Paola Picotti erhält Schweizer Medizinforschungspreis
Die ETH-Professorin Paola Picotti wird mit dem Otto-Nägeli-Preis für medizinische Forschung 2026 ausgezeichnet. Sie hat eine Technologie entwickelt, mit der sie tausende von Proteinstrukturen mit einem Schlag untersuchen kann – ein wichtiges Werkzeug im Kampf gegen Alzheimer und Parkinson.

In ihrer Karriere hat Paola Picotti, Professorin für molekulare Systembiologie an der ETH Zürich, schon viel erreicht und dafür etliche internationale Auszeichnungen erhalten. Nun wird ihr auch der Otto-Nägeli-Preis für medizinische Forschung verliehen, einen der renommiertesten Preise der Schweiz in dieser Kategorie. Dotiert ist er mit 200'000 Franken.
Die Auszeichnung würdigt einerseits die herausragenden Leistungen von Picotti und ihrer Gruppe bei der Entwicklung von Massenspektrometrie-Technologien und andererseits deren Anwendung bei der Erforschung menschlicher Krankheiten.
Bemerkenswertes Vermächtnis
„Bisherige Auszeichnungen haben sich vor allem auf technologische Durchbrüche oder auf unsere Beiträge zur biologischen Grundlagenforschung bezogen. Der Otto-Naegeli-Preis zeichnet nun aus, wie sich diese Entdeckungen auf die Biomedizin und schließlich die menschliche Gesundheit auswirken. Das bedeutet mir viel“, erklärt die ETH-Professorin.
Bemerkenswert am Otto-Naegeli-Preis sei zudem sein Vermächtnis. Seit Jahrzehnten würdige er Forschende, deren Arbeit die biomedizinische Wissenschaft nachhaltig beeinflusst hätte. «Mit dieser Tradition in Verbindung zu stehen, ist sowohl eine große Ehre als auch eine Verantwortung», ergänzt die ETH-Professorin.
Mit dem Otto-Naegeli-Preis verbindet Picotti auch eine persönliche Erinnerung. „Als ich als junge Wissenschaftlerin gerade in der Schweiz angekommen war, konnte ich an einer Verleihung dieses Preises teilnehmen.“ Sie sei fasziniert gewesen, wie feierlich der Anlass war und von den außergewöhnlichen Leistungen, die gewürdigt wurden. „Ich war so stolz, einfach nur im Publikum zu sitzen und diesen Moment mitzuerleben. Jetzt, da ich mich auf der anderen Seite wiederfinde, fühlt es sich surreal an und wie der Höhepunkt einer langen und unerwarteten Reise“, sagt Picotti.
Pathologien auf neue Art auslesen
Zu Beginn ihrer Karriere konzentrierte sich das Feld der Proteomik darauf, Veränderungen der Proteinspiegel als Indikator für funktionelle Veränderungen in Zellen und Geweben zu messen. Als die Forscherin 2011 ihre Forschungsgruppe an der ETH Zürich gründete, erkannte Picotti jedoch die Grenzen dieses Ansatzes und entwickelte eine neue Methode, um die 3D-Strukturen (oder Formen) von Proteinen mithilfe eines Massenspektrometers zu scannen, zusätzlich zu ihrer Menge. Mit der sogenannten LiP-MS-Technologie konnte die Wissenschaftlerin Veränderungen in den 3D-Strukturen von Tausenden von Proteinen gleichzeitig direkt aus Forschungs- oder Patientenproben erfassen.
Schneller und hochsensibler 3D-Protein-Scanner
Mit dieser Technologie schuf Picotti einen hochsensiblen blitzschnellen 3D-Protein-Scanner, der physiologische und pathologische Veränderungen viel empfindlicher und umfassender erkennt als der klassische Ansatz.
Sie nutzte dann das Verfahren, um strukturelle Veränderungen von Proteinen bei verschiedenen neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson zu untersuchen und so die Krankheitsmechanismen zu entschlüsseln.
Darüber hinaus hat der Ansatz neue Forschungsrichtungen in verschiedenen Bereichen eröffnet – von der Untersuchung der Mechanismen anderer Krankheiten wie Krebs bis hin zur Identifizierung von Zielstrukturen für neue Wirkstoffe.
Picotti und ihr Team arbeiten nun an der Weiterentwicklung dieses Konzepts. „Jetzt, da wir Proteine mit veränderten 3D-Strukturen direkt aus Patientenproben nachweisen können“, sagt sie, „werden wir als Nächstes erforschen, wie man diese Strukturinformationen nutzen kann, um gezielt Wirkmoleküle zu designen, die diese Veränderungen korrigieren.“ Diese Projekte kann sie mit dem Preisgeld nun weiter vorantreiben.
Der Otto-Naegeli-Preis
Seit 1970 wird der Otto-Naegeli-Preis alle zwei Jahre an herausragende Persönlichkeiten der medizinischen Forschung in der Schweiz verliehen. Die Preissumme beträgt 200.000 Franken. Zu den Preisträgern der ETH Zürich in den 2000er Jahren gehören unter anderem Ruedi Aebersold (2010) und Nenad Ban (2018). Die Preisverleihung findet am 19. Mai 2026 an der ETH Zürich statt.











