Arbeit zur Alzheimer-Diagnostik ausgezeichnet
Für ihre Forschung zur zuverlässigeren Früherkennung von Alzheimer erhält eine Forschungsgruppe der Universitätsmedizin Halle den Theo und Friedl Schöller-Preis 2026.

Unter Leitung des Neurologen Prof. Dr. Markus Otto hat das Team gezeigt, warum auffällige Blutwerte nicht zwangsläufig auf eine Alzheimer-Erkrankung zurückzuführen sind. Die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung ist laut Stiftung der höchstdotierte Preis der Altersmedizin in Deutschland.
Bluttests gelten als vielversprechender Ansatz, um Alzheimer frühzeitig und mit vergleichsweise geringem Aufwand zu erkennen. Sie messen bestimmte phosphorylierte Tau-Proteine (pTau), deren Konzentration bei einer Alzheimer-Erkrankung ansteigen kann, lange bevor schwere kognitive Beeinträchtigungen auftreten. Eine von der Universitätsmedizin Halle geleitete und 2025 veröffentlichte Studie zeigte jedoch, dass diese Biomarker nicht ausschließlich bei Alzheimer erhöht sind. Auch bei Menschen mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS), einer Erkrankung des motorischen Nervensystems, fanden die Forschenden auffällige Werte.
Als mögliche Quelle der erhöhten Werte identifizierte das Team die erkrankte Skelettmuskulatur, die ebenfalls zur Freisetzung dieser Tau-Proteine ins Blut beitragen kann. Ein erhöhter pTau-Messwert allein erlaubt deshalb keine eindeutige Alzheimer-Diagnose. Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, Alzheimer-Bluttests im klinischen Kontext zu interpretieren und mögliche andere Ursachen auffälliger Werte zu berücksichtigen.
Da Behandlungen mit den kürzlich zugelassenen Alzheimer-Antikörpertherapien bereits in frühen Krankheitsstadien beginnen müssen, ist eine frühe und sichere Erkennung der Betroffenen wichtig. „An der Preisträger-Arbeit überzeugte uns neben der ausgezeichneten wissenschaftlichen Qualität ihre hohe praktische Bedeutung für die Altersmedizin“, sagt Prof. Dr. Thomas Hillemacher, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats für den Schöller-Preis und Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Nürnberg.
„Wir gratulieren der Universitätsmedizin Halle zu diesem Forschungserfolg. Demenz ist eine Volkskrankheit, und mit steigender Lebenserwartung wächst die Zahl der Betroffenen weiter. Die Erforschung und Entwicklung von Behandlungsmöglichkeiten im Frühstadium weckt aktuell viele Hoffnungen. Voraussetzung ist eine verlässliche, sichere Frühdiagnostik – die Daten aus Halle mahnen hier zur Vorsicht“, betont Rainer Hattenberger vom Stiftungsvorstand der Schöller-Stiftungen.
An der Studie war ein 24-köpfiges Team der Universitätsmedizin Halle sowie der Universitäten Mailand (Italien), Mannheim und Ulm beteiligt. „Der Preis ist eine große Freude und eine schöne Anerkennung unserer Arbeit. Noch wichtiger ist aber, dass unsere Ergebnisse dadurch nun breiter wahrgenommen werden, um kritischer mit Alzheimer-Bluttests umzugehen“, erklärt Prof. Dr. Markus Otto, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Neurologie an der Universitätsmedizin Halle. Die bisherigen Tests seien gut, „aber noch nicht gut genug, um Alzheimer zweifelsfrei frühzeitig festzustellen. Mögliche Begleiterkrankungen und Fehlbefunde müssen präzise abgegrenzt werden.“
Neuer Ansatz für zuverlässigere Bluttests
Aufbauend auf der prämierten Studie hat die Forschungsgruppe um Prof. Otto inzwischen einen Ansatz entwickelt, um Alzheimer-typische Veränderungen zuverlässiger von anderen Ursachen erhöhter Tau-Werte zu unterscheiden. In einer im Oktober 2026 veröffentlichten Folgestudie konnte das Team zeigen, dass sich mithilfe eines zweistufigen Messverfahrens bestimmte, aus dem Gehirn stammende Tau-Formen isolieren und gezielt messen lassen. In der untersuchten Gruppe konnten dadurch Alzheimer-Erkrankungen besser von ALS unterschieden und falsch-positive Ergebnisse deutlich reduziert werden.
Hintergrund
Seit 2013 schreibt das Zentrum für Altersmedizin am Klinikum Nürnberg den Schöller-Preis jährlich aus, um Forschungsarbeiten zu prämieren, die die Gesundheitsversorgung älterer Menschen verbessern. Mit 20.000 Euro ist er laut eigenen Angaben die höchstdotierte Auszeichnung in der Altersmedizin in Deutschland. 21 Bewerbungen gingen in diesem Jahr ein.
Originalpublikationen
Prämierte Studie aus 2025: Abu-Rumeileh, S., Scholle, L., Mensch, A. et al. Phosphorylated tau 181 and 217 are elevated in serum and muscle of patients with amyotrophic lateral sclerosis. Nat Commun 16, 2019 (2025). https://doi.org/10.1038/s41467-025-57144-7
Folgestudie aus 2026: Abu-Rumeileh, S., Großkopf, H., […], Otto, M. et al. Tau isoform mapping across tissues and biofluids reveals a signature distinguishing Alzheimer’s disease from amyotrophic lateral sclerosis. Nat Commun 17, 10745 (2026). https://doi.org/10.1038/s41467-026-78390-3











