Blutrückstände – der kritische Faktor Trocknungszeit
Die größte Herausforderung bei der Entwicklung zeitgemäßer Prozesschemikalien für die Medizinprodukteaufbereitung ist es, eine breite Materialverträglichkeit bei kompromisslos guter und verlässlicher Reinigungsleistung zu bieten.

Um das trotz der ständig steigenden Anforderungen und zunehmenden Komplexität der aufzubereitenden Instrumente leisten zu können, ist es unerlässlich, genau zu verstehen, wie sich die typischen Operationsrückstände im Reinigungsprozess verhalten. Blut ist dabei eine der gängigsten Verschmutzungen, die sich auf Medizinprodukten findet. Und doch zeigt sich immer wieder, dass wir selbst über eine so grundlegende Kontamination wie Blut längst nicht alles wissen.
Je oller, je doller? Antrocknendes Blut auf Instrumenten
Die Annahme, dass Blutrückstände sich umso schwerer entfernen lassen, je stärker sie angetrocknet sind, ist weit verbreitet, weshalb für die Aufbereitung von Medizinprodukten üblicherweise empfohlen wird, diese spätestens innerhalb von sechs Stunden nach der Kontamination zu reinigen und auf diese Weise nachteilige Effekte für Materialschutz und Reinigungsergebnis zu vermeiden. Tatsächlich ist die Realität aber komplexer – mit Folgen für die Praxis der Medizinprodukteaufbereitung. Besonders im Zeitfenster der ersten sechs Stunden hängt die Hartnäckigkeit von Blutrückständen nicht linear mit der Standzeit zusammen. Der Grund dafür: hier überlagern sich zwei Prozesse, die Koagulation des Blutes und die Trocknung. Die nach kurzer Zeit einsetzende Gerinnung führt dazu, dass das Blut sich verfestigt und eine klebrige Barriere bildet. Dies erfüllt einen lebenswichtigen Zweck im Organismus, stellt aber gleichzeitig eine Herausforderung für die Reinigerlösung dar. Parallel dazu trocknet das Blutgerinnsel unter typischen Umgebungsbedingungen aus, wodurch es an Volumen verliert und brüchig wird. In dieser Phase kann es leichter durch die Prozesschemie abgewaschen werden, sofern die Trocknung hinreichend fortgeschritten ist. Erst bei deutlich verlängerten Standzeiten führen chemische Veränderungen dazu, dass angetrocknetes Blut hartnäckiger wird [1,2].
Folgen für die Praxis
Bedeutsam ist dies nicht nur für die Aufbereitungspraxis in der AEMP, wo unvorteilhafte Standzeiten zu Unregelmäßigkeiten im Reinigungsergebnis führen können, sondern auch für die Qualifikation von Reinigungsprozessen, die üblicherweise mit Klemmen überprüft werden, die zuvor mit Blut angeschmutzt wurden. Werden dabei standardisierte Trocknungszeiten und -bedingungen nicht eingehalten, sind Reproduzierbarkeit und Vergleichbarkeit der auf diesem Wege erhaltenen Restproteinwerte nicht gewährleistet.
Literatur










