Roboter in der Wirbelsäulenchirurgie – Präzision gefragt



Mit Hilfe von Roboter-Systemen können heute Wirbelsäulenoperationen am Bildschirm geplant und mit höchster Genauigkeit durchgeführt werden. Mit der neuen Technik „Renaissance“ sowie dem Vorgänger „SpineAssist“ (beide Mazor Robotics) ist das Platzieren von Implantaten auch minimalinvasiv möglich (Abb. 1 und 2).
Eine optimale Planung der Operation und verbesserte Arbeitsabläufe während des Eingriffs bei einem gleichzeitig geringeren Einsatz von Röntgenstrahlung erleichtern Chirurgen und OP-Personal die Arbeit.
Dr. med. Christof Birkenmaier, Oberarzt an der Orthopädischen Klinik Großhadern, LMU München, arbeitet seit drei Jahren mit dieser modernen Operationstechnik und hat bereits über 100 Eingriffe durchgeführt. Im folgenden Interview berichtet er über seine Erfahrungen mit der neuen Technik.
Welches sind die größten klinischen Vorteile?
Dr. Christof Birkenmaier: Mit dem Roboter ist eine hohe Sicherheit gewährleistet, auch bei minimalinvasivem Operationssetting. Insbesondere bei Patienten mit anatomischen Varianten, Osteoporose, Adipositas oder Deformitäten sind 2-D-Röntgenbilder mitunter schwierig zu beurteilen. Bei der Positionierungshilfe ermöglichen die gewonnenen 3-D-Bilder und die Planungssoftware den Eingriff sehr genau vorzubereiten, am Bildschirm durchzuspielen und die Schrauben dann beim eigentlichen Eingriff mit höchster Präzision zu platzieren. Durch die umfassende Planung kann ich potenzielle Gefahren bereits im Vorfeld erkennen und Komplikationen vermeiden, zum Beispiel das Abrutschen des Bohrers bei schwierigen anatomischen Verhältnissen.
Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit der Technik gemacht?
Dr. Christof Birkenmaier: Als Chirurg arbeitet man mit großer Leidenschaft und gibt sich nicht gern mit zweitbesten Lösungen zufrieden. Wenn wir die Erfahrungen aus der Arbeit mit dem Roboter übertragen, ermöglicht uns die Computertechnik meiner Ansicht nach bei bestimmten komplexen Fällen, eine noch höhere Qualität der Instrumentierung zu erlangen – ein Vorteil für die chirurgische Arbeit insgesamt.
Wie beurteilen Sie die Lernkurve?
Dr Christof Birkenmaier: Die Einarbeitung in die Software und das Erlernen der Arbeitsabläufe während des Eingriffs selbst erfolgen sehr zügig. Auch als junger Arzt mit noch geringerer Fallzahl kann man mit dieser Technik rascher eine hohe Präzision bei der Implantat-Platzierung erreichen. Einziger Nachteil gerade für jüngere Kollegen könnte sein, dass diese durch die vermehrt eingesetzte Robotertechnik ihre manuellen Fertigkeiten weniger schulen und im Falle von Geräteausfällen im Verhältnis öfter auf erfahrenere Kollegen angewiesen sind.
Wie groß ist die Bereitschaft der Patienten Ihrer Klinik, sich mit dieser neuen Technik operieren zu lassen?
Dr. Christof Birkenmaier: Wir versorgen viele alte, multimorbide Patienten, die der Technik sehr offen gegenüberstehen. Die meisten sind begeistert von der Vorstellung, dass der Roboter bei ihrer Operation für zusätzliche Sicherheit sorgt.
Wie profitiert Ihre Klinik insgesamt von dem Technik-Know-How?
Dr. Birkenmaier: Als Uniklinik bieten wir unseren Patienten das gesamte Spektrum der Maximalversorgung. Der Einsatz des Roboters bietet zwar keine direkte finanzielle Ersparnis, trägt aber dazu bei, die Qualität unserer Arbeit zu verbessern. Dies trägt zur Reputation des Hauses insgesamt bei.
Roboter-Systeme sind in der Urologie, Gynäkologie und bei Herzoperationen etabliert. Wie wird sich die Wirbelsäulenchirurgie in den nächsten Jahren entwickeln?
Dr. Christof Birkenmaier: Ich hoffe, dass die Entwicklungen hier im selben Tempo wie bisher voranschreiten und die Systeme laufend ergänzt werden. Hierzu gebe ich meine Erfahrungen und Verbesserungsvorschläge gerne weiter. So ist z. B. eine Ausweitung der Technik auf Eingriffe an der Halswirbelsäule in Umsetzung.
Anbieter
Orthopädische Klinik und Poliklinik Klinikum der Universität MünchenMarchioninistr. 15
81377 München
Deutschland
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