Den Erfolg einer Therapie voraussagen




Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert den Forschungsverbund „PRECiSe“ in Ulm und Heidelberg für drei Jahre.
Eine neue Generation von Krebsmedikamenten gibt Patienten mit Chronischer Lymphatischer Leukämie (CLL), der häufigsten Blutkrebsart in der westlichen Welt, seit einiger Zeit neue Hoffnung. Unklar ist aber, welchen Patienten diese neuen Therapien, die Krebszellen auf molekularem Wege bekämpfen, tatsächlich helfen. Die 17 Wissenschaftler im Verbundprojekt PRECiSe kommen von der Ulmer Universitätsklinik für Innere Medizin III und mehreren Heidelberger Forschungseinrichtungen wie dem Deutschen Krebsforschungszentrum. Sie wollen bessere Vorhersagemöglichkeiten finden, um Patienten wenig erfolgversprechende Therapien zu ersparen. Dazu sollen Erkenntnisse aus umfangreichen Analysen genetischen Materials eng mit den klinischen Erfahrungen der Ärzte verknüpft werden.
Bei welchen Patienten wirken die neuen Therapien?
Ob die Leukämiemedikamente der neuesten Generation bei einem Patienten wirken, darüber kann die „Verpackung“ seines Erbmaterials Auskunft geben. Mediziner nennen sie „Epigenetik“: ein komplexes Netz von Strukturabwandlungen der Erbinformation selbst und der mit ihr verbundenen Eiweiße, die die Krebsentstehung fördern oder hemmen können. „Aus dieser ‚Verpackung‘ wollen wir neue Biomarker identifizieren, die uns anzeigen, ob die erkrankten Zellen auf die neuen Leukämiemedikamente überhaupt reagieren“, erläutert Priv.-Doz. Dr. Daniel Mertens von der Ulmer Universitätsklinik für Innere Medizin III. Zusammen mit Dr. Karsten Rippe vom Deutschen Krebsforschungsinstitut koordiniert er den Forschungsverbund.
„Ein besonderer Ansatz dieses Forschungsprojekts ist zudem, dass Labor- und Analyseergebnisse mit den Erkenntnissen und Erfahrungen der behandelnden Ärzte abgeglichen werden“, betont Prof. Dr. Stephan Stilgenbauer, Leitender Oberarzt der Ulmer Universitätsklinik für Innere Medizin III, der selbst große Erfahrung in der innovativen Behandlung von Patienten mit Chronisch Lymphatischer Leukämie hat und dazu verschiedene klinische Studien leitet. „Die Forschung muss beim Patienten ankommen, daher ist uns die Beteiligung an dem Verbundprojekt ein großes Anliegen“, so Stilgenbauer. Die Wissenschaftler können bei ihrer Arbeit zudem auf umfangreiche Sammlungen von Leukämiegewebe zurückgreifen. Besonders ist auch der Einsatz neuer Computermodelle, mit deren Hilfe die umfangreichen Datensätze analysiert werden können.
Wie entstehen Resistenzen?
Auch gegen die Leukämiemedikamente der neuen Generation gibt es bereits Resistenzen, d.h. die Krebszellen entwickeln Schutzmechanismen. Die Wissenschaftler von PRECiSe wollen neue Erkenntnisse darüber gewinnen, wie solche Resistenzen entstehen. Zudem suchen die Forscher nach Möglichkeiten, ihre Erkenntnisse auch auf andere Erkrankungen des blutbildenden Systems anzuwenden.
PRECiSe steht für „Pretherapeutic Epigenetic CLL Patient Stratifikation“. Das Verbundprojekt umfasst acht wissenschaftliche Arbeitsgruppen, die wiederum international vernetzt sind. Für die Chronische Lymphatische Leukämie gibt es bis heute keine heilenden, sondern nur lindernde Therapien. Ob die neue Generation der CLL-Medikamente langfristig auch zur Heilung führen könnte, ist noch nicht erwiesen.
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