01.06.2026 • News

Nachwuchs im Fokus

Weiterbildung, effiziente Strukturen, Vernetzen über den Tellerrand hinaus: Wie gestaltet und prägt das Junge Forum der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie die Herzchirurgie von morgen?

Claudia Schneebauer, Saarlouis

Foto: Jörg Heupel

Junges Forum der DGTHG

Das Junge Forum der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) vertritt die Interessen junger Kollegen innerhalb der Fachgesellschaft und fungiert als Bindeglied zwischen den Gremien der DGTHG, Assistenzärzten sowie Studierenden. Ziel ist es, Impulse zur Verbesserung der außer- und innerklinischen Weiterbildung zu entwickeln, den klinischen und wissenschaftlichen Austausch unter den Assistenzärzten zu fördern, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu stärken und nationale wie internationale Kooperationen aufzubauen.


In der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) formierte sich das Junge Forum, um verstärkt die Interessen des Nachwuchses zu vertreten. Seit Anfang 2026 vertreten drei engagierte Nachwuchschirurgen das Junge Forum: Cedric van Sprang, Sprecher, Assistenzarzt für Herzchirurgie, Klinik und Poliklinik für Herz-, Thorax- und herznahe Gefäßchirurgie, Regensburg, Dr. Maximilian Klumm, stellvertretender Sprecher, Assistenzarzt für Herzchirurgie, Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie, Klinikum Bayreuth sowie Dimitrios Stavridis, Schriftführer, Assistenzarzt für Herzchirurgie, Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie, Herz- und Diabeteszentrum Bad Oeynhausen. Gemeinsam schildern sie im Interview ihre ambitionierten Ziele und Strategien.

M&K: Was genau ist das Junge Forum der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie – und warum braucht man es das überhaupt?

Junges Forum: Das Junge Forum ist die organisierte Stimme des herzchirurgischen Nachwuchses in Deutschland. Es vertritt Assistenzärzte, ebenso wie Studierende mit Interesse an der Herzchirurgie. In einem hochspezialisierten Fach mit langen Ausbildungswegen schafft es eine Plattform für Austausch, Interessenvertretung und konkrete Verbesserungen in der Weiterbildung.

Die Federführung des Jungen Forums der DGTHG (v.l.): Dimitrios Stavridis,...
Die Federführung des Jungen Forums der DGTHG (v.l.): Dimitrios Stavridis, Schriftführer, Assistenzarzt für Herzchirurgie, Bad Oeynhausen; Cedric van Sprang, Sprecher, Assistenzarzt für Herzchirurgie, Regensburg; Dr. Maximillian Klumm, stv. Sprecher, Assistenzarzt für Herzchirurgie, Bayreuth.
© Jörg Heupel

Welche Themen treiben den Nachwuchs aktuell besonders um?

Junges Forum: Im Zentrum steht die Qualität der Weiterbildung. Wie strukturiert ist sie tatsächlich? Wie zufrieden sind junge Ärztinnen und Ärzte? Genau hier setzt das Junge Forum an – aktuell mit der Neuauflage der Assistentenbefragung. Dabei geht es um mehr als Arbeitszufriedenheit: Die Qualität der Ausbildung entscheidet maßgeblich über die zukünftige Versorgungsqualität in der Herzchirurgie.

Bleibt es bei Analysen – oder wird auch praktisch gearbeitet?

Junges Forum: Ganz klar: Es wird praktisch gearbeitet. Auf den Arbeitssitzungen – 2026 unter anderem in Köln, Berlin, Regensburg und Leipzig – werden gezielt Hands-on-Trainings angeboten. Dort können Teilnehmende an Modellen und am Schweineherz ihre chirurgischen Fertigkeiten trainieren und verfeinern. Diese Formate schließen eine Lücke, die im klinischen Alltag oft entsteht: die Möglichkeit, unabhängig von der Arbeitsbelastung gezielt zu üben. 

Ergänzt wird dieses Angebot durch die vom Jungen Forum initiierte Summer School International, die vor drei Jahren ins Leben gerufen wurde und jährlich in wechselnden Ländern – Deutschland, Österreich und der Schweiz – stattfindet. Im Fokus steht das praktische Training unter Anleitung hochkarätiger Mentoren. Gleichzeitig stärkt das Format den internationalen Austausch und die Vernetzung des herzchirurgischen Nachwuchses im deutschsprachigen Raum.

Welche Rolle spielt dabei der Austausch über die eigene Fachgrenze hinaus?

Junges Forum: Eine sehr große. Die Herzchirurgie ist ohne interdisziplinäre Zusammenarbeit kaum denkbar. Das Junge Forum setzt deshalb bewusst auf Kooperationen mit anderen Nachwuchsorganisationen: der Young DGK (Kardiologie), der Jungen Allgemeinmedizin Deutschland, der Young DIVI (Intensiv- und Notfallmedizin) sowie der Deutschen Gesellschaft für Perfusiologie und Technische Medizin (DGPTM) und der Gesellschaft für Physician Assistants (DGPA). Dieser Austausch stärkt nicht nur Netzwerke und Verständnis für klinische Schnittstellen. Gleichzeitig entstehen daraus wissenschaftliche Beiträge, Publikationen und Handlungsempfehlungen, die den akademischen Anspruch des Jungen Forums unterstreichen.

Hat das Junge Forum bereits spürbare Veränderungen angestoßen?

Junges Forum: Ja. Ein zentrales Beispiel ist die Etablierung modularer Ausbildungsstrukturen mit chirurgischen Kursen – in enger Zusammenarbeit mit der DGTHG. Damit wurden erstmals standardisierte, strukturierte Trainingsformate geschaffen, die unabhängig von einzelnen Klinikstandorten funktionieren und eine qualitativ hochwertige Ausbildung ermöglichen.

Wie entwickelt sich das Forum selbst weiter?

Junges Forum: Auch intern wurden wichtige Schritte umgesetzt. Eine umfassende Strukturüberarbeitung und Digitalisierung haben die Arbeitsweise effizienter und moderner gemacht. Dadurch können Anliegen des Nachwuchses schneller gebündelt und gezielter in die Fachgesellschaft eingebracht werden.

Gleichzeitig ist das Junge Forum zunehmend in zentrale Gremien der DGTHG eingebunden, unter anderem in die Kommission für Fort- und Weiterbildung der DGTHG. Auch in der Zeitschrift für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie (ZHTG) ist der Nachwuchs vertreten. Dadurch werden Perspektiven und Anliegen junger Herzchirurgen direkt in strukturrelevante Entscheidungen und die fachliche Diskussion integriert.

Warum sollte sich auch das Krankenhausmanagement für das Junge Forum interessieren?

Junges Forum: Weil hier zentrale Zukunftsthemen sichtbar werden: Ausbildungsqualität, Fachkräftesicherung und Arbeitszufriedenheit. Das Junge Forum liefert nicht nur Einblicke in die Realität des Nachwuchses, sondern entwickelt konkrete Ansätze, die langfristig auch die Versorgungsqualität im Krankenhaus sichern. Und was bleibt am Ende? Das Junge Forum ist mehr als ein Nachwuchsnetzwerk. Es ist ein zentraler Impulsgeber für Exzellenz, sowohl in der Herzchirurgie als auch in der Berufspolitik. Wer die Zukunft des Fachs gestalten will, kommt am Nachwuchs nicht vorbei. Genau hier setzt das Junge Forum an.

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