28.01.2026 • News

Herzzentrum Leipzig implantiert innovatives Kunstherz

Im Herzzentrum Leipzig wurde im Herbst 2025 ein hoch innovatives Herzunterstützungssystem implantiert – erst zum dritten Mal in Europa.

Patient Frank Schulz zur ambulanten Nachsorge im Herzzentrum Leipzig mit Dr....
Patient Frank Schulz zur ambulanten Nachsorge im Herzzentrum Leipzig mit Dr. med. Joanna Jozwiak-Nozdrzykowski, Funktionsoberärztin der Universitätsklinik für Kardiologie und Klaus Krämer, Kardiotechniker am Herzzentrum Leipzig.
© Christian Hüller

Das DuoCor BiVAS unterstützt gleichzeitig die linke und rechte Herzkammer und ist dabei deutlich kompakter als herkömmliche biventrikuläre Systeme. Für den 67-jährigen Patienten, Frank Schulz, war das Herzunterstützungssystem die letzte Hoffnung, da er für eine Herztransplantation nicht infrage kam. Die erfolgreiche Implantation erfolgte nach umfassender Aufklärung, interdisziplinärer Abstimmung und in enger Begleitung durch Hersteller- und Kardiotechnik-Teams. Nun konnte der Patient nach Hause entlassen werden.

Im September 2025 implantierte das Herzzentrum Leipzig zum dritten Mal überhaupt in Europa einem 67-jährigen Patienten mit schwerer, biventrikulärer Herzinsuffizienz ein innovatives Herzunterstützungssystem. Der Patient leidet seit 16 Jahren an den Folgen einer schweren Herzinsuffizienz und war in dieser Zeit wiederholt in verschiedenen Kliniken in Behandlung. Aufgrund seines Alters und relevanter Begleiterkrankungen kam eine Herztransplantation für ihn nicht infrage: „Ohne das Gerät hätte ich nicht weiterleben können“, beschreibt Frank Schulz seine Situation vor dem Eingriff. Mit der Implantation des DuoCor BiVAS erhielt er eine neue, individuell passende Therapieoption, die auf seine medizinische Situation und seine persönlichen Ziele zugeschnitten ist.

Das Besondere dabei: Das neue Kunstherz ist ein biventrikuläres System, das beide Herzkammern – links und rechts – mechanisch unterstützt. Üblicherweise sind Systeme, die beide Herzkammern ersetzen oder unterstützen, deutlich größer und schränken Patient*innen im Alltag dadurch stärker ein. Genau aus diesem Grund stand Frank Schulz der Implantation eines herkömmlichen Systems kritisch gegenüber. Das innovative Unterstützungssystem verfolgt einen anderen Ansatz: Zwei zusammengeführte Pumpen werden intrakorporal implantiert. Jede Pumpe wiegt nur rund 90 Gramm (zusammen etwa 180 Gramm). Über ein schlankes Kabel ist das System mit einem externen Controller verbunden, der mit zwei Batterien betrieben wird. Ziel dieser kompakten Bauweise ist es, Mobilität und Handhabung im Alltag zu erleichtern. „Früher war ich sehr aktiv und die Herzinsuffizienz hat mich in den letzten Jahren immer mehr eingeschränkt. Ich habe mich für das neue Unterstützungssystem entschieden, um meine Träume nicht aufzugeben und – wenn möglich – in Teilen wieder in mein Leben zurückzukehren. Dank der innovativen Lösung durch das Herzzentrum Leipzig und der stetigen Unterstützung meiner Familie freue ich mich nun wieder auf die kleinen alltäglichen Dinge, wie zum Beispiel auf den Frühling und darauf, wieder rauszugehen“, resümiert Frank Schulz.

Die Implantation des Systems erfolgte als sogenannte „Off-Label-Use-Anwendung“ außerhalb einer regulären Zulassung beziehungsweise im Kontext der klinischen Nutzung, da das DuoCor BiVAS bislang ausschließlich für Studienzwecke eingesetzt wurde. Voraussetzung waren eine umfassende Aufklärung, die dokumentierte Einwilligung des Patienten sowie eine eng abgestimmte Vorgehensweise mit den beteiligten Stellen – einschließlich Kostenträger und medizinischer Gremien. Die erfolgreiche Implantation trägt zur Weiterentwicklung des Systems bei.

Für das Herzzentrum Leipzig ist das Vorgehen Ausdruck des eigenen Versorgungsanspruchs: „Wir verfolgen das Ziel für jede*n Patient*in die passende Lösung zu finden, auch wenn Standardoptionen medizinisch oder persönlich nicht tragfähig sind. Die Grundlage dafür sind unsere große Erfahrung in der Behandlung fortgeschrittener Herzinsuffizienz, einschließlich im Bereich der Herztransplantation und mechanischer Kreislaufunterstützungen“, erklärt Dr. med. Michal Nozdrzykowski, Oberarzt der Universitätsklinik für Herzchirurgie am Herzzentrum Leipzig. Für die Implantation des DuoCor BiVAS konnte er auf seine langjährige Erfahrung zurückgreifen. Außerdem bereitete er sich umfassend auf den Eingriff vor; traf sich mit Expert:innen aus anderen Kliniken und Ländern und probte den Eingriff zusätzlich an einem Modell.

Die gesamte Behandlung wurde von einem multiprofessionellen Team getragen. „Alle müssen einen so hoch komplexen und innovativen Eingriff mittragen – das geht nicht allein, sondern nur gemeinsam.“ Gerade die enge Zusammenarbeit zwischen Arzt- und Pflegepersonal der Fachbereiche Herzchirurgie, Kardiologie, Intensivmedizin und Anästhesiologie sowie der OP-Teams und der Intensivpflege bis hin zur Kardiotechnik, mit den Psycholog*innen, Physiotherapeut*innen und Ernährungstherapeut*innen war entscheidend dafür, den Patienten optimal vorbereitet in den OP zu begleiten und ihn anschließend in bestmöglichem Zustand in die nächste Behandlungsphase zu überführen. Zusätzlich wurde das Team vom Herzzentrum Leipzig durch die Herstellerfirma und deren technische Expertise unterstützt – sowohl in der Implantationsphase als auch in den nachgelagerten Prozessen der technischen Betreuung und Nachsorge.

Die Implantation wurde im Herzzentrum Leipzig zum dritten Mal in Europa durchgeführt. Seitdem hat sich die Nutzung international weiterentwickelt: Stand Anfang 2026 wurde das System nach Angaben aus dem klinischen Umfeld weltweit etwa 25. Mal eingesetzt, davon fünf Mal in Europa. Im Herzzentrum Leipzig erhielt im Dezember 2025 bereits ein weiterer Patient das System – ein wichtiger Schritt, um Erfahrung aufzubauen und die Versorgung von Patient*innen mit schwerem beidseitigem Herzversagen weiter zu verbessern.

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