BIH eröffnet Spatial Diagnostics Platform
Lernende Infrastruktur macht aus biologischen Daten klinisch nutzbares Wissen für schnellere und bessere Therapieentscheidungen bei Krebs, komplexen Immunreaktionen und seltenen Erkrankungen.

Das Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) eröffnete eine wegweisende Analyseplattform, die hochauflösende 3D-Lichtmikroskopie, molekulare Analysen von Genom und Proteom sowie KI-gestützte Auswertungsverfahren vereint. Die in Zusammenarbeit mit Roche Diagnostics, RoX Health, ZEISS, Bruker Daltonics, Hamilton Germany und LIMAA Technologies entwickelte Plattform bietet das Potenzial für einen neuen Standard der personalisierten Diagnostik und Therapieempfehlung: schnell und mit hoher Präzision für Patient*innen. Anwendungsfelder sind unter anderem Krebserkrankungen, komplexe entzündliche oder genetisch bedingte seltene Erkrankungen.
„Mit der BIH Spatial Diagnostics Platform setzen wir einen patientenzentrierten Meilenstein auf dem Weg zur qualitätsorientierten und KI-gestützten Sofortdiagnostik. Durch die Zusammenarbeit und enge Verzahnung von Akademia, Universitätsmedizin, Ausgründung und etablierter Industrie entsteht ein wegweisendes Biotechnologie-Cluster, das biomedizinische Translation vom Labor ans Krankenbett konkret macht“, sagt Prof. Dr. Christopher Baum, Vorsitzender des BIH-Direktoriums und Vorstand des Translationsforschungsbereichs der Charité — Universitätsmedizin Berlin.
„Die Eröffnung der BIH Spatial Diagnostics Platform ist ein Meilenstein für einen neuen onkologischen Versorgungsstandard und ein Zeichen der Hoffnung für alle Patientinnen und Patienten”, sagt Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt. “Hier wird eine direkte Brücke von der Forschung zur Patientenversorgung geschlagen, von der alle profitieren: Betroffene durch sensationell schnelle Diagnosen in 24 Stunden, starke Industriepartner durch die Verzahnung neuester, lernender Technologien und der Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Deutschland durch ‚Innovation made in Germany‘. Ich gratuliere allen Beteiligten zu diesem Vorzeigeprojekt.“
„Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, eine solche innovative Technologie hier in Berlin auf den Weg zu bringen. Sie zeigt, was möglich wird, wenn exzellente Wissenschaft, Universitätsmedizin und starke Partner aus der Wirtschaft ihre Kräfte bündeln. Am BIH und an der Charité eröffnen modernste Bildgebung, molekulare Diagnostik und Künstliche Intelligenz neue Möglichkeiten für präzisere und individuellere Therapien. Gerade bei Krebs und anderen komplexen Erkrankungen kann das die Versorgung spürbar verbessern”, sagt Ina Czyborra, Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege des Landes Berlin. „Darauf können wir in Berlin stolz sein: Hier wird aus Spitzenforschung medizinischer Fortschritt, der bei den Menschen ankommt. Solche Innovationen wollen wir als Land weiter voranbringen.“
Aus Forschung wird Versorgung – schneller zu einer individuellen Therapie
Die neue BIH Spatial Diagnostics Platform wird schneller komplexe Gewebeinformationen liefern und die Grundlage für präzisere Diagnosen schaffen. Dadurch können Therapieentscheidungen zukünftig fundierter und zeitnäher getroffen und die Versorgungsqualität verbessert werden. Das lässt sich beispielhaft bei Krebserkrankungen verdeutlichen: Hier wird der Tumor ganzheitlich betrachtet. Statt einzelne Merkmale wie Gene, Gewebe oder Proteine isoliert zu analysieren, führt die Plattform diese Daten zu einem Gesamtbild zusammen. Künstliche Intelligenz (KI) stützt diesen Prozess, indem sie aus komplexen Informationen diagnostisch relevante Muster erkennt. Sie unterstützt damit die ärztliche Expertise und erweitert diese. Innerhalb von Stunden kann die Diagnostik-Plattform entsprechende Daten und eine personalisierte Therapieempfehlung bereitstellen. So ließe sich beispielsweise der Krankheitsverlauf bei Eierstock- oder Prostatakrebs exakter vorhersagen und die Behandlung individuell optimieren. Herkömmliche Verfahren benötigen für diesen Vorgang ein bis drei Wochen. Insbesondere in der Onkologie kann das ein bedeutender Zeitvorteil sein. Gleichzeitig entsteht mit jedem neu ausgewerteten Patient*innenfall eine lernende Infrastruktur, wodurch Modelle kontinuierlich verbessert werden können. Der Weg von der Forschung in die klinische Versorgung wird so nachhaltig beschleunigt.
Die BIH Spatial Diagnostics Platform wird in fünf Phasen von 2026 bis 2029 umgesetzt. Zunächst liegt der Fokus liegt auf dem strukturierten Aufbau der organisatorischen, personellen und technischen Grundlagen des Projekts. Ab 2028 startet die Pilotphase mit ersten Forschungsprojekten. Anschließend folgen Studien in Zusammenarbeit mit Pharmaunternehmen, um den Übergang in die translationale und klinische Anwendungen zu gewährleisten.
BIH Spatial Diagnostics Platform verbindet erstmals neueste Technologien
Die Idee zur BIH Spatial Diagnostics Platform entstand im frühen Austausch zwischen dem BIH und RoX Health. Sie ist eine Zusammenarbeit mit führenden Industriepartnern aus der medizinischen Diagnostik und den Lebenswissenschaften. Die verschiedenen Technologien von Roche (Genomics/SBX-Sequencing-by-expansion Technologie), ZEISS (Mikroskopie), Bruker (Proteomics) und Hamilton (Automatisierung) unterstützen unterschiedliche Stufen der diagnostischen Wertschöpfungskette und zeigen, dass die Zukunft der Präzisionsmedizin nicht nur von einer einzigen Technologie bestimmt wird. Ausgehend von der hochauflösenden 3D-Gewebeanalyse (ZEISS und LIMAA Technologies) greifen neueste leistungsstarke Sequenzier-Technologien (Roche), räumliche Proteomik (Bruker) mit Unterstützung von Automatisierungssystemen (Hamilton) nahtlos ineinander. Die Kombination dieser Technologien ermöglicht eine schnelle, umfassende und gewebeschonende Analyse krankheitsbedingter Gewebeveränderungen und bildet die Grundlage für die Entwicklung präziser personalisierter Therapien. LIMAA Technologies ist ein Spin-off von Charité und BIH und wurde in seiner Vorgründungsphase vom BIH Digital Health Accelerator gefördert.











