12.03.2026 • News

Lehrprojekt AnatoVisio

CT-Bilder erweitern die anatomische Lehre am Universitätsklinikum Bonn und an der Universität Bonn. Vernetztes Lernen im Präparierkurs verbindet die Anatomie, Radiologie und Rechtsmedizin.

(v. l.): Das Team hinter „AnatoVisio“: Prof. Daniel Wittschieber, Direktor...
(v. l.): Das Team hinter „AnatoVisio“: Prof. Daniel Wittschieber, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin, Dr. Maria Hahnemann, Leiterin der Sektion Forensische Radiologie, Prof. Stefanie Kürten, Direktorin des Anatomischen Instituts, und Prof. Tobias Raupach, Direktor des Instituts für Medizindidaktik.
© Universitätsklinikum Bonn / R. Müller

Mit dem Lehrprojekt „AnatoVisio“ entwickeln das Universitätsklinikum Bonn (UKB) und die Universität Bonn ihre anatomische Ausbildung gezielt weiter. Ziel ist es, Medizinstudierende bereits im vorklinischen Studienabschnitt systematisch an die Interpretation medizinischer Schnittbildgebung heranzuführen und so die klassische Präparationslehre um eine interdisziplinäre Komponente zu ergänzen.

Die Präparationskurse sind ein Kernbestandteil der anatomischen Ausbildung: Pro Semester arbeiten 450 bis 480 Studierende in Kleingruppen an rund 30 Körperspenden. Bislang basiert die Lehre ausschließlich auf der anatomischen Präparation.

Mit „AnatoVisio“ werden die Präparate künftig durch postmortal angefertigte CT-Scans ergänzt. Die Studierenden können die Schnittbilder direkt im Präpariersaal auf Tablets einsehen und mit den Strukturen am Präparat abgleichen. So wird die Verbindung zwischen makroskopischer Anatomie und klinisch relevanter Bildgebung frühzeitig hergestellt.

Frühzeitige Stärkung klinischer Kompetenzen
 
Da die Interpretation radiologischer Bildgebung im klinischen Alltag zentral ist, setzt „AnatoVisio“ bereits in der Vorklinik an. Studierende lernen, anatomische Strukturen im CT sicher zu identifizieren und räumlich einzuordnen. „Dies fördert das Verständnis dreidimensionaler Lagebeziehungen und unterstützt eine strukturierte Planung der Präparation“, erläutert Prof. Stefanie Kürten, Direktorin des Anatomischen Instituts am UKB und Mitglied im Transdisziplinären Forschungsbereich (TRA) „Life und Health“ der Universität Bonn. 

Interdisziplinäre Kooperation und Evaluation

Das Projekt basiert auf der engen Zusammenarbeit von Anatomie, Rechtsmedizin und Medizindidaktik. Die Körperspenden werden im Rahmen der vorgeschriebenen zweiten Leichenschau in der Rechtsmedizin routinemäßig untersucht und zusätzlich durch die dort lokalisierte Sektion für Forensische Radiologie per postmortalem CT gescannt; die Datensätze werden datenschutzkonform in einer geschützten DICOM-Umgebung bereitgestellt. Dr. Maria Hahnemann, Leiterin der Sektion Forensische Radiologie, führt aus: „Tutoren werden speziell geschult und begleiten die Studierenden bei der Schnittbild-Interpretation.“ Prof. Tobias Raupach, Direktor des Instituts für Medizindidaktik, fügt hinzu: „Der Lernerfolg wird wissenschaftlich evaluiert und mit klassischen Präparationskursen verglichen.“

„AnatoVisio“ ergänzt die bewährte Präparationslehre gezielt durch moderne Bildgebung und stärkt so die Verzahnung von Vorklinik und Klinik am UKB.

 

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