21.08.2026 • News

Schlüsselprotein der frühen Pankreaskarzinom-Entstehung identifiziert

Für ihre wissenschaftlichen Leistungen bei der Aufklärung von molekularen Mechanismen bei der Entstehung von duktalen Adenokarzinomen des Pankreas ist Dr. rer. nat. Anne Theres Schneider vom Universitätsklinikum Düsseldorf mit dem Adolf-Kußmaul-Preis 2026 ausgezeichnet worden.

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© Wiley / shutterstock 61876528

Der von der Dr. Falk Pharma GmbH – Scientific & Educational Excellence Partner der Falk Foundation e.V. gestiftete und mit 5.000 Euro dotierte Preis wurde im Rahmen der 36. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Gastroenterologie in Heidelberg verliehen.

Die Wissenschaftlerin erforscht seit Jahren zelltodassoziierte Signalwege bei Leber- und Pankreaskarzinomen mit dem Ziel, neue Therapieoptionen für bislang schwer behandelbare Tumoren zu ermöglichen. Jetzt konnte das Team um Frau Dr. Schneider einen zentralen molekularen Regulator in frühen Stadien der Pankreaskarzinom-Entstehung identifizieren und charakterisieren [1].

Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) gehören nach wie vor zu den größten Herausforderungen der modernen Medizin: Jedes Jahr erkranken etwa 20.000 Menschen in Deutschland neu an einem Pankreaskarzinom. Etwa 90 % davon entfallen auf das duktale Adenokarzinom des Pankreas (PDAC), eine Krebsart, die von Epithelzellen des Pankreasgangs ausgeht [2]. Die Behandlungsoptionen sind begrenzt, selbst neuere Therapieansätze haben bislang enttäuschende Ergebnisse ergeben. Die Prognose der betroffenen Patientinnen und Patienten ist meist schlecht.

TAK1: eine mögliche therapeutische Zielstruktur

Um Fortschritte bei der Behandlung von Menschen mit PDAC zu erzielen, ist es erforderlich, die zugrundeliegenden Krankheitsprozesse genauer als bislang zu verstehen. Ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg ist von der Arbeitsgruppe um Dr. rer. nat. Anne Theres Schneider vom Universitätsklinikum Düsseldorf erreicht worden. Das Team konnte einen zentralen molekularen Regulator identifizieren und charakterisieren, der in den frühen Stadien der Pankreaskrebsentstehung von großer Bedeutung ist: das Enzym TAK1 (Transforming Growth Factor-β-Activated Kinase 1). Die Experten halten dieses Eiweiß für eine vielversprechende Zielstruktur, um neue Therapien zu entwickeln, die in frühen Stadien der Pankreaskrebs-Entstehung wirksam sein könnten [1].

Hintergrund: Ein zentrales Frühereignis bei der Entstehung eines duktalen Adenokarzinoms des Pankreas ist, dass einige Drüsenzellen ihre spezialisierte Funktion verlieren und in Pankreasgang-ähnliche Vorläuferzellen umprogrammiert werden. Eigentlich ist das ein normaler Reparaturmechanismus des Körpers, um nach Gewebeschäden die Regeneration zu ermöglichen. Wenn jedoch eine bestimmte genetische Mutation vorliegt (KRAS-Mutation), entstehen Vorstufen bösartiger Zellen, die schließlich zur Entwicklung eines Karzinoms, eben des PDAC führen.

Das Enzym TAK1 wird durch Signalwege aktiviert, die an der initialen Re-Programmierung von Pankreasdrüsenzellen beteiligt sind. Es hemmt den programmierten Zelltod und fördert auf diese Weise das Überleben von Krebsvorstufen. Dem Forschungsteam ist es unter anderem gelungen nachzuweisen, dass sich mit der pharmakologischen Hemmung von TAK1 die Tumorentstehung unterbinden lässt [1].

„Aufbauend auf diesen Daten wird aktuell ein systematisches Library-Screening hochspezifischer TAK1-Inhibitoren durchgeführt“ erklärt Dr. Schneider in der für die Begutachtung eingereichten Projektbeschreibung. Dabei konnten bereits in der ersten Screening-Runde zehn vielversprechende Kandidaten für medikamentöse Hemmstoffe von TAK1 identifiziert werden. Diese werden nun zunächst tierexperimentell geprüft. „Meine Forschung zielt damit auf die Etablierung innovativer Strategien zur gezielten Steuerung von Zelltodprozessen mit dem übergeordneten Ziel, neue therapeutische Perspektiven für bislang schwer behandelbare Tumore zu schaffen.“

Über den Adolf-Kußmaul-Preis

Der Adolf-Kußmaul-Preis wird seit 1991 jährlich an junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verliehen, die mit ihren Originalarbeiten herausragende Beiträge zur Gastroenterologiue und Hepatologie leisten. Namensgeber des Preises ist Adolf Kußmaul (1822-1902), ein Pionier der modernen Gastroenterologie und Endoskopie. Die Preisverleihung findet jedes Jahr im Rahmen der Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Gastroenterologie in Stuttgart statt. Stifter des mit 5.000 Euro dotierten Preises ist die Dr. Falk Pharma GmbH – Scientific & Educational Excellence Partner der Falk Foundation e.V.

Literatur

[1] Schneider AT, Koppe C, Crouchet E et al. Nat Commun 2025; 16(1):1765. doi: 10.1038/s41467-025-56493-7
[2] Robert-Koch-Institut, Zentrum für Krebsregisterdaten, Stand 26.02.2026

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