Studie zeigt Präventions-Paradox in Deutschland
Eine YouGov-Studie zum Weltkrebstag offenbart: Vier von fünf finden Vorsorge wichtig – doch nur jeder Zweite geht regelmäßig hin. Und besonders Männer sind zurückhaltend.

Die Stärkung der Prävention im deutschen Gesundheitssystem ist politisch gewollt und gesellschaftlich akzeptiert. Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine erhebliche Lücke: Zwar halten 84 Prozent der Deutschen medizinische Vorsorge für wichtig – doch nur 42 Prozent nehmen Termine regelmäßig wahr. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag von Doctolib anlässlich des Weltkrebstages am 4. Februar 2026.
Besonders problematisch: Bei Männern ist die Vorsorgebeteiligung signifikant geringer. Während 49 Prozent der Frauen Vorsorgetermine regelmäßig wahrnehmen, sind es bei Männern nur 34 Prozent. Fast ein Viertel der Männer (23 Prozent) geht sogar nur anlassbezogen bei Beschwerden zum Arzt – bei Frauen sind es 14 Prozent. Dieser Gender Gap hat Folgen für die Volksgesundheit: Laut den Daten des Robert Koch-Instituts sind Männer von vielen Krebsarten häufiger betroffen, gehen aber seltener zur Früherkennung.
Zeitmangel, Vergesslichkeit und fehlende Information als Hauptbarrieren
Die Umfrage dokumentiert die Ursachen: Trotz hoher Wertschätzung von Vorsorge scheitert die regelmäßige Teilnahme oft an strukturellen Barrieren. Nur 61 Prozent der Deutschen fühlen sich gut informiert darüber, welche Vorsorgeuntersuchungen in ihrem Alter und für ihr Geschlecht empfohlen werden. Ein Drittel (34 Prozent) fühlt sich schlecht oder sehr schlecht informiert.
Als Haupthindernisse nennen die Befragten Zeitmangel durch Beruf und Familie, Vergesslichkeit sowie organisatorische Hürden bei der Terminvereinbarung. Hinzu kommt die geringe Gesundheitskompetenz der Bevölkerung: Laut RKI weisen etwa vier Fünftel der Deutschen eine geringe allgemeine Gesundheitskompetenz auf – bei Männern zeigt sich im Altersverlauf keine Verbesserung (RKI Panel 2024).
Fast 500.000 Vorsorgetermine durch digitale Erinnerungen
Dass digitale Lösungen Präventionslücken schließen können, zeigen aktuelle Daten: Seit Einführung individueller Gesundheitserinnerungen von Doctolib im Juli 2025 wurden über diese Funktion mehr als 500.000 Vorsorgetermine in Deutschland direkt gebucht – bei insgesamt 6,9 Millionen gelesenen Erinnerungen (Doctolib-Daten, Stand Januar 2026). Zusätzlich haben Praxen über automatisierte Recall-Systeme mehr als 1,13 Millionen Patientinnen und Patienten erfolgreich an fällige Kontrolltermine erinnert und zur Terminbuchung aktiviert.
Die Zahlen zeigen: Digitale Erinnerungen funktionieren als Brücke zwischen gesundheitspolitischen Zielen und konkretem Patientenverhalten. Sie übersetzen die Absicht zur Vorsorge in tatsächliches Handeln – niedrigschwellig, systematisch und in den Versorgungsalltag integriert. Auch die YouGov-Umfrage bestätigt die hohe Akzeptanz: 73 Prozent der Befragten geben an, dass digitale Erinnerungen per App, SMS oder E-Mail sie dabei unterstützen würden, Vorsorgetermine häufiger wahrzunehmen.
Die digitale Warteliste von Doctolib trägt zur Effizienz im ambulanten Sektor bei: Seit Januar 2025 konnten über 7,5 Millionen abgesagte Termine kurzfristig neu besetzt werden. Das reduziert Ausfälle, verbessert die Praxisauslastung und verkürzt Wartezeiten.
Krebsfrüherkennung führt bei Vorsorgeterminen
Die Buchungsdaten zeigen: Krebs ist das wichtigste Vorsorgethema. 32,3 Prozent aller über Doctolib gebuchten Präventionstermine seit Januar 2025 entfallen auf Krebsfrüherkennung (unspezifisch), gefolgt von Hautkrebs-Screening (19,5 Prozent) und allgemeinen Gesundheits-Check-ups (18,3 Prozent). Darmkrebs-Früherkennung macht 7,5 Prozent, Brustkrebs-Früherkennung 5,7 Prozent und Prostata-Früherkennung 1,0 Prozent der Buchungen aus.
Besonders die 35- bis 44-Jährigen reagieren mit knapp 22 Prozent am häufigsten auf Gesundheitserinnerungen. Der Gender Gap zeigt sich auch hier: Frauen interagieren mehr als doppelt so häufig wie Männer mit digitalen Erinnerungen (67 zu 33 Prozent).
Die Fachgesellschaften betonen die Bedeutung von Früherkennung: Viele Krebsarten sind bei frühzeitiger Diagnose gut behandelbar oder sogar heilbar.
Vom kurativen zum präventiven Gesundheitssystem
Nikolay Kolev, CEO von Doctolib Deutschland, sieht in den Daten einen Handlungsauftrag: „Wir sehen ein klares Präventions-Paradox: Vier von fünf Deutschen halten Vorsorge für wichtig, aber viele kommen nicht ins Handeln. Hier setzen digitale Gesundheitserinnerungen mit einfachem Zugang an: Sie führen direkt zur Online-Terminbuchung oder lassen sich mit einem Klick als erledigt markieren. Jeder wahrgenommene Vorsorgetermin kann potenziell Leben retten, Kosten sparen und das Gesundheitssystem nachhaltig entlasten. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit der Ärzteschaft ein System aufzubauen, das nicht nur die Behandlung von Erkrankungen, sondern Vorsorge in den Mittelpunkt stellt."
Aufklärungskampagnen ergänzen Erinnerungssysteme
Lea Cassebaum, Director Prevention bei Doctolib, betont die Bedeutung niedrigschwelliger Interventionen: „Der Alltag kommt oft dazwischen – selbst wenn Menschen Vorsorge wichtig finden. Personalisierte Gesundheitserinnerungen und gezielte Aufklärung, wie sie beispielsweise in unseren Krebsvorsorgekampagnen angeboten werden, erinnern daran, wichtige Vorsorgetermine zu buchen – einfach über die App in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit oder abends auf der Couch."
Männergesundheit ganzheitlich denken
Aus ärztlicher Sicht ist der Gender Gap bei der Vorsorgebeteiligung ein bekanntes, aber oft unterschätztes Problem. Dr. med. Bernhard Schoensee, Facharzt für Urologie in Berlin:
„Männer kommen häufig zu spät zur Vorsorge – das zeigen nicht nur die Zahlen, sondern auch mein Praxisalltag. Dabei geht es bei Gesundheit um weit mehr als eine einzelne Untersuchung: Schlaf, Sport, Ernährung, Stressabbau – all das gehört dazu. Ärztinnen und Ärzte sollten Zeit haben, diese Themen anzusprechen und nicht nur Rezepte auszustellen. Wenn Patienten durch digitale Erinnerungen früher und regelmäßiger zur Vorsorge kommen, gewinnen beide Seiten: Die Patienten übernehmen Verantwortung für ihre Gesundheit, und wir können Krankheiten verhindern, statt sie später behandeln zu müssen."
Für Praxen bedeuten digitale Erinnerungs-Systeme: höhere Vorsorgebeteiligung, bessere Auslastung und weniger administrativer Aufwand. Für das Gesundheitssystem: weniger vermeidbare Spätdiagnosen, Entlastung durch Früherkennung und mehr Ressourcen für die Versorgung der Patient:innen.
Informationen zur Studie
Die Umfrage wurde vom 26. bis 28. Januar 2026 vom Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag von Doctolib durchgeführt. Befragt wurden 2.056 Personen ab 18 Jahren in Deutschland. Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und die Ergebnisse anschließend gewichtet. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.
















