31.03.2026 • Anzeige • News

Eine Allianz für die Hygiene der Zukunft

Was passiert, wenn die Ingenieurskunst eines Global Players auf ein innovatives Desinfektions-Startup trifft?

Dr. Ansgar Schmidt-Bleker (links), Dr. Jörn Winter (Mitte), Marijan N....
Dr. Ansgar Schmidt-Bleker (links), Dr. Jörn Winter (Mitte), Marijan N. Simundic (rechts)
© Meiko Maschinenbau

Ein Gespräch über die Zusammenarbeit zwischen dem Hersteller für Reinigungs- und Desinfektionstechnik Meiko, Offenburg, vertreten durch Marijan Simundic,  und den Gründern von Nebula Biocides, Dr. Ansgar Schmidt-Bleker und Dr. Jörn Winter aus Greifswald– und über ein Verfahren, das Hygiene schneller, sicherer und nachhaltiger machen soll. Im Zentrum: ein Wirkstoff mit dem Potenzial, Desinfektion grundlegend zu verändern.

M&K: Sie sind beide Physiker. Wie kam es, dass Sie sich mit einem Desinfektionsverfahren beschäftigen?

Dr. Jörn Winter: Unser Weg begann nicht im klassischen Hygieneumfeld, sondern in der Plasmamedizin-Forschung am Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP). Dort entdeckten wir, dass im Zuge unserer Experimente Peroxinitritsäure (ONOOH) gebildet wird – ein Wirkstoff mit enormer Schlagkraft, aber einer Lebensdauer von nur einer Sekunde. Als Physiker denken wir in messbaren, steuerbaren und reproduzierbaren Prozessen. Daraus entstand die Idee, diese chemische Reaktion gezielt technisch nutzbar zu machen – nicht als bloßen Wirkstoff, sondern als prozessgesteuerte Desinfektionstechnologie. So wurde aus einer wissenschaftlichen Beobachtung über die Jahre ein anwendungsfähiges System.

Dr. Ansgar Schmidt-Bleker: Wichtig war für uns, nicht „noch ein Desinfektionsmittel“ zu entwickeln, sondern einen neuen Ansatz, der dort Vorteile bringt, wo konventionelle Verfahren an Grenzen stoßen.

Wo liegen die Vorteile im Vergleich zu konventionellen oxidativen Desinfektionsmitteln?

Schmidt-Bleker: Der Kern ist die zeitlich gesteuerte Wirkstoffbildung. Statt eine stabile chemische Substanz einzusetzen, erzeugen wir ONOOH „just in time“ im Prozess. Dieses hochreaktive Molekül wirkt sehr schnell und zerfällt anschließend vollständig. Das reduziert Reststoffprobleme und Materialbelastung.
Winter: Das führt zu mehreren Vorteilen: eine schnelle Wirkung im Sekundenbereich gegen ein breites Erregerspektrum – inklusive Bakteriensporen. Keine persistenten Rückstände der aktiven Substanz, da der Wirkstoff zerfällt, wodurch Materialverträglichkeit und Anwendersicherheit steigen.

Schmidt-Bleker: Zudem lässt sich der Prozess validieren und überwachen, beispielsweise durch optische Messung der Wirkstoffbildung. Das ist gerade für die automatisierte Aufbereitung relevant.
Die Kurzlebigkeit ist Vorteil und Herausforderung zugleich. Wie lässt sich das Produkt sicher und wirksam transportieren und einsetzen?
Winter: Das Produkt ist kein fertiger Wirkstoff im Kanister, sondern ein Zwei-Komponenten-System: stabile Vorläufer werden erst im Einsatz gemischt, so dass ONOOH vor Ort entsteht. Das erlaubt lange Haltbarkeit der Ausgangsstoffe und sichere Logistik.

Schmidt-Bleker: Bei manuellen Flächenanwendungen sorgen verzögernde Komponenten dafür, dass die aktive Phase erst nach dem Verteilen beginnt. In Geräten wie Steckbeckenspülern wird das Konzentrat automatisiert auf Arbeitskonzentration verdünnt und appliziert. Die Kurzlebigkeit wird durch die Prozesssteuerung kompensiert.

Hier kommt der Kooperationspartner Meiko ins Spiel. Herr Simundic, warum der Schritt in ein neues technologisches Feld?

Marijan Simundic: Die Idee eines sporiziden Verfahrens im Steckbeckenspüler begleitet uns bei Meiko seit 2013. Damals war sie technologisch noch nicht realisierbar – heute schon. Gleichzeitig sind die Anforderungen weiter gestiegen: regulatorisch, wissenschaftlich und hinsichtlich Prozessqualität und Nachhaltigkeit.
Mit dem technologischen Fortschritt ging für uns von Anfang an ein klarer Anspruch einher: Vor der externen Validierung führten wir erste mikrobiologische Untersuchungen in unserem eigenen Labor durch. Anschließend folgte die Überprüfung in akkreditierten, unabhängigen Laboren. Wissenschaftliche Nachweisbarkeit ist für uns keine Option, sondern Voraussetzung.

Denn Hygiene wird heute nicht mehr als einzelnes Produkt verstanden, sondern als System aus Technologie, Anwendung, Dokumentation und gelebter Praxis. Unser Anspruch ist deshalb nicht, auf neue Vorgaben nur zu reagieren. Sondern: Sie gemeinsam mit den Hygieneexperten vor Ort aktiv mitzugestalten und weiterzuentwickeln.

Welche Herausforderungen gehen Sie gemeinsam an?

Simundic: Wir starten mit dem Einsatz im Steckbeckenspüler, weil wir diesen Bereich vollständig beherrschen, technologisch und prozessual.

Schmidt-Bleker: Gemeinsam bearbeiten wir Themen wie Prozessintegration – also optimale Dosierung, Verteilung und Wirkstoffbildung –, Validierungskonzepte, Materialkompatibilität und regulatorische Markteinführung. Unsere Kompetenzen ergänzen sich hier ideal, um sichere und auditierfähige Lösungen bereitzustellen.

Winter: Der Vorteil dieses Kooperationsmodells ist klar: Wir bringen einen neuen chemisch-prozessorientierten Wirkmechanismus ein, Meiko das Know-how eines Maschinenbau-Urgesteins – vor allem in puncto Ingenieurskompetenz und praktische Integration. Gemeinsam adressieren wir reale Anwenderprobleme mit validierbaren und wirtschaftlichen Lösungen.

Welche Entwicklung erwarten Sie für Sporosan in den nächsten Jahren?

Simundic: Sporosan ist kein Produkt, sondern ein Verfahren mit Potential weit über den Steckbeckenspüler hinaus. Für Hygienefachkräfte bedeutet es vor allem: weniger Komplexität, mehr Transparenz, klare Validierbarkeit. Wir sehen Sporosan daher eher als zukunftsweisende Plattform, die als Fundament für die Entwicklung zahlreicher innovativer Anwendungen dienen wird. Einige haben wir bereits in der Pipeline..

Terminhinweis

18. Kongress für Allgemeine und Krankenhaus-Hygiene
26.–29. April, Berlin, Stand: B12
Lunchsymposium:
28. April, 12:30 Uhr, Saal 21
Wissenschaftsvortrag:
28. April, ab 14 Uhr, Saal 12-15

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