Ergänzende parenterale Ernährung verbesserte Überlebenszeit und Komplikationsraten


Eine gezielte Ernährungsintervention mit supplementierender parenteraler Ernährung verlängerte die Überlebenszeit von Pa-tienten mit fortgeschrittenem Kolorektalem Karzinom um mehr als sechs Monate. Zudem verringerte sie die Rate gastrointestinaler Beschwerden sowie die Nebenwirkungen der Chemotherapie und erhöhte die Lebensqualität der Patienten.
Dies ergab eine aktuelle prospektive Studie des Universitätsklinikums Mannheim in der Fachzeitschrift „Colorectal Disease". „Unsere Untersuchung zeigt, dass bei Patienten mit Kolorektalem Karzinom eine Kombination von oraler und parenteraler Ernährung zahlreiche Vorteile aufweist", so Prof. Edward Shang, der Leiter der Studiengruppe.
Die Mannheimer Forschergruppe hatte ein Kollektiv von 82 Patienten mit fortgeschrittenem Kolorektalem Karzinom (UICC Stadium IV) untersucht, die zufällig einer von zwei Gruppen zugewiesen wurden. Voraussetzung war ein unfreiwilliger Gewichtsverlust von mindestens 5 % Körpergewicht in 3 Monaten oder ein BMI von kleiner 20 kg/m2. Alle Patienten erhielten eine palliative Chemotherapie mit 5 FU und Folinsäure. Während sich die Mitglieder der Gruppe PN- ausschließlich oral und enteral ernährten, erhielt Gruppe PN+ eine Mischung aus oraler und parenteraler Ernährung. Die durchschnittliche Überlebenszeit differierte signifikant um 6,5 Monate (10,2 vs. 16,7 Monate) zugunsten von Gruppe PN+. Durchfall (9 % vs. 24 %), Erbrechen (12 % vs. 38 %), Unterleibsschmerzen (18 % vs. 37 %) und andere gastrointestinale Symptome traten in Gruppe PN+ deutlich seltener auf als bei den oral ernährten Personen. Auch die Häufigkeit von Mukositis, einer oftmals vorkommenden Nebenwirkung der Chemotherapie, war bei den zusätzlich parenteral ernährten Patienten signifikant reduziert (22 % vs. 32 %). „Die geringere Mukositis-Rate lässt sich möglicherweise dadurch erklären, dass die parenterale Ernährung den Proteinanteil des Körper stabilisiert", vermutet Shang.
Signifikante Unterschiede bei BMI und Körperzellmasse
Obwohl alle Patienten die gleiche Menge an Kalorien und Protein erhielten, blieben der Body Mass Index (BMI) sowie die Körperzellmasse nur bei Gruppe PN+ konstant. Bei Gruppe PN- sank der BMI nach 36 Wochen signifikant ab, die Körperzellmasse sogar bereits nach sechs Wochen. „Patienten mit Kolonkarzinom sind häufig übergewichtig. Dennoch besteht ein erhöhtes Risiko für Mangelernährung. Dies hängt mit der Körperzellmasse zusammen, die trotz vorhandenen Übergewichts oftmals reduziert ist", erläutert Shang die Relevanz dieses in der Studie untersuchten Parameters und erklärt: „Die Ernährungstherapie kann das Outcome der Primärtherapie deutlich verbessern - sie sollte somit als ein wichtiger Bestandteil eines ganzheitlichen Therapiekonzeptes betrachtet werden." Auch die Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für klinische Ernährung und Stoffwechsel (ESPEN) empfehlen bei unheilbar kranken Krebspatienten mit unfreiwilligem Gewichtsverlust aufgrund reduzierter Nahrungsaufnahme (< 60 % des geschätzten Energiebedarfs für mindestens 10 Tage) eine zusätzliche parenterale Ernährung (Evidenzgrad B).
- Hasenberg T et al. Colorectal Dis 2010, 12:e190-e199
- Bozzetti F et al. Clin Nutr 2009, 28:445-454
Anbieter
Fresenius Kabi Deutschland GmbH-Else-Kröner-Str. 1
61352 Bad Homburg
Deutschland
Meist gelesen

Hygienebeauftragte wirksam einsetzen: Warum Freistellung kein Luxus ist
Die Analyse der Freistellung von Hygienebeauftragten in Kieler Krankenhäusern zeigt, wie unterschiedlich die Einrichtungen mit dieser zentralen Funktion umgehen.

Gelnägel im Gesundheitswesen: Risiko für Patienten?
Künstliche Fingernägel sind im Gesundheitswesen mit einer höheren mikrobiellen Besiedlung verbunden.

Sensoren machen Operationssäle schlau - Wie Roboter zu OP-Assistenten werden
Wie können Roboter und Menschen in Zukunft bestmöglich im OP zusammenarbeiten? Das haben Forschende der Technischen Universität München (TUM) und des TUM Klinikums im Forschungsprojekt ForNeRo untersucht.

Schockraum-Simulationen für besseres Arbeiten
Im Schockraum versorgen Ärzte und Pflegekräfte unter Druck schwerstverletzte
Patienten. Ein KI-gestütztes System soll diese Abläufe optimieren.

Wer haftet bei der Versorgung chronischer Wunden?
Die Versorgung akuter und insbesondere chronischer Wunden ist durch eine enge Zusammenarbeit zwischen ärztlichen und pflegerischen Berufsgruppen geprägt.





