21.10.2026 • News

Teamarbeit für die Medizin von morgen

Die Integrative Onkologin Prof. Dr. Jutta Hübner wird mit dem Lehrpreis 2026 der Friedrich-Schiller-Universität Jena ausgezeichnet.

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Die Integrative Onkologin Prof. Dr. Jutta Hübner von der Universität Jena.
© UKJ

Die Diagnose Krebs ist ein Schock für jeden Patienten. Obwohl viele Krebsarten gute Heilungschancen haben, wird die Diagnose als lebensbedrohlich wahrgenommen. Im besten Fall treffen die Erkrankten auf ein Team verschiedener Disziplinen, das im Zusammenspiel die je optimale Therapie und Therapieunterstützung gewährleistet. Viele Patientinnen und Patienten fragen sich, was sie zusätzlich tun können, um ihre Heilungschancen zu verbessern. Ins Blickfeld rücken so Ernährung, Sport und die Psyche. Diesem ganzheitlichen Ansatz folgt Prof. Dr. Jutta Hübner von der Friedrich-Schiller-Universität Jena mit ihrer Lehrveranstaltung „Querschnitt 12 – Kompetenz interfakultär!“, der Simulation eines Kurortes mit mehreren Rehakliniken. Die Inhaberin der Professur für Integrative Onkologie wird dafür mit dem themenbezogenen Lehrpreis 2026 geehrt. Die Auszeichnung wird zum „Dies Legendi“, dem Tag der Lehre, am 17. November verliehen.

Fächerübergreifende Kommunikation muss geübt werden

„Im Zentrum jeder integrativen Behandlung steht die Kommunikation zwischen den Ärzten und den Patienten und die Kommunikation der Mediziner untereinander“, sagt Jutta Hübner. Diese fächerübergreifende Kommunikation müsse selbstverständlich und deshalb geübt werden. Genau dafür wurde das jetzt prämierte Lehrkonzept entwickelt. Im Kern ist es ein digitales Planspiel, das den Alltag in den Rehakliniken darstellt. Das Seminar geht über drei Tage, jeder Tag steht dabei für eine Woche in der Klinik. „Es beginnt mit der Aufnahme der Patienten, weiter über das Erstellen von Therapieplänen bis hin zu einem Abschlussgespräch mit Protokoll über den Erfolg der Behandlung“, sagt Prof. Hübner. Technische Basis ist ein digitaler Raum in Zoom mit Informationen in Moodle unterstützt, die Patienten werden von Mitarbeitern gespielt. Die Gründe für den Klinikaufenthalt sind vielfältig. So sei eine Leistungssportlerin wegen einer Knöchelverletzung in der Klinik. Doch kristallisiere sich heraus, dass die junge Frau auch an einer Essstörung leidet. Hier muss das behandelnde Team überlegen, ob die Eltern involviert werden sollten oder vielleicht die Trainer. Für die Würze sorgten Störmanöver der Patienten, sagt Jutta Hübner: Ein Patient wird beim Rauchen erwischt und ist darüber hinaus noch alkoholisiert. Auch in einem solchen Fall müssen tragfähige Lösungen gefunden werden.

Das Zuhören erlernen, andere Ansichten akzeptieren

Das Lehrkonzept des imaginierten Kurortes bezieht Studierende verschiedener Fachrichtungen und unterschiedlicher Standorte ein. So kommen die Medizinstudierenden aus Jena und Leipzig, Studierende der Psychologie und Ernährungswissenschaften aus Jena, Studierende der Sozialen Arbeit sind aus Wiesbaden. Prof. Hübner sagt, nach Möglichkeit werden angehende Sportmediziner (aus Leipzig) dazu genommen, auch künftige Pharmazeuten aus Jena und anderen Universitäten seien willkommen. „Gern würde ich in unsere Übung auch nichtakademische Berufe aufnehmen“, sagt Jutta Hübner, etwa Physiotherapeuten oder Pflegefachleute. Obwohl nur eine Simulation, soll das Lehrformat nah an der Realität sein. Ernsthaft, aber nicht ernst, nennt es Jutta Hübner, mit einer gewissen Lockerheit. „Jedes Gespräch mit einem Patienten ist zunächst einmal das Gespräch mit einem Menschen, diese Einstellung müssen wir verinnerlichen“, sagt sie. Das Zuhören müsse gelernt werden, das Akzeptieren eigener Ansichten und Ideen der Patienten. Dabei gelte es, therapieunterstützende Maßnahmen zu befördern, solange sie evidenzbasiert und kein Hokuspokus sind.

Das Format zu einer Akutklinik weiterentwickeln

Das Lehrformat „Querschnitt 12 – Kompetenz interfakultär“ gehört zum Wahlpflichtfach, die drei „Wochen“ in der Kurklinik liegen in den Semesterferien. Pro Fachrichtung können bis zu zehn Studierende teilnehmen. Das Format wird jedes Jahr neu aufgelegt, zum Team der Lehrenden gehören neben Jutta Hübner noch Helena Pagiatakis und Anne Christel, Christian Keinki, Clemens Wolf, Louisa Schäfer und Mahmut Elnahas. Ein Traum wäre es, das Format weiterzuentwickeln, einmal zu einer Akutklinik und zweitens in eine Form, bei der Migranten eingebunden werden. Sie spielen ja im Gesundheitswesen zunehmend eine Rolle, als Mediziner ebenso wie als Patienten. Das Preisgeld von 2.500 Euro würde das Team gerne für Schauspielpatienten einsetzen, um die Szenen noch vielfältiger und realistischer zu gestalten.

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07743 Jena
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