführt wurden. Hier werden bewusst verschiedene Methoden angewendet nach dem „mixed methods“-Ansatz. Amelung: „In den Interviews geht es darum, wie die Ersteinschätzung durch Notfallpflege und Ärzt*innen funktioniert, also welche Faktoren für die Befragten wichtig sind. Hier sollten konkrete Beispiele aus dem Berufsalltag beschrieben werden. Zudem möchte ich abbilden, wo und wie die Berufsgruppen miteinander im Versorgungsprozess in Kontakt treten und wie die Kommunikation aussieht, ob und worin sich die Kommunikation innerhalb einer Berufsgruppe von einer interprofessionellen Kommunikation unterscheidet. Interessant ist für mich auch, ob es Unterschiede durch die Größe der Notaufnahme gibt, also ob die Kommunikation in einer kleineren Notaufnahme anders wahrgenommen wird als in einer großen Notaufnahme.“
Zurzeit läuft die Analyse der quantitativen Daten, die geclustert werden, um besser Widersprüche und Übereinstimmungen darstellen zu können, da die Diagnosen sehr feingliedrig sind. Auch die qualitative Inhaltsanalyse der Interviews hat begonnen.
Gruppendiskussion soll Verbesserungsvorschläge bringen
Zum Schluss ist auch eine Gruppendiskussion geplant, um die Ergebnisse gemeinsam mit den Befragten einzuordnen und Verbesserungsvorschläge abzuleiten. „Die Teilnahme war aber keine Voraussetzung, um am Interview teilzunehmen“, ergänzt Amelung. Das ganze Thema fließe auch in die Lehre ein, da es ein gutes Beispiel für Handeln und Forschen in einem interprofessionellen Setting ist. „Das Projekt passt zum Beispiel sehr gut in das Modul interdisziplinäre Handlungsfelder Pflege und Therapie“. Finanziert wird das Projekt aus dem Neuberufenen-Fonds der HSBI.
Weitere Informationen
Bachelorstudiengang Pflege: https://www.hsbi.de/studiengaenge/pflege
Fachbereich Gesundheit https://www.hsbi.de/gesundheit
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