Von Heidelberg in den Himalaya: Wie in Nepal Schlaganfälle besser versorgt werden können
Neurologin Dr. Christine Tunkl wurde am Universitätsklinikum Heidelberg für die Kooperation in der Schlaganfallversorgung mit Engagement-Preis des Entwicklungsministeriums ausgezeichnet.


Dr. Christine Tunkl, Ärztin an der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg, AG Versorgungsforschung, wurde für das von ihr initiierte Nepal Stroke Project mit dem Engagement-Preis des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ausgezeichnet. Das Nepal Stroke Project ist eine Kooperation zwischen der Neurologischen Klinik am Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD), und nepalesischen Kliniken für die Verbesserung der Schlaganfallversorgung in Nepal. Schulungen und die Einführung standardisierter Behandlungsprotokolle verbessern die Schlaganfallversorgung in einem Land, in dem ein Fünftel der 30 Millionen Einwohner unterhalb der Armutsgrenze lebt.
Auszeichnung würdigt herausragenden Einsatz bei Entwicklungszusammenarbeit
Bundes-Entwicklungsministerin Svenja Schulze übergab den Preis an Dr. Christine Tunkl und vier weitere Preisträger beim Tag der offenen Tür des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). „Deutschland ist immer gut damit gefahren, auf internationale Zusammenarbeit zu setzen. Zu diesem Engagement zählen neben Politik und Wirtschaft auch die vielen zivilgesellschaftlichen Organisationen und engagierten Bürger*innen im ganzen Land. Stellvertretend für sie alle werden heute fünf Bürger*innen mit dem Engagement-Preis ausgezeichnet. Ihr Einsatz zeigt, dass eine gerechtere und umweltverträglichere Welt möglich und jeder Mühe wert ist“, so Entwicklungsministerin Schulze.
„Ich freue mich riesig über diese Auszeichnung für unser Projekt, das wir aus der Neurologie heraus so erfolgreich betreiben“, sagt Christine Tunkl. „In Nepal - so wie in den meisten Ländern der Welt - erleidet jeder vierte Mensch im Laufe seines Lebens einen Schlaganfall. Dennoch wurden hier Schlaganfälle bisher nur unzureichend behandelt. Mit dem Nepal Stroke Project unterstützt die Neurologische Klinik am UKHD effektiv den Ausbau der Gesundheitsversorgung vor Ort, um die gesundheitlichen und sozialen Folgen dieser Erkrankung spürbar zu reduzieren. Der Engagement-Preis ist für uns eine Bestätigung und ein Ansporn, diesen Weg entschlossen weiter zu gehen“, so Christine Tunkl.
Heidelberger Neurologie-Expertise für das Himalaya
Wie in vielen westlichen Ländern ist der Schlaganfall eine der häufigsten Ursachen für Todesfälle und schwere Gesundheitsschäden in Nepal. In enger Zusammenarbeit mit Experten der World Stroke Organization und der Angels Initiative haben Christine Tunkl und ihr Ehemann Patrick das Projekt im Jahr 2020 als Kooperation zwischen der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg und der Nepal Stroke Association initiiert, um die Schlaganfallversorgung zu verbessern.
Das Projekt setzt dabei von Beginn an auf mehrere Säulen. „Einerseits organisieren wir vor Ort und online regelmäßig Fortbildungen und Ausbilder-Lehrgänge. So lernen immer mehr Ärzte und Pflegepersonal in Nepal Schlaganfälle behandeln“, erklärt Nima Begli, Neurologe am UKHD, der bereits zahlreiche Workshops in nepalesischen Kliniken durchgeführt hat. Eine Untergruppe des Projekts unter Leitung von Jessica Golenia, Pflegewissenschaftlerin in der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg, adressiert speziell den Ausbildungsbedarf der Pflege. Mit Erfolg: Inzwischen wurde in über zehn Krankenhäusern medizinisches und pflegerisches Personal darin geschult, Schlaganfälle zu erkennen und Betroffene nach internationalen Standards zu behandeln.
Auch wissenschaftliche Ziele
„Das Projekt dient neben der unmittelbaren Hilfe vor Ort aber auch wissenschaftlichen Zielen,“ ergänzt Professor Christoph Gumbinger, Leiter der Forschungsgruppe Versorgungsforschung an der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg, der das Projekt wissenschaftlich begleitet. Die medizinische Fachgesellschaft vor Ort, die Nepal Stroke Association, hat erfolgreich ein Schlaganfall-Register etabliert, das einen Überblick über Versorgungsbedarfe und die Behandlungsqualität ermöglicht. „Die Prozessbegleitung und die dabei gewonnen wissenschaftlichen Daten sind eine wichtige Grundlage. Einerseits können damit lokale Gesundheitsbehörden die Versorgung effektiv verbessern, andererseits können auch weitere ressourcenarme Länder aus den Erfahrungen des Projektes profitieren“, so Gumbinger.
Das Projekt engagiert sich auch in der öffentlichen Gesundheitsbildung und informiert auf Informationsveranstaltungen, Social Media und mit Flyern und Postern über Symptome und die Behandlung von Schlaganfällen. „Beim Schlaganfall zählt jede Sekunde. Jeder und jede sollte einen Schlaganfall erkennen können und bei Schlaganfallverdacht schnellstmöglich ins Krankenhaus gebracht werden – das soll nicht nur in Deutschland so sein, sondern auch in Nepal“, sagt Tunkl. Inzwischen hat das Projekt 20 Mitglieder aus Heidelberg und Nepal, die aktiv im Projekt arbeiten. Gemeinsam versuchen sie, lokale Gesundheitsbehörden und Regierungen von dem Nutzen einer guten Schlaganfallversorgung zu überzeugen und die Schlaganfallversorgung wissenschaftlich fundiert in die nationale Gesundheitspolitik zu integrieren.
Das Nepal Stroke Project wird gefördert durch finanzielle Mittel des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und unterstützt durch das Förderprogramm Klinikpartnerschaften der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).
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