20.05.2026 • News

Wie Österreichs Kliniken "klimafitter" werden

Der Österreichische Verband Grüner Krankenhäuser zeichnete in Eisenstadt Projekte aus, die zeigen, wo Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen konkret wird.

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Die Preisträger
© Lexi

Wer an Klimaschutz im Krankenhaus denkt, denkt oft zuerst an Photovoltaik, Gebäudetechnik oder Energieversorgung. Die diesjährigen Innovations- und Nachhaltigkeitspreise des Österreichischen Verbandes Grüner Krankenhäuser zeigen ein breiteres Bild: Klimafitte Gesundheitsversorgung entsteht auch in Diagnostiklaboren, in Ausbildungscurricula, auf Patiententellern, in begrünten Innenhöfen und in Hitzeschutzkonzepten für besonders vulnerable Menschen.

Beim 67. Kongress für Krankenhausmanagement in Eisenstadt wurden sechs Projekte und ein Sonderpreis ausgezeichnet. Die prämierten Einreichungen machen sichtbar, wie unterschiedlich Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen umgesetzt werden kann – und wie eng ökologische Verantwortung, Gesundheitsförderung, wirtschaftliche Vernunft und die Zukunftsfähigkeit von Gesundheitseinrichtungen inzwischen zusammenhängen.

Gerade Krankenhäuser stehen dabei vor einer doppelten Aufgabe: Sie müssen ihre eigenen Emissionen und Ressourcenverbräuche reduzieren und sich zugleich auf die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels vorbereiten. Hitzeperioden, Unwetter, steigende Anforderungen an die Strukturen und knapper werdende Ressourcen machen deutlich, dass Nachhaltigkeit auch eine Frage der Belastbarkeit und Versorgungssicherheit ist.

„Nachhaltigkeit wird im Krankenhaus dann wirksam, wenn sie nicht als Einzelprojekt verstanden wird, sondern als Teil guter Organisation“, sagt ÖVGK-Präsident Hon.-Prof. (FH) MMag. Dr. Wolfgang Deutz, MAS MSc. „Die ausgezeichneten Einrichtungen zeigen, dass Klimaschutz nicht abstrakt bleiben muss. Er kann in der Küche beginnen, im Labor messbar werden, in der Ausbildung weitergegeben werden und im Sommer Leben schützen.“

Der erste Platz in der Kategorie Burgenland ging an die Gesundheit Burgenland für einen Dekarbonisierungsfahrplan, der Nachhaltigkeit strukturell in der Unternehmensstrategie verankert. Die Jury betonte den hohen Impact und die klare zeitliche Staffelung der Maßnahmen.

Die Hochschule Burgenland wurde gleich zweimal mit einem zweiten Platz ausgezeichnet: für „GreenHealthLearning“, ein digitales Lerntool für klima- und gesundheitskompetentes Handeln, sowie für einen Selbstlernkurs, der Klimakompetenz studiengangsübergreifend als Zukunftskompetenz für Gesundheitsberufe vermittelt. Beide Projekte setzen dort an, wo langfristige Veränderung beginnt: bei Wissen, Haltung und professioneller Handlungskompetenz.

Österreichweit überzeugten die Tirol Kliniken mit der ARGE „my green labs“. Die Initiative nimmt klinische Labore in den Blick – einen Bereich, der für Diagnostik unverzichtbar ist, aber zugleich hohe Anforderungen an Energie, Verbrauchsmaterialien und Prozesse stellt. Die Jury bezeichnete das Projekt als Leuchtturminitiative mit hohem Impact.

Das Landeskrankenhaus Villach wurde für die Planetary Health Diet mit dem zweiten Platz ausgezeichnet. Das Projekt zeigt, wie Krankenhausküche zur Gesundheitsförderung beitragen kann: mit einer stärker pflanzenbetonten, saisonalen und ausgewogenen Verpflegung, die Ressourcen schont und gleichzeitig ernährungsmedizinische Qualität in den Mittelpunkt stellt.

Das Krankenhaus der Elisabethinen Klagenfurt erhielt den dritten Platz für die „Gärten der Salutogenese und Biodiversität“. Die Gärten schaffen kühlere, angenehme Aufenthaltsräume und verbinden Biodiversität mit Begegnung, Erholung sowie musik- und gartentherapeutischen Angeboten.

Ein Sonderpreis für Hitzeschutz anlässlich des im Juni stattfindenden Hitzeaktionstags ging an Kokon Bad Erlach. Das dort entwickelte Konzept gegen sommerliche Überwärmung wurde von der Jury als besonders wirksam und zugleich gut übertragbar bewertet.

„Die Klimakrise ist längst auch ein Gesundheitsthema“, sagt Deutz. „Umso wichtiger ist, dass Krankenhäuser nicht nur reagieren, sondern selbst zu Orten werden, an denen Lösungen sichtbar werden. Wer heute in nachhaltige Strukturen investiert, stärkt auch die Handlungsfähigkeit der Gesundheitsversorgung von morgen.“

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